HomeFeuilletonGeschichteMehrheit für Roma-Gedenkstätte in Kemeten

Mehrheit für Roma-Gedenkstätte in Kemeten

Im südburgenländischen Kemeten erbrachte ein Referendum eine Zustimmung zur Errichtung eines Denkmals für die 200 Roma der Gemeinde, die 1938–1945 zu Opfern des NS-Faschismus wurden. 

Oberwart. In der kleinen südburgenländischen Gemeinde Kemeten bei Oberwart fand am vergangenen Sonntag eine Volksbefragung der besonderen Art statt: Die Frage lautete, ob für die während des NS-Faschismus deportierten und ermordeten Roma aus Kemeten ein Denkmal errichtet werden soll. Als Resultat gab es unter der teilnehmenden Bevölkerung 201 Ja-Stimmen gegenüber 174 Nein-Stimmen, somit eine Mehrheit von 53,6 Prozent für die Gedenkstätte, die aus einem Granitblock und einer Tafel bestehen soll. Das Ergebnis ist für die politische Entscheidung nicht bindend, doch möchte man hoffen, dass sich die seit langem in Kemeten regierende SPÖ nicht länger dem Projekt verschließt. 2003 war die Errichtung eines Mahnmals im Gemeinderat sowohl mit SPÖ- wie mit ÖVP-Stimmen abgelehnt worden. Gegenwärtig verfügt die SPÖ über eine absolute Mehrheit von 13 Mandaten, die ÖVP stellt vier, die FPÖ zwei Gemeinderäte. Der sozialdemokratische Bürgermeister Wolfgang Koller hat es also in der Hand, die lange Diskussion endlich zu einem positiven Ende zu führen.

1938 waren von nicht ganz 1.600 Einwohnern Kemetens etwas 200 Angehörige der Volksgruppe der Roma. Das deutsch-faschistische Regime begann bald mit der Deportation der „Zigeuner“, wie sie genannt wurden, bereits 1941 waren keine Roma mehr in Kemeten zu finden. Über ihr Schicksal ist bis heute wenig bekannt. Die meisten landeten im Roma-Lager Lackenbach, wo von aus sie weiter in Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt wurden, manche dürften auch das Ghetto Lodz durchlaufen haben. Allein in Auschwitz wurden jedenfalls 47 Roma aus Kemeten ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten lediglich fünf Roma wieder zurück in die Gemeinde. Dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma, der auch als Porajmos bezeichnet wird, fielen hunderttausende Angehörige der Volksgruppen zum Opfer, tausende davon aus dem Burgenland. Die Erinnerung an diese Verbrechen ist ebenso notwendig wie eine bessere historische Aufarbeitung. Das Denkmal in Kemeten für die einheimischen 200 Roma könnte ein Beitrag dazu sein.

Quelle: ORF

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