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Wiener Polizei nimmt Nandu in Gewahrsam

In der Wiener Innenstadt wurde ein straußenartiger Laufvogel polizeilich beamtshandelt – und anschließend des Landes verwiesen.

Wien. Gibt’s nicht? In Wien schon. Auf der Kärntner Straße im ersten Gemeindebezirk rückte die Polizei am vergangenen Mittwoch zu einem besonderen Einsatz aus: Ein ausgewachsener Großer Nandu spazierte seelenruhig durch die Innenstadt – allerdings brav angeleint durch sein, ähm, Herrchen. Da dies einer Funkstreife komischerweise komisch vorkam, wurde das seltsame Paar angehalten und zur Überprüfung auf die Polizeiinspektion Brandstätte abgeführt. Weder der südamerikanische Laufvogel noch der Besitzer leisteten Widerstand, sondern zeigten sich sogar kooperativ. Das war auch gut so, denn auf der Flucht erreichen Nandus Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h – da hätten sich die Wiener Polizeibeamten bei einer etwaigen Verfolgungsjagd in der Fußgängerzone zwischen Stephansdom und Staatsoper eher schwergetan.

Amtstierarzt verfügt Ausweisung aus Österreich

Der auf dem Wachzimmer hinzugezogene Amtstierarzt der MA 60 nahm eine veterinärmedizinische Untersuchung vor, fand das Tier bei tadelloser Gesundheit sowie keinerlei Hinweise, dass es nicht artgerecht gehalten würde. Ob allerdings das Gassigehen an der Leine tatsächlich zu einer artgerechten Nanduhaltung gehört – wenngleich ein Laufvogel gewiss Auslauf braucht –, darf zwar bezweifelt werden, doch offenbar fehlte behördlicherseits auch das entsprechende Engagement, um bei südamerikanischen Experten oder wenigstens einheimischen Ornithologen nachzufragen. Wie dem auch sei – der menschliche Vogelführer und der Laufvogel wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Da der slowenische Tourist, der anscheinend gerne mit Vogel verreist, jedoch keine ordnungsgemäßen Papiere für sein exotisches Haustier vorweisen konnte, erfolgte seitens des Amtstierarztes die Aufforderung, das österreichische Bundesgebiet zu verlassen – wohlgemerkt: der Nandu wurde des Landes verwiesen, nicht der Besitzer.

Einheimisch in Südamerika – und Norddeutschland

Der Große Nandu (Rhea americana) ist ein flugunfähiger Laufvogel, der eine Scheitelhöhe von bis zu eineinhalb Metern erreicht. Sein natürliches Verbreitungsgebiet sind die Savannen Südamerikas, von Argentinien über Uruguay bis Brasilien. Durch Bejagung und Zerstörung des Lebensraums gilt er dort allerdings mittlerweile als potenziell gefährdet. Anders übrigens in Norddeutschland: Dort entkam vor rund 20 Jahren eine kleine Gruppe von Nandus von einer Straußenfarm in Schleswig-Holstein und siedelte sich erfolgreich in der Wildnis Mecklenburg-Vorpommerns an. Nachdem die freilebende Population zwischenzeitlich (2018) auf über 500 Tiere angewachsen war, unternahmen die Schweriner Behörden Schritte zur Dezimierung – daher findet sich der Nandu mittlerweile unversehens im Landesjagdgesetz von Mecklenburg-Vorpommern wieder, was vor allem dem Druck aus der Landwirtschaft geschuldet ist.

In Wien – und wie es scheint, auch in Laibach – hat man hingegen noch keine klare Vorstellung, wie mit südamerikanischen Laufvögeln umzugehen ist. Die vorübergehende Festnahme auf der Kärntner Straße sowie die Ausweisung aus Österreich nach Slowenien wirken ein wenig hilflos, doch immerhin kann man von Glück reden, dass Innenminister Nehammer und Polizeipräsident Pürstl das arme Tier weder in Schubhaft nahmen, noch zum Abschuss freigaben.

Quelle: ORF

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