HomeKlassenkampfAMS-Chef sieht Hunderttausende Arbeitslose „nicht so wild“

AMS-Chef sieht Hunderttausende Arbeitslose „nicht so wild“

Johannes Kopf gab im jüngsten ZIB-Interview wieder einmal den Regierungssprecher und fiel den Handelsbeschäftigten mit einem Ruf nach Sonntagsöffnung in den Rücken.

Wien. Über 340.000 Personen sind in Österreich derzeit ohne Job. Je länger der Lockdown dauert, desto stärker wird diese Zahl steigen. Ausgerechnet der zuständige Vorstand des Arbeitsmarktservices (AMS), Johannes Kopf, sieht das ganz gelassen. „Nicht so wild“, beschwichtigte er wörtlich im ZIB-Interview am Sonntag auf die Frage, ob durch die aktuellen Maßnahmen vermehrt Andrang beim AMS herrsche. Am Mittwoch sollen genaue Zahlen präsentiert werden, Kopf habe nach eigenen Aussagen Schlimmeres erwartet.

Richtig ins Schwärmen geriet Kopf beim Thema Kurzarbeit: Insbesondere Tourismusbetriebe würden zunächst Überstunden und Urlaube „abbauen“, womit das Kurzarbeitsmodell (noch) kaum in Anspruch genommen werden müsse. Anders formuliert: Während die Betriebe Umsatzersatz, Fixkostenzuschuss und sonstige Hilfsgelder kassieren, bedeutet der Lockdown für viele Beschäftigte Zwangsurlaub. Als ob die aktuelle Situation irgendeine Erholung darstellen würde, und alles nur mit dem Ziel, dass nach Öffnen der Betriebe wieder monatelang durchgehackelt werden kann.

Der durch keinerlei demokratischen Wahlen legitimierte, sondern offenbar ausschließlich über parteipolitische Machtspielchen auf seinen Posten beförderte Kopf wird regelmäßig zum Ausloten umstrittener Regierungsvorhaben eingesetzt. Sei es Kürzung der Arbeitslosenbezüge, verschärfte Sanktionen oder noch miesere Zumutbarkeitsbestimmungen – Kopf fordert regelmäßig im Sinne der Unternehmer, was die Türkis-Grün (noch) nicht offen sagen möchte. Auch jetzt ist es wieder so: Offene Geschäfte an einem Sonntag vor Weihnachten würden Umsätze und damit Wirtschaftswachstum und Jobs schaffen, orakelte der AMS-Chef, dem ganz offensichtlich Umsatzzahlen wichtiger als verdiente Ruhephasen für die Beschäftigten sind.

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