HomePanoramaObdachlose in der Pandemie: U‑Haft oder Hostel

Obdachlose in der Pandemie: U‑Haft oder Hostel

Wohnungs- und Obdachlose gehören in der Pandemie zu besonders gefährdeten Gruppen. Neben dem vielfach ohnehin schlechten Gesundheitszustand bilden Massenunterkünfte die Basis für Clusterbildungen.

U‑Haft in Innsbruck

Innsbruck/Salzburg. Die Zuständigen haben sich verschiedene Konzepte oder eben keine überlegt, um diese Situation zu lösen. In Innsbruck, wo es insgesamt etwa 250 Obdachlose gibt, sind Berichten zufolge mehr als 50 Personen, die laut „Standard“ dieser Gruppe zugeordnet werden, mit dem Virus infiziert. Daraufhin funktionierte die Stadt die größte Notschlafstelle in ein Quarantänequartier um. Nicht alle von den Quarantänemaßnahmen Betroffenen halten sich an diese. Dies mag einerseits am Klientel liegen, aber auch daran, dass es sich um ein Nächtigungsprovisorium handelt, das nicht auf einen ganztägigen Aufenthalt ausgelegt war. Laut „Standard“ wurde den Betroffenen Bastel- und Malutensilien zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde das strikte Alkoholverbot gelockert. Das führte aber nicht dazu, dass es alle Betroffenen dort aushalten, weswegen vier von ihnen in U‑Haft sind.

Dies ist rechtlich wohl aus Pandemieschutzgründen gedeckt, aber wirkt absurd. Es herrscht Verantwortungslosigkeit, und die Schuld wird hin und her geschoben zwischen dem Innsbrucker Bürgermeister Willi (Grüne), Sozialstadtrat Johannes Anzengruber (ÖVP) und der Tiroler Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne). Die U‑Haft gilt bis zum negativen Corona-Test.

Hostel in Salzburg

In Salzburg hat man sich, um Gesundheitsschutzmaßnahmen in den bestehenden Unterkünften besser einhalten zu können, dafür entschieden, zusätzliche Betten über die Anmietung eines Hostels zu requirieren. Hier wird eine 24-Stunden-Betreuung angeboten. Neben einem offensichtlich positiven Effekt auf das Gesundheitsgeschehen – seit November gab es hier vier Fälle – hat dies laut Sozialarbeiterinnen und ‑arbeitern auch die generelle Stabilisierung einiger Betroffener zur Folge. Der Mietvertrag läuft bis Ende April.

Quelle: Der Standard

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