Madrid. Die spanische Lokführergewerkschaft hat nach zwei schweren Eisenbahnunfällen innerhalb von 48 Stunden, bei denen insgesamt mindestens 42 Passagierinnen und Passagiere gestorben sind, einen landesweiten Streik ausgerufen. Die Gewerkschaft erklärt, sie akzeptiere keinen „Systemfehler“ in der Sicherheitsarbeit mehr, und verlangt, dass Manager und Entscheidungsträger strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Der tödlichste Unfall ereignete sich in Andalusien, wo zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidierten und entgleisten. Unter den Todesopfern befindet sich laut Angaben auch ein 28-jähriger Lokführer. Der zweite Unfall ereignete sich in Katalonien, wo ein heftiger Sturm dazu beigetragen haben soll, dass eine Mauer über die Gleise stürzte und ein Nahverkehrszug entgleiste. Dabei kam ein Lokführerpraktikant ums Leben, mehrere Passagiere und Mitarbeiter wurden verletzt.
Die Lokführergewerkschaft SEMAF beschreibt die Infrastruktur als „kritisch” und ist der Ansicht, dass die anhaltende Verschlechterung das Ergebnis politischer Entscheidungen, knapper Wartungsbudgets und eines Betriebssystems ist, das Durchsatz und Kostenkontrolle vor robuster Sicherheit priorisiert. Der Streik wird von Spaniens größter Gewerkschaftszentrale CCOO unterstützt, was den Konflikt verschärft und den Druck auf den Staat und die Betreiber erhöht.
Während sie auf Maßnahmen warten, haben die Lokführer strengere interne Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Die Mitglieder werden ermutigt, bei schlechtem Wetter ihre Geschwindigkeit zu reduzieren, selbst wenn Fahrplan und angegebene Höchstgeschwindigkeit mehr zulassen. Darüber hinaus verlangt die Gewerkschaft, dass Lokführer vor jeder Abfahrt schriftliche Sicherheitsgarantien über den Zustand der betreffenden Strecke in Bezug auf die Anweisungen der Verkehrsbehörden einholen können. Wenn eine solche Garantie nicht gegeben werden kann, muss der Fahrer auf das Fahren verzichten.
Verkehrsminister Óscar Puente sagte, die Eisenbahner seien schockiert, und er versprach Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage. Nach dem schweren Unfall hat das Infrastrukturunternehmen Adif auch Notüberprüfungen durchgeführt und vorübergehend die Geschwindigkeit auf den zentralen Strecken reduziert, während auf Inspektionen gewartet wurde.
Hinter den Schlagzeilen verbirgt sich ein klassischer Widerspruch: Wenn der Arbeiter vor Risiken warnt und sichere Bedingungen fordert, trifft er oft auf eine Verwaltung und ein Management, die auf Kosten und nicht auf Menschenleben zählen. Bei diesem Streik geht es also nicht nur um zwei Unfälle – sondern darum, wer die Konsequenzen trägt, wenn die Eisenbahnen mit der Effizienz des Kapitals als Maßstab und der Sicherheit der Arbeiterklasse als Variablen betrieben werden.
Quelle: Riktpunkt


















































































