Start Feuilleton Wissenschaft Globale Entwaldung fördert Erderwärmung und Pandemien

Globale Entwaldung fördert Erderwärmung und Pandemien

Die weltweite Zerstörung der Wälder schreitet unaufhörlich voran, wie ein WWF-Bericht zeigt. Die Konsequenzen sind weitreichend.

Wien. Am vergangenen Mittwoch legte das Internationale Programm des österreichischen WWF (Word Wide Fund For Nature) einen Bericht zu globalen „Entwaldungsfronten“ vor, mit wenig überraschenden, aber markanten Ergebnissen. Anhand von Satellitenbildern und ‑daten wurde erhoben, dass in den Jahren 2004 bis 2017 mehr als 43 Millionen Hektar v.a. tropischen Regenwaldes zerstört wurden – und dies nur in den 24 besonders stark betroffenen Gebieten, also in den tropischen und subtropischen „Hotspots“. Die gerodete Fläche entspricht damit dem Fünffachen des österreichischen Staatsgebietes. Der größte Anteil vernichteter Waldflächen entfällt auf den Amazonas-Regenwald mit 18,3 Millionen Hektar in Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Venezuela und Guyana. Dahinter folgt die Insel Borneo (Indonesien, Malaysia und Brunei), wo 5,8 Millionen Hektar abgeholzt wurden. 5,2 Millionen Hektar verzeichnen Argentinien und Paraguay im Trockenwaldgebiet Gran Chaco.

Verantwortlich für den weiter global massiven Rückgang der Wälder sind die kapitalistischen Profitinteressen, die auf Klima, Umwelt, Ökosysteme, bedrohte Tierarten und nicht zuletzt die vornehmlich indigene Bevölkerung in den entsprechenden Regionen keinerlei Rücksicht nehmen. Immer mehr und immer größere Waldflächen müssen der industriellen Landwirtschaft, neuen Weide- und Ackerflächen, aber auch Bergbau‑, Kraftwerks- und Infrastrukturprojekten weichen. Hinzu kommt freilich das Geschäft, das sich mit dem Tropenholz selbst machen lässt, was mitunter zu illegaler und nicht gerade nachhaltiger „Forstwirtschaft“ führt. Für die Menschheit ist die rücksichtslose Vernichtung der Wälder mit weitreichenden Folgen verbunden, nämlich nicht nur mit der unmittelbar wirkenden Zerstörung von Lebensräumen, sondern auch mit dem Verlust eines Bollwerks gegen den Klimawandel, denn die Flora der Regenwälder bindet große Mengen Kohlenstoffdioxid. Außerdem fördert das Eindringen des Menschen in tierische Rückzugsgebiete so genannte Zoonosen, also das Überspringen von zuvor unbekannten Viren und Infektionskrankheiten von Tieren auf Menschen – und dies kann, wie wir inzwischen alle wissen, zu Epidemien und Pandemien führen.

Quelle: ORF

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