Am 2. April 2026 startete um 00:24 Uhr (Ortszeit 1. April 2026, 18:24 Uhr) am Kennedy Space Center in Florida die zweite Mission der „Artemis“-Missionsreihe der NASA, mit der eine erneute bemannte Mondlandung, sowie eine längerfristige Präsenz auf dem Mond angestrebt wird. Während „Artemis 2“ wird ein Team aus vier AstronautInnen den Mond umrunden, als Missionsdauer sind etwa 9 Tage geplant. Dieser Flug soll der erste seit 1972 sein, bei dem Menschen den erdnahen Orbit verlassen und in die Nähe des Mondes gelangen.
Cape Caneveral. Mit Artemis 2 sollen vier Astronautinnen und Astronauten an Bord einer zuvor in Artemis 1 getesteten Orion-Raumkapsel innerhalb von neun Tagen den Mond in einer Entfernung von etwa 6.600 Kilometer ein mal umrunden. Ziel der Umrundung ist es, die Systeme an Bord der Orion-Raumkapsel und die Arbeitsabläufe der Crew zu testen und für eine spätere Mondlandung, die mit „Artemis 4“ geplant ist, zu proben. Der Start verlief mit der eigens für die Artemis-Missionen und späteren Missionen außerhalb der niedrigen Erdorbits (100 km – 400 km) zu anderen Himmelskörpern entwickelten Trägerrakete, dem „Space Launch System“ (SLS). Die Crew besteht aus drei US-Amerikanerinnen und ‑Amerikaner der NASA und einem Kanadier der Canadian Space Agency (CSA).
Es soll die erste Raumfahrtmission werden, die den Mond ansteuert, seit Apollo 17 im Jahre 1972. Die Astronautinnen und Astronauten haben je nach Flugverlauf auch die Möglichkeit, einen Rekord zu brechen. Der Rekord für die weiteste Entfernung eines Menschen von der Erde liegt bei 400.171 km, aufgestellt von Apollo 13. Artemis 2 könnte eine Entfernung von 370.000 – 450.000 km erreichen. Der Start war bisher schon zweimal geplant, wurde jedoch beide Male einige Tage zuvor aufgrund des Feststellens technischer Hindernisse verschoben. Neben dem Start der Orion-Raumkapsel selbst werden bei dem Start auch sogenannte Cubesats, kleine quaderförmige Satelliten, von internationalen Kooperationspartnern für wissenschaftliche Zwecke ins All befördert.
Die Artemis-Missionen
Das Artemis-Programm ist die Missionsreihe der NASA, mit der eine erneute und diesmal langfristige Präsenz von Menschen auf dem Mond angestrebt wird. Mit Artemis 1 wurde die Orion-Raumkapsel getestet, Artemis 2 soll den Anflug zum Mond für die Kapsel und die Crew erproben. Die zukünftige Mission Artemis 3 sah eigentlich 2027 die bemannte Mondlandung vor, doch soll nach im Februar 2026 bekanntgegebenen Plänen eine Erprobung von Betankung anderer Raumschiffe im Erdorbit stattfinden. Eine solche Betankung im All wird für die späteren Missionen Artemis 4, mit der die Mondlandung 2028 geplant ist, und Artemis 5, die eine Errichtung einer ersten provisorischen Basis auf dem Mond vorsieht, notwendig. Die Landungen sollen mit einer Variante von SpaceX Starship stattfinden, die für die Reise zum Mond nach dem Start eine weitere Betankung braucht. Zwischenzeitlich soll auch eine Raumstation um den Mond, die „Lunar Orbital Gateway-Platform“ (LOP‑G) gestartet werden, die späteren Missionen zum Mars oder anderen Himmelskörpern dienlich sein soll.
Geplanter Missionsverlauf von Artemis 2
Nach dem Start und der erfolgreichen Trennung der Booster und der ersten Raketenstufe (der Core Stage, CS), umrundet die Orion-Raumkapsel zunächst die Erde in einem niedrigen Erdorbit um die Lebenserhaltungssysteme zu testen. Nach zwei Erdumrundungen hob die zweite Stufe der SLS (die sog. Interim Cryogenic Propulsion Stage, ICPS) das Apogäum des Orbits (den am weitesten von der Erde entferntesten Punkt) auf etwa 71.000 km an. Nach 25 Stunden soll dann die sogenannte trans-lunar injection stattfinden, bei der die ICPS erneut Schub gibt und die Sonde auf einen Abfangkurs mit dem Mond schickt. Kurz darauf soll dann auch die ICPS von der Orion-Kapasel getrennt werden, und die Kapsel reist alleine weiter. Nach 4 Tagen der Reise mit gelegentlichen Korrekturschüben von an der Kapsel montierten Düsen, sollen AstronautInnen am 6. Tag der Mission den Mond erreichen. Nach einer Umrundung des Mondes soll die Raumkapsel mit Unterstützung der Schwerkraft des Mondes wieder Kurs auf die Erde nehmen, wo die Raumkapsel in der Atmosphäre abbremsen und mit Fallschirmen wieder auf der Erde landen soll.

Trump: „Wir dominieren und alle Welt schaut zu.“
Auch wenn der Start natürlich wichtige Beiträge zur Wissenschaft leisten wird, so wird aus Äußerungen des US-Präsidenten ebenfalls deutlich, dass der Start auch politische Dimensionen hat, wie schon so viele Errungenschaften der Raumfahrt vor dieser. Die NASA und ihr Erfolg sind für die USA Teil einer nationalistischen Narrative, was besonders in Zeiten verschärfter imperialistischer Kriege einen nicht unbedingt harmlosen Eindruck hinterlässt. Die vielen USA-Flaggen und die vielfache Präsenz des US-Militärs bei Verabschiedung und Transport der Crew sind angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf den Iran und des Genozides in Gaza nur schwer als reiner Patriotismus und Stolz auf wissenschaftliche Errungenschaften aufzufassen, und wirkt eher wie ein Symbol des Militarismus. Der US-Präsident Trump spricht offen von „weltweiter Domination“. Das Artemis-Programm ist Teil eines neuen „Space Race“ gegen China, zumindest laut unilateralen Einschätzungen der US-Administration und der NASA. Die Raumfahrtbehörde Chinas, die CNSA, plant ebenfalls ein bemanntes Mondprojekt, die Technik dafür befindet sich bereits in Erprobung, wie der kürzliche suborbitale Testflug der „Langer Marsch 10A“, der chinesischen Mondrakete, gezeigt hat. Der erste bemannte Testflug ist für 2027 geplant, ein Beginn von bemannten Mondmissionen ab 2030. Im Verlauf der 2030er Jahren ist eine internationale Mondbasis mit Russland geplant.
Ob es sich dabei tatsächlich um ein neues Wettrennen ins All wie in den Zeiten des Kalten Krieges handelt sei mal dahingestellt. Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass zwischen-imperialistische Spannungen und Konkurrenzen auch ins All hineingetragen werden, wie alleine die internationalen Kooperationen deutlich machen. So verbietet das sogenannte „Wolf-Amendment“, einem US-amerikanischem Gesetz, der NASA bilaterale Beziehungen mit dem chinesischen Raumfahrtprogramm einzugehen, zumindest ohne strenge Voraussetzungen und Überwachung. Das All, und bald auch wieder der Mond, waren und werden weiter Schauplatz von Auseinandersetzungen bleiben, wobei es hoffentlich erst einmal bei symbolischen Auseinandersetzungen bleibt. Obwohl es internationale Abkommen über die friedliche Nutzung des Alls und des Mondes, und deren Erhaltung für die Zukunft der Menschheit gibt kann hier jedoch keine Sicherheit herrschen, dass dieses eingehalten wird. Aktuell wird am Völkerrecht demonstriert, dass Rechte und Pflichten nur für bestimmte Gruppen Geltung haben.
Auch wenn Artemis 2 ein wichtiger Schritt für die bemannte und unbemannte Erforschung des Alls ist und eine solche Mission durchaus zu begrüßen ist, wenn man diese mit Entwicklungen unten auf der Erdoberfläche kontextualisiert, so bleibt doch ein etwas bitterer Nachgeschmack. Eine friedliche und für alle Menschheit profitable Nutzung des Weltalls ist zu erstreben und durchaus auch zu erreichen, doch gilt es dafür zunächst imperialistische Konkurrenzen zu zerstören. Dennoch ist die Rückkehr der Menschheit zum Mond eine aufregende Entwicklung der Raumfahrt, und eine, die einen Weg in eine friedliche und wohlhabende Zukunft für alle weisen könnte. Unter den richtigen Voraussetzungen.


















































































