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US-Militär als Superspreader

Nach massivem Anstieg der Coronafälle rund um den größten US-Stützpunkt auf Okinawa gibt es erste Konsequenzen: Maskenpflicht und Ausgangsverbot für die amerikanischen Soldaten.

Tokio/Japan. Künftig müssen US-Militärs „unnötige“ Ausgänge vom Stützpunkt „Camp Hansen“ unterlassen. Ebenfalls ist eine Maskenpflicht für die Soldatinnen und Soldaten in Kraft. Japans Premier Fumio Kishida gab an, diesbezügliche Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten getroffen zu haben.

Der Hintergrund: In den letzten Tagen stiegen die Covid-Fälle auf Okinawa, der südlichsten Hauptinsel Japans, massiv an. Alles begann mit der Infektion von 227 US-Militärs im „Camp Hansen“ allein im Monat Dezember. Waren es am 1. Jänner noch 51 Corona-Neuinfektionen in der Präfektur Okinawa, lag der Wert vergangenen Freitag bereits bei 1414 – deutlich mehr als etwa in Tokio mit seinen knapp 10 Millionen Einwohnern. Die lokalen Behörden von Okinawa beschlossen nun die ersten strengen Maßnahmen seit vergangenem Herbst.

Für den parteilosen Gouverneur der Präfektur Okinawa, Denny Tamaki, spielen die US-Basen eine große Rolle bei der jüngsten Entwicklung. Der erste „zivile“ Omikron-Fall auf Okinawa trat bei einem in „Camp Hansen“ beschäftigten Japaner auf. Auf Okinawa ist ein Großteil der amerikanischen Truppen in Japan (sowie eine NSA-Abhörstation) stationiert, die sich bisher in Sachen Infektionsschutz sehr zum Unmut der lokalen Bevölkerung nicht an die japanischen, sondern die US-amerikanischen Standards hielten. So fanden es die US-Marines nicht nötig, sich vor ihrer Einreise nach Japan wie alle anderen Amerikaner einem Coronatest zu unterzeihen. Ausbrüche in der Nähe von US-Stützpunkten – samt notwendigen Quasi-Notstandsmaßnahmen – gibt es derzeit ebenfalls in Yamaguchi und Hiroshima.

Enorme Kosten für Stützpunkte

Die versuchte Profilierung des japanischen Premiers in der Angelegenheit sollte jedoch nicht davon ablenken, dass sich die politische Elite des Landes real als williger Erfüllungsgehilfe des US-Militärs auftritt. In einem neuen Fünfjahresvertrag wurde erst im Dezember festgelegt, dass Japan erstmals über eine Billion Yen (umgerechnet 8 Milliarden Euro) für die Stationierung der imperialistischen Streitkräfte zahlen muss. Nicht nur sollen die in der Bevölkerung unbeliebten Basen ausgebaut, es sollen auch neue Stützpunkte errichtet werden. Gerade im Zusammenhang mit „Camp Hansen“ wurden in der Vergangenheit wiederholt lokale Volksentscheide von der Zentralregierung ignoriert oder gar aufgehoben.

Quellen: Reuters, The Guardian, Kyodo News

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