Start Internationales US-Senatoren wollen kubanische Hilfseinsätze sanktionieren

US-Senatoren wollen kubanische Hilfseinsätze sanktionieren

Tausende Ärztinnen und Ärzte aus Kuba unterstützen weltweit den Kampf gegen die Corona-Pandemie. In den USA will man diese internationale Solidarität unterbunden wissen.

Washington/Havanna. Rick Scott, Marco Rubio und Ted Cruz sind Senatoren der Republikanischen Partei, die beiden ersten für den Bundesstaat Florida, letzterer für Texas. Mit dem von ihnen eingebrachten „Cut Profits to the Cuban Regime Act“ wollen sie weltweit Länder sanktionieren, die Hilfestellungen kubanischer Medizinbrigaden in Anspruch nehmen. Seit Jahren sind nämlich zigtausende kubanische Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und ‑pfleger bei internationalen Hilfseinsätzen im Einsatz, vor allem in Regionen, wo eine eigenständige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung nicht möglich ist. Dabei handelt es sich um sowohl grundlegende Unterstützung, aber auch um Katastrophenfälle. Nicht zuletzt im Zuge der CoViD-19-Pandemie gewannen die kubanischen Ärztebrigaden abermals an Bedeutung: Ein etwa 4.000 Menschen umfassendes medizinischen Personal aus Kuba war/ist in 39 Ländern aktiv, um gegen die Ausbreitung der Pandemie und für die Versorgung der Erkrankten zu wirken – dies allerdings nicht nur in Lateinamerika, der Karibik und Afrika, sondern sogar in Norditalien, als dieses im Frühjahr besonders schwer betroffen war. Diese Solidarität des sozialistischen Inselstaates ist den USA ein Dorn im Auge, noch schlimmer finden sie aber, dass so viele Staaten die Unterstützung dankend annehmen.

Geltende US-Politik ist freilich eine totale Blockade Kubas, um das Land wirtschaftlich zu erdrosseln. Da kann es nicht angehen, dass freundschaftliche Beziehungen in aller Welt unterhalten werden und die kubanische Regierung sich auch noch Anerkennung und Respekt verdient. Die Corona-Hilfseinsätze aus Kuba sind für die betroffenen Länder nämlich gratis, lediglich Kost und Logis müssen bereitgestellt werden. Daher folgt der Antrag der US-Senatoren einem anderen Ansatz: Es gibt auch kubanische Ärzteteams, die gegen Bezahlung international tätig sind, nämlich in wohlhabenden ölreichen Staaten wie Saudi-Arabien, Kuwait oder Katar. Dort erfolgt eine ortsübliche Entlohnung, wobei die Brigadisten hier mehr verdienen können als zu Hause, ein Teil des Geldes fließt jedoch in das kubanische Gesundheits- und Bildungssystem. Und das ist für die Herren Scott, Rubio und Cruz untragbar: Das „tyrannische Regime“ in Havanna dürfe nicht auch noch auf diese Weise finanziert werden. Noch perfider: Der fragliche Antrag bezeichnet diese bezahlten Ärztebrigaden als „Menschenhandel“ und sieht eine massive „Ausbeutung“ der Mediziner. Daher werden empfindliche Sanktionen gegen die Gastländer gefordert, die kubanische Hilfestellungen in Anspruch nehmen – natürlich nicht gegen gute Verbündete wie Saudi-Arabien, sondern vornehmlich gegen arme Karibikstaaten, was aber als nebensächliche Absurdität auch schon wieder egal ist.

Faktum ist: Den drei Republikanern ist der intellektuelle Hand- und Hirnschlag mit ihrem Noch-Präsidenten Trump tadellos gelungen. Aus ihrer Politik sprechen Menschenverachtung, Heuchelei und Anmaßung, aber eben auch eine grobe Portion dreister Dummheit. Sie sehen lieber zigtausende vermeidbare Tote in abhängigen Ländern und sogar in Europa als Hilfestellungen vom nachbarlichen revolutionären Erzfeind der USA – und dies soll mit globaler Interventions- und Sanktionspolitik sowie lächerlichen Vorwürfen durchgesetzt werden. Die moralische Verkommenheit des Imperialismus ist eben grenzenlos: Er ist die Pandemie, die man eindämmen muss, und die Krankheit, die auszurotten ist.

Quelle: Der Standard

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