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Hygieneproblem Kapitalismus

Kommentar von Tibor Zenker, Vorsitzender der Partei der Arbeit Österreichs (PdA)

Nicht erst seit dem mutmaßlichen Skandal um den österreichischen Corona-Maskenhersteller „Hygiene Austria“ weiß man, dass der Kapitalismus ein schmutziges Geschäft ist. Er hat nur einen Zweck: Profitmaximierung, d.h. Bereicherung für den Unternehmer. Was es braucht, um dies zu erreichen, ist eine einfache Rechnung: Die Einnahmen müssen einerseits möglichst hoch sein – deshalb führt die Marktkonkurrenz auch keineswegs zu niedrigen Preisen –, und die Ausgaben müssen im Verhältnis möglichst niedrig sein. Unter letztere fallen z.B. die Löhne für die Arbeiter, Sozialabgaben, Steuern, Materialeinkauf, Umweltschutz, aber auch die Sicherheit am Arbeitsplatz – an all dem kann ein Kapitalist kein Interesse haben, denn es schmälert den Gewinn. Und so kamen bei „Hygiene Austria“ – ein gemeinsames Unterfangen der prominenten österreichischen Unternehmen Lenzing und Palmers –, wie man hört, offenbar alte, gebrauchte Maschinen sowie billige Leiharbeiter zum Einsatz. Die Gesundheitsmaßnahmen sollen im Keller des Betriebes auch inexistent gewesen sein – im Gegensatz zum „Vorzeigebereich“ im Erdgeschoß, wo mediengerecht inszeniert wurde.

Eine Inszenierung war offenbar, zumindest zu einem gewissen Teil, auch die Behauptung „Made in Austria“. Das ist nicht per se bedenklich, denn nichts spricht dafür, dass Schutzmasken aus chinesischer Produktion schlechter als österreichische sein sollen – das ist nationalistischer Unsinn. Doch die Behauptung einer blitzartig aufgebauten österreichischen Produktion von MNS- und FFP2-Masken zielt ja auch auf eine weitere kapitalistische Propagandalüge ab: Es ginge dabei um die Versorgungssicherheit Österreichs sowie um die Schaffung von Arbeitsplätzen in Österreich. In Wahrheit ist dem Kapital beides egal, im Gegenteil: Denn in Asien lässt sich viel billiger produzieren, weil die Löhne, die Umweltschutzstandards, die Sozialabgaben und die Steuern niedriger sind. Warum sollte jemand, der bloß maximalen Profit machen will, einen österreichischen Arbeiter beschäftigen, wenn er für dasselbe Geld zehn asiatische Arbeiter haben kann? Deshalb werden in Österreich seit Jahrzehnten Betriebe geschlossen und abgesiedelt und Arbeiter massenhaft entlassen: Es wird geradezu deindustrialisiert. Denn dies steigert den Profit in den Taschen der Kapitalisten, die die wahren vaterlandslosen Gesellen sind. Was dies für die österreichische Arbeiterklasse und die österreichische Bevölkerung bedeutet, interessiert die Unternehmer, die Konzerne, die Shareholder und die Spitzenmanager nicht im Geringsten.

Man wird sehen, was bei den WKStA-Ermittlungen gegen „Hygiene Austria“ rauskommt – ob tatsächlich Etikettenschwindel im großen Stil betrieben wurde. Aber das ist ohnedies nebensächlich. Die eigentliche Lektion auch aus dieser Affäre lautet: Der Kapitalismus scheißt auf die Menschen, sowohl in Form der Arbeitnehmer, die lediglich Kostenfaktoren sind, als auch auf die Konsumenten, denen nur möglichst viel Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Denn das ist der ureigenste und einzige Sinn und Zweck des Kapitalismus. Einen anderen Kapitalismus gibt es nicht. Das Einzige, was der „freie Markt“ regelt, sind Ausbeutung und Profitmaximierung. Davon profitiert eine kleine reiche Minderheit, während die Masse der Menschen gerade so durchkommen soll – oder nicht einmal das, insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise, die letztlich immer durch den Widerspruch zwischen Gewinnmaximierung und Lohndumping entsteht. Warum sollen wir uns das eigentlich bieten lassen? Wenn der Kapitalist keine andere gesellschaftliche Funktion als die Anhäufung von Reichtum und Luxus hat, wozu brauchen wir ihn dann?

Nun, für gar nix. Die Arbeiterklasse kann ebenso gut und besser ohne Kapitalisten und Managerelite produzieren, sie könnte deren Profite und Luxusgehälter einsparen, die Betriebe selbst führen und das Geld gerecht verteilen sowie für Besseres verwenden. Aber das wäre natürlich Sozialismus, und der ist, wie uns die Kapitalisten und die von ihnen gekauften Politiker, Medien und „Bildungseinrichtungen“ ja glaubhaft versichern, abgrundtief böse und menschenfeindlich. Oder?

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