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Burgenland annektiert steirisches Gebiet

Im Bereich der Lafnitz muss die Steiermark einen Teil ihres bisherigen Landesterritoriums an das Burgenland abtreten – ein Referendum ist nicht nötig.

Eisenstadt/Graz. Fast 1.000 Jahre hatte die Grenzziehung zwischen der Steiermark und dem heutigen Burgenland bestand, nun gibt es jedoch eine pannonische Expansion gen Westen. Im Bereich der burgenländischen Gemeinde Burgauberg/Neudauberg (Burgóhegy-Magashegy, Bezirk Güssing) und des steirischen Gegenübers Neudau (Hartberg-Fürstenfeld) wird die Grenze verschoben: Etwa 6.000 Quadratmeter der steirischen Landesfläche wechseln in den Hoheitsbereich der Eisenstädter Landesregierung. Hintergrund ist die zwecks Hochwasserschutz erfolgte Regulierung des Grenzflusses Lafnitz: Die Mäander der Lafnitz wurden durchstoßen, der Fluss also begradigt – und in Konsequenz entsprach der Flusslauf nicht mehr der Grenze. Um den alteingesessenen Zustand wiederherzustellen, fallen die nunmehr linksufrigen steirischen Gebiete kurzerhand an das Burgenland.

Wer einen innerösterreichischen Territorialkonflikt erwartet, wird jedoch enttäuscht: Die betroffenen Gemeinden haben sich konsensual auf die Grenzverschiebung geeinigt, Länder und Bund werden nachziehen. Das wurde freilich auch dadurch erleichtert, dass das fragliche Gebiet unbewohnt ist und daher keine Steirer gezwungen sind, Burgenländer zu werden. Im Großen ist ein Verlust von 6.000 Quadratmetern für die Steiermark auch leicht verkraftbar, denn die Landesfläche beträgt fast 16.400 Quadratkilometer. Umgekehrt kann das Burgenland mit seinen lediglich 3.900 Quadratkilometern einen kleinen Zuwachs durchaus gebrauchen – ein schönes Geschenk zum 100. Geburtstag. Trotzdem ist die historische Tragweite bemerkenswert: Die bisherige Grenze hatte seit dem Jahr 1043 Gültigkeit – damals verlief sie freilich noch zwischen dem Herzogtum Kärnten, zu dem die Steiermark gehörte, und dem Königreich Ungarn, das auch das heutige Burgenland umfasste.

Quelle: ORF

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