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Welthunger-Index 2021: 811 Millionen Menschen weltweit hungern

Das von der UN ausgesprochene Ziel, den Hunger bis 2030 vollständig beseitigt zu haben, liegt fernab jeder Realität. Die Prognosen deuten vielmehr auf einen Anstieg der weltweit von Hunger betroffenen Menschen hin.

Jeder Zehnte Mensch leidet an Hunger

Der jährlich aktualisierte Welthunger-Index (WHI) besteht aus vier Indikatoren, die jeweils in hoher Korrelation mit der Hungersituation in einem Land stehen: Unterernährung, Wachstumsverzögerung bei Kindern, Untergewicht bei Kindern und Kindersterblichkeit. Zusammengerechnet bilden diese Indikatoren dann pro Nation Werte auf einer Skala von 0 bis 100, wobei der Wert 0 für gar keinen Hunger steht.

Während die dabei berechneten WHI-Werte zumindest im globalen Durchschnitt und über einen längeren Zeitraum sukzessive zurückgegangen sind (jedoch mit immer kleiner werdenden Raten), steigt die Anzahl der Menschen, die unterernährt sind seit fünf Jahren auf mittlerweile 811 Millionen. Mehr als jeder zehnte Mensch auf der Welt ist also unterernährt. 2019 waren es noch 690 Millionen Menschen. Laut dem Bericht könnte dies auch eine Umkehrung der Trends bei den anderen drei Indikatoren voraussagen, was eine deutliche Verschlechterung der Lage in den nächsten Jahren bedeuten würde.

Bewaffnete Konflikte und Klimawandel

Als einer der wichtigsten verschärfenden Faktoren des Hungerproblems gibt der Bericht bewaffnete Konflikte an. So sind die Länder mit den höchsten WHI-Werten nicht nur betroffen von ökonomischer imperialistischer Ausbeutung, sondern auch Schauplatz von Bürgerkriegen und ausländischen militärischen Interventionen. Als Beispiel sei hier der Jemen erwähnt, wo der zweithöchste WHI-Wert nach Somalia berechnet wurde. Die Unterernährungsrate beträgt 45,4%, die Wachstumsverzögerungsrate bei Kindern 51,4%, die Auszehrungsrate bei Kindern 15,1% und die Kindersterblichkeitsrate 5,8%. Es bestehen von Saudi-Arabien aufgezwungene und von den USA unterstützte, Land‑, See- und Luftblockaden für Gebiete, die von den Huthi-Rebellen kontrolliert werden, was Hilfslieferungen verhindert und die Lebensmittelknappheit weiter verschärft.

Als einziges Land mit einem als „sehr ernst“ klassifizierten WHI-Wert, indem kein militärischer Konflikt herrscht, wird Madagaskar angegeben. Hier wird die Rolle des Klimawandels als verschärfender Faktor deutlich: Mehrjährige Dürren haben den Süden des Landes an den Rand einer Hungersnot getrieben. Die Unterernährungsrate in Madagaskar beträgt 43,2%, gehört damit zu den fünf höchsten weltweit und steigt seit einem Jahrzehnt beständig.

Prognose

„Trotz der verbindlichen Zusage, Zero Hunger bis 2030 zu erreichen, breitet sich der Hunger in vielen Ländern weiter aus“, so der WHI-Bericht. In manchen Ländern mit ohnehin hohem Hungerniveau steigen die WHI-Werte seit 2012, beispielsweise in Jemen, Madagaskar und der Zentralafrikanischen Republik. Auch in anderen Staaten, wie der Republik Kongo und Lesotho, hat sich die Situation seit 2012 verschlimmert.

Laut den derzeitigen WHI-Prognosen werden 47 Nationen bis 2030 keinen WHI-Wert unter 10 erreichen, welcher vom WHI als Grenze für ein niedriges Hungerniveau eingestuft wird. 28 dieser Länder liegen in Afrika südlich der Sahara. Die restlichen erstrecken sich von Südasien, Ost- und Südostasien, Westasien, Nordafrika bis nach Lateinamerika und die Karibik. Für den gesamten afrikanischen Kontinent wird außerdem eine Zunahme der Menschen, die von Unterernährung betroffen sind, bis 2030 prognostiziert.

Des Weiteren zeigt sich klar, dass in den meisten Ländern, wo der Hunger sinkt, die relative Abnahme immer geringer wird. In nur 14 Ländern konnten seit 2012 deutliche Verbesserungen festgestellt werden.

Der Bericht kommt somit zur Schlussfolgerung: „Es ist offensichtlicher denn je zuvor, dass wir nicht auf Kurs sind, Zero Hunger bis 2030 zu erreichen, und dass bisherige Erfolge nicht nachhaltig wirken“.

Quelle: WHI 2021

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