Start Internationales 50 tote Arbeiter bei Minenunglück im Kongo

50 tote Arbeiter bei Minenunglück im Kongo

In einer afrikanischen Goldmine wurden dutzende Bergleute verschüttet – freilich handelt es sich nur bedingt um einen „Unfall“, sondern um ein Ergebnis der rücksichtslosen kapitalistischen Ausbeutung.

Kinshasa. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo liegt der über 200 Kilometer lange so genannten „Goldgürtel“, in dem seit den 1930er Jahren – damals noch unter belgischer Kolonialherrschaft – massiv nach Gold gegraben wird. In einer Mine bei der Stadt Kamituga kam es nun infolge heftiger Regenfälle zu einem Grubenunglück, bei dem eine unbekannte Zahl an Bergleuten von den Erdmassen verschüttet wurde – bislang geht man von mindestens 50 Toten aus. Verzweifelte Such- und Rettungsaktionen dauern an, doch gibt es kaum Hoffnung, noch Überlebende zu bergen.

Individueller Kleinbergbau als alternativloses Risiko

In der eingebrochenen Goldmine arbeiteten selbständige Bergleute auf eigene Faust und Rechnung – es handelt sich um so genannten „artisanalen Bergbau“ oder Kleinbergbau. Das bedeutet, diese Menschen sind bei keinem Unternehmen angestellt, sondern eine Art „Ich AG“: Was sie zutage fördern, gehört ihnen und kann von ihnen weiterverkauft werden. Klassische Goldgräberpioniere gewissermaßen – doch so romantisch ist es freilich nicht wirklich: Mit eigenem, unzulänglichem Werkzeug oder mit bloßen Händen wird in den engen Gruben und Schächten nach Gold gesucht, ohne reale Sicherheitsmaßnahmen, oft unter Anwendung von Kinderarbeit. Der mühsame und gefährliche Job bringt wenig ein, denn man wird auch noch von räuberischen Zwischenhändlern und Vertretern ausländischer Konzerne und Banken regelmäßig über den Tisch gezogen. Doch gibt es kaum Alternativen, da im globalen Kapitalismus keine andere Verwertungsgrundlage mehr vorgesehen ist: Fast alle Familien in Kamituga sind auf den Kleinbergbau angewiesen, ebenso die rudimentäre sonstige Wirtschaft, die wiederum von den zigtausenden Goldgräbern, die von den „öffentlichen“ Minen angezogen werden, abhängig ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Bergleute immer ans Limit gehen müssen: Die Arbeitszeiten sind zwangläufig ausgedehnt, denn solange nichts gefunden wird, bedeutet dies null Einkommen. Von daher sind viele Arbeiter permanent erschöpft. Für Ruhezeiten und Vorsicht ist keine Zeit, für Sicherheitsmaßnahmen gibt es kein Geld – und natürlich kann man nicht wegen Regenfällen und Überschwemmungen die Arbeit aussetzen, denn dann folgen Hunger, Obdachlosigkeit und der Verlust jeder Existenzgrundlage. Das ist der unmittelbare Grund, warum auch das jüngste Unglück nur eine Frage der Zeit war.

Internationale Monopole als Konkurrenz und Ausbeuter

Im Großen betrachtet geht es aber auch um etwas Anderes: Finanzkräftige internationale Bergbaukonzerne haben sich Schürfrechte im Kongo gekauft – im Falle des östlichen Goldgürtels ist es v.a. das kanadische Unternehmen Banro –, und diese stehen mit dem Kleinbergbau in Konkurrenz. Doch gegen die industriellen Methoden der gezielten Erschließung und Massenförderung durch nordamerikanische und europäische Bergbaumonopole, die zudem Lebensräume und die Umwelt zerstören, haben die ums tägliche Überleben kämpfenden Individualbergleute keine Chance: Der ohnedies niedrige Abnehmerpreis wird weiter gedrückt, die Arbeitsleistung muss erhöht werden. Aus diesem Kreislauf gibt es kein Entkommen. Doch es steckt schon viel Zynismus in der Tatsache, dass arme kongolesische Arbeiter und Kinder jenes Gold zutage fördern, dass in den imperialistischen Staaten der Nordhalbkugel dann als Inbegriff von Reichtum dient – und seinen wahren „Wert“ offenbar erst beim Transport zu den europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Goldhandelsplätzen erhält. Die Perfidie dieser Ausbeutung und der Aneignung des Reichtums durch die Reichen und Superreichen dieser Erde sagt viel aus über das perverse „Funktionieren“ des Kapitalismus: Das parasitäre Kapital vergoldet sich, die proletarischen Massen, insbesondere in den abhängigen Ländern, schuften übermenschlich und menschenunwürdig – und darben trotzdem. Und im Zweifelsfall müssen für die Profite und den Luxus der Bourgeoisie eben ein paar afrikanische Arbeiter sterben, wie in der Goldmine von Kamituga.

Quelle: Salzburger Nachrichten

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