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Neue Rekordabholzung im Amazonasregenwald

Fast 4.000 Quadratkilometer tropische Urwälder wurden seit Beginn dieses Jahres in Brasilien vernichtet. Die kapitalistische Profitmacherei nimmt keine Rücksicht auf den Umwelt- und Klimaschutz.

São Paulo. Das brasilianische Nationale Institut für Weltraumforschung (INPE), das die fortschreitende Entwaldung des Landes mittels Satellitenbildern dokumentiert, vermeldet für das erste Halbjahr 2022 einen neuen „Rekord“ im Amazonasgebiet: Von Anfang Jänner bis Ende Juni wurden dort 3.988 Quadratkilometer gerodet – das entspricht in etwa der Gesamtfläche des österreichischen Bundeslandes Burgenland. Oder eine andere geografische Relation: Jeden einzelnen Tag verschwanden durchschnittlich rund 22 Quadratkilometer Regenwald, was über der Größe des Wiener Gemeindebezirks Leopoldstadt liegt.

Im Jahresvergleich zeigt sich, dass die Geschwindigkeit der Abholzung weiter zunimmt. Gegenüber der ersten Hälfte des Jahres 2021 bedeuten die heurigen knapp 4.000 Quadratkilometer der gleichen Monate einen Anstieg um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig handelt es sich um den höchsten Wert seit 2015, als das INPE mit der Datenreihe in nunmehriger Form begann. Der traurige Rekord ist freilich mit allerlei negativen Konsequenzen behaftet: Zunächst gehen die Forscher davon aus, dass mit der Abholzung auch die Gefahr der Waldbrände steigt. Das bedeutet, dass in den Monaten August und September – während der „Hochsaison“ der Brände – in einem entsprechenden Kreislauf noch mehr Regenwaldbestand vernichtet werden wird.

Kapitalistische Profitinteressen missachten Umwelt- und Klimaschutz

Neben diesen unmittelbaren Folgen geht es natürlich um die größere Gesamtproblematik. Das Amazonasgebiet ist der Lebensraum einer einzigartigen Flora und Fauna sowie auch für indigene Völker, womit dessen fortschreitende Zerstörung diesen die existenzielle Grundlage entzieht. Aber auch die Wasserversorgung für Millionen Menschen in küstennäheren Regionen ist bedroht. Darüber hinaus betrifft der ökologische Schaden die bekannte Klimaproblematik auf globaler Ebene: Die tropischen Regenwälder Südamerikas binden erhebliche Mengen an CO2 (und produzieren umgekehrt Sauerstoff) – je mehr im Amazonasgebiet gerodet wird, desto mehr Treibhausgase verbleiben in der Atmosphäre und befördern die Erderwärmung.

Die Gründe für die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes liegen in rücksichtslosen menschlich-kapitalistischen Profitinteressen. Die gerodeten Flächen werden für die Landwirtschaft sowie für die (ihrerseits treibhausgasintensive) Viehzucht verwendet, aber auch Bergbauprojekte und deren Infrastruktur tragen ihren Teil bei. Insofern wäre die Regierung in Brasília gefordert, hier mit Schutzmaßnahmen einzugreifen. Allerdings bleiben nicht nur diese zum Großteil aus, sondern auch illegale Rodungen werden von den Behörden zumeist geduldet. Während kriminelle Spekulanten, Minenkonzerne, Holzwirtschaft und Agrarmonopole stetig größere Gewinne einstreifen, steuern Mensch, Tier und Umwelt immer rascher auf den Abgrund zu.

Quelle: Der Standard

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