Österreichs größte Privatuniversität hat nun internationale Eigentümer und somit mehr Möglichkeiten auszubauen – von Standorten bis hinzu Lehrgängen. Dass die öffentlichen Universitäten just zwei Wochen zuvor erfahren durften, ihnen werden 2,5 Milliarden Euro verwehrt, zeigt die Durchdringung der Bildung qua Kapitalinteressen erneut.
Wien/London. Die größte Privatuniversität Österreichs, mit ihren circa 6.000 Studierenden gab am Dienstag, den 02. Juni bekannt, sie habe nun neue Eigentümer. Die Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) will durch ihren Verkauf an das britische Investmenthaus Oakley Capital ihre Präsenz als Gesundheitsuniversität stärken. Mit dieser neuen Eigentümerstruktur soll die SFU neue Möglichkeiten der Internationalisierung, der Digitalisierung, der Forschung und innovativer Lernformate erhalten. Diese Lernformate beinhalten vor allem die Einbringung von KI in den Unterricht, was durch die neuen Eigentümer offensichtlich leichter von der Hand gehen werde, so Johannes Pollak, der Rektor der Universität. Auch soll das Angebot an Lehrgängen, um beispielsweise plastische und rekonstruktive Chirurgie erweitert werden. Auf der eigenen Website der SFU wird dezidiert darauf bestanden, die akademische Eigenständigkeit der Universität würde erhalten bleiben; für die Mitarbeitenden, die Studierenden und die Lehrenden werde sich nichts ändern.
Es ist ein fast schon lustiger Zufall, dass just zwei Wochen, nachdem die Bekanntmachung über die beispiellosen Budgetkürzungen von bis zu 2,5 Mrd. Euro der öffentlichen Universitäten ihre Runde machte, die Privatuniversität nun mit neuen (monetären) Möglichkeiten „durchstartet“. Hier wird ein weiters Mal gezeigt, dass Bildung, Wissenschaft und Forschung weiter kommerzialisiert wird und unter die Interessen des Monopolkapitals fällt. Während die oft jetzt schon unterfinanzierten öffentlichen Hochschulen weiter kürzen und sparen müssen, Lehrstellen nicht nachbesetzen können, Beschäftigungsverhältnisse weiter prekarisiert werden und sogar über die Einführung von Studiengebühren seitens Angaben der Universitätenkonferenz nachgedacht wird, können private Universitäten wie die Sigmund Freud Universität ihre Flügel spreizen. Denn Ausbau und Neubau der Standorte sind in Sicht. In Berlin und Mailand der Ausbau, in Wien suche man auch gerade nach Möglichkeiten, aber auch im Westen Österreichs wolle man einen Standort errichten.
Junge Menschen, welche entweder gerade oder aber auch erst in den nächsten Jahren die Hochschulreife erreichen, bewegen sich somit zwischen Skylla und Charybdis. Entweder sie studieren öffentlich, zahlen pro Semester 25,20 Euro an die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH). Sind dafür aber in womöglich überfüllten und veralteten Hörsälen, um einer oder einem überarbeiteten Lehrenden zuzuhören, welche oder welcher nächstes Semester vielleicht gar nicht mehr auf dieser Universität lehrt, da der befristete Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde. Aber man könne sich ja wenigstens noch glücklich schätzen, überhaupt in die Lehrveranstaltung aufgenommen worden zu sein oder gar den Lehrgang noch studieren zu können, denn kürzen könne man ja auch da. Auf der anderen Seite könnten sich die Studierenden von morgen, sofern das Portemonnaie der Eltern groß genug ist, auch auf einer Privatuniversität einschreiben lassen. Moderne und gut ausgestattete Hörsäle, mit vielleicht zwanzig Mitstudierenden und Lehrende, die einen über die ganze Laufbahn begleiten können. Dafür muss jedoch auch tief in die Tasche gegriffen werden – als Beispiel der Bachelorstudiengang Psychologie an der SFU: dieser kostet pro Semester 7.719 Euro, die Kosten für das Aufnahmeverfahren betragen dabei einmalig 550 Euro. Kumuliert man diese nun auf die sechs Semester, die das Curriculum vorschreibt, ergibt das einen Betrag von 46.864 Euro. Im kurzen Vergleich zum ÖH-Beitrag, welcher sich auf 151 Euro und 20 Cent nach sechs Semestern addiert.
Dass die Universitäten, ob öffentlich oder privat, vordergründig von jenen besucht werden, die schon über höheres ökonomisches und kulturelles Kapital verfügen, und gerade in Österreich Bildung vererbt wird darf jedoch nicht übersehen werden. Kinder aus Arbeiterfamilien, Migrantinnen und Migranten, Personen mit Betreuungspflichten haben oftmals nicht die Möglichkeit und die Ressourcen, um sich universitär weiterzubilden.
Die Landnahme der Universitäten durch die Verwertungslogik des Kapitals wird anhand dieser beiden Momente erneut und pointiert sichtbar. Während private Universitäten durch internationale Einkäufe ausbauen und einen noch größeren Platz in der österreichischen akademischen Bildung einnehmen, werden öffentlich finanzierte Universitäten ausgehöhlt und noch weiter in die Unsicherheit und Kommerzialisierung gedrängt.




















































































