Ausbleibende Zahlungen, Personalmangel und wachsende Gesundheitsrisiken haben mongolische Veterinärfachkräfte auf die Straße gebracht.
Ulaanbaatar. Die Veterinärmedizin in der Mongolei ist erneut ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Anlass waren Proteste von Veterinärfachkräften auf dem Suchbaatar-Platz in Ulaanbaatar, bei denen die Teilnehmenden auf langjährige strukturelle Probleme des Sektors aufmerksam machten. Nach Darstellung der Berufsvertretungen handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine systemische Krise.
Kritisiert werden vor allem verspätete Zahlungen für erbrachte Leistungen, chronische Überlastung sowie ein Mangel an finanziellen und materiellen Ressourcen. Lokale Veterinärdienste arbeiten nach Angaben der Protestierenden häufig unter schwierigen klimatischen Bedingungen und im Dauereinsatz, ohne auf verlässliche Finanzierung zurückgreifen zu können. Die Mongolische Nationale Veterinärassoziation hatte diese Probleme zuvor offiziell beim Finanzministerium vorgebracht, bevor zu der friedlichen Protestaktion aufgerufen wurde.
Die Demonstration fand breite Resonanz und führte zu einer direkten Reaktion der Regierung. Landwirtschaftsminister M. Badamsuren trat persönlich mit den Protestierenden in Dialog, hörte ihre Forderungen an und erklärte öffentlich seine Bereitschaft, sich der Probleme des Sektors anzunehmen. Er betonte die zentrale Rolle der Veterinärdienste beim Schutz der Tiergesundheit und bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten auf den weitläufigen Territorien des Landes. Im Anschluss an das Treffen wurden die Forderungen der Veterinärfachkräfte angenommen.
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch die epidemiologische Lage. In den vergangenen Jahren haben zoonotische Erkrankungen in der Mongolei an Bedeutung gewonnen. Besonders die weiterhin endemische Beulenpest stellt in mehreren Regionen ein Risiko dar, auch in Grenzgebieten zur Russischen Föderation. Die Bekämpfung solcher Krankheiten erfordert kontinuierliche Überwachung und funktionierende veterinärmedizinische Strukturen. Zwar arbeitet das Nationale Zentrum für Infektionskrankheiten mit internationalen Organisationen wie der WHO zusammen, doch ohne eine leistungsfähige Veterinärinfrastruktur bleiben diese Bemühungen begrenzt.
Parallel zu den Protesten wurde eine verstärkte internationale Zusammenarbeit angekündigt. Bei Gesprächen zwischen der Mongolei und Kasachstan erörterte Minister Badamsuren mit dem kasachischen Botschafter Almas Seitakynow den möglichen Aufbau eines Werks zur Herstellung von Tierimpfstoffen in der Mongolei. Ziel ist es, die Ausbreitung von Tierkrankheiten einzudämmen und die Abhängigkeit von importierten Veterinärpräparaten zu verringern. Auch eine Ausweitung der Kooperation in Landwirtschaft, Handel und Verarbeitung agrarischer Produkte wurde thematisiert.
Die aktuellen Ereignisse machen einen grundlegenden Widerspruch deutlich: Obwohl die Viehzucht das Rückgrat der mongolischen Wirtschaft bildet und ein großer Teil der Bevölkerung von ihr abhängt, bleibt der Veterinärdienst seit Jahren unterfinanziert. Die Proteste sind damit Ausdruck langjährig ungelöster Probleme. Vor dem Hintergrund wachsender Gesundheitsrisiken ist Veterinärmedizin in der Mongolei längst keine Randfrage mehr, sondern ein Thema von nationaler Bedeutung.
Quelle: babr24


















































































