HomeWeitere RessortsKommentarArmut, Krise, Kapitalismus und der Kampf für den Sozialismus

Armut, Krise, Kapitalismus und der Kampf für den Sozialismus

Ein Kommentar von Marie Jaeger, Mitglied der Partei der Arbeit Österreichs und Soziologin.

Bei einer Inaugenscheinnahme des öffentlichen Lebens bestätigt sich in Zeiten von Corona, Lockdown, Pandemie und ökonomischer Krise ständig, warum man sich dafür entschieden, hat gegen den Kapitalismus mit all seinen Auswüchsen zu kämpfen. Nicht, dass es unter normalen Umständen anders wäre, jedoch schlägt es einem aktuell ständig mit einer solchen Wucht ins Gesicht, dass es schon fast nur mehr schwerlich zu ertragen scheint. Auch der Blick in die Zeitung mit Meldungen von Rekordarbeitslosigkeit, bei gleichzeitiger Konzentration des Reichtums in der tiefsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, Impfstoffengpässen und Milliardengewinnen an diesen, um nur zwei weitere Beispiele zu nennen, verstärken dieses Gefühl. Auch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Arbeitsbereichen führen nicht zu einer Zufriedenheit mit dem Kapitalismus, der Profit für wenige auf Kosten der Mehrheit akkumuliert.

Ob zunehmende Obdachlosigkeit oder auch immer stärker wahrnehmbare Armut, manchmal stellt sich die Frage, ob man nur weicher geworden ist. Aber in Gesprächen etwa mit einer Sozialarbeiterin aus Wien bestätigt sich, was basierend auf Zahlen und Beobachtungen ohnehin klar scheint. Sie berichtet, dass sich die Arbeit während der Pandemie in der Form verändert hat, dass es vermehrt darum ginge, dass die betreuten Familien kein Essen haben. Gestern konnte ich beim Billa beobachten, wie ein Mann mit Rollator, sicherlich um die 80 Jahre, Lebensmittel aus der Mülltonne fischte. Wir sind nicht in den Zuständen, die Engels so eindrucksvoll in „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ beschrieben hat. Aber als Soziologin muss ich feststellen, dass wir uns vielfach in eine Richtung der absoluten Armut, vielleicht sogar einer Pauperisierung befinden. Ja, es gibt Sicherungssysteme, aber keine aufmerksame Beobachterin und kein aufmerksamer Beobachter kann leugnen, dass diese offensichtlich nicht ausreichen. Die Armutskonferenz titelte zuletzt anhand von aktuellen Auswertungen „Neue Daten zum Leben mit Mindestsicherung: Desolate Wohnbedingungen, Arm trotz Arbeit, gesundheitliche Einschränkungen und Chancentod für Kinder“. In Österreich sind mehr als 200.000 Personen im Alter armutsgefährdet. Die Zahl der Obdachlosen stieg zuletzt weiter an, von 2017 auf 2018 um über 1.000 Personen, die erfasst sind. All das illustriert, dass der Kapitalismus nicht funktioniert, zumindest nicht für alle. Auch die ausbleibenden Reallohnzuwächse, Teuerungen im Lebensmittelbereich sowie Wohnen vervollständigen diesen Eindruck.

Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich

Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden, statt uns zu Sklaven starrer Wirtschaftsdoktrinen und ‑traditionen zu machen.
Albert Einstein

Die herrschenden Zustände (inklusive der Regierungsperformance) lassen lediglich den Schluss zu, dass der Kampf für eine andere Welt notwendig ist, denn die Probleme sind im Kapitalismus nicht lösbar. Der Sozialismus mit einer Planwirtschaft, einer Produktion, einem Gesundheitssystem und allen anderen gesellschaftlichen Bereichen im Interesse und im Dienste der Mehrheit ist die einzige Lösung. Sozialistische Gesellschaften lösen die Widersprüche, die im Kapitalismus herrschen und unter anderem zu den oben genannten Konsequenzen für die Interessen der Arbeiterklasse führen. Ergo ist es die einzig logische Konsequenz, sich immer und überall für diese andere Gesellschaft einzusetzen, für diese zu kämpfen, anstatt das Elend hinzunehmen und Weltschmerz zu empfinden oder es zu ignorieren und sich einzureden, dass es keine Lösung gäbe. Diesen Kampf wird durch die Arbeiterklasse und ihre Partei geführt.

Die Macht der Arbeiter
An einem bestimmten Tage in ganz Spanien
Legten die Arbeiter die Betriebe still. Die Eisenbahnen
Standen kalt auf den Schienen. Ohne Licht
Lagen Häuser wie Straßen, die Telefone
Waren ein Haufen Blech ohne Nutzen. Es konnten
Nicht mehr die Schieber die Polizisten bestellen. Statt dessen
Redeten die Massen mit sich. Drei Tage lang
Zeigten sich die Bediener der großmächtigen Apparate
Ihre Beherrscher. Die Arbeiter, nicht mehr arbeitend
Zeigten ihre Macht. Der fruchtbare Acker
War plötzlich nicht mehr als ein steiniger Boden. Niemanden
Wärmte die unverarbeitete Wolle, den die Kohle
Im Schacht nicht mehr wärmte. Selbst der Stiefel der Polizisten
Würde zerfallen und keine Nachfolger mehr finden.
Dann
Brach Uneinigkeit die Kraft des Aufstandes, aber selbst da noch
Konnten die Befehle der Bonzen, den Streik zu beenden
Tagelang nicht zu den Massen gelangen; es standen ja
Ohne Dampf die Lokomotiven und ver­­­lassen die Posthäuser. Also selbst da noch
Zeigte sich die
Große Macht der Arbeiter.

Quelle: Armutskonferenz/Neunerhaus/Wiener Zeitung/Bertolt Brecht: Gesammelte Gedichte, Bd.2, S.557/558/Friedrich Engels 1844 Die Lage der arbeitenden Klasse in England.

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