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Corona-Situation in Indien eskaliert

Seit vergangenem Freitag hat sich die Pandemielage in Indien massiv zugespitzt. Die Regierung ist nicht in der Lage, die Bevölkerung zu schützen, die Kommunisten fordern sofortige Maßnahmen.

Neu-Delhi. In Indien ist die Corona-Pandemie in den letzten Tagen außer Kontrolle geraten: Täglich gibt es weit über 300.000 Neuinfektionen sowie fast 3.000 Todesfälle. Insgesamt weist man somit bislang mehr als 17 Millionen Fälle und 200.000 Verstorbene auf, nun dürften die Zahlen jedoch rascher steigen und der gesundheitspolitische Kollaps drohen. In dem Land mit annähernd 1,4 Milliarden Einwohnern ist zudem davon auszugehen, dass die Dunkelziffern weit höher liegen, da viel zu wenig getestet wird. Hinzu kommt, dass – von den kommunistisch regierten Regionen abgesehen – viele Menschen in äußerst schlechten Verhältnissen leben und eine unzureichende Beachtung durch die Behörden erfahren. Das Pandemiemanagement der hindu-nationalistischen, konservativen Bundesregierung gestaltet sich zunehmend katastrophal, zuletzt wurde neben den fehlenden Krankenbetten vor allem der Mangel an medizinischem Sauerstoff zu einem gravierenden Problem – viele Patienten blieben unbehandelt oder wurden gar nicht erst in Spitälern aufgenommen. Auch Impffortschritte gibt es kaum, obwohl in Indien sogar CoViD-19-Vakzine hergestellt werden.

Sitaram Yechury, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Indiens (Marxistisch), CPI(M) oder CPIM, wandte sich angesichts der nunmehrigen Eskalation mit einem dringenden Appell an Premierminister Narendra Modi. Er verlangt von der indischen Regierung, umgehend bewusst zurückgehaltene Budgetmittel freizugeben, um jeden Preis die Versorgung der Krankenhäuser mit Sauerstoff zu gewährleisten und durch Notfallbestimmungen die Impfbemühungen massiv zu verstärken. Yechury lässt auch keinen Zweifel daran, dass Modi für die aus dem Ruder gelaufene Situation verantwortlich ist, und schreibt: „Sollten Sie nicht in der Lage sein, unsere indischen Mitbürger mit Sauerstoff und Impfstoffen zu versorgen und weitere Todesfälle zu verhindern, wird Ihre Regierung ihre moralische Autorität verlieren, weiterzumachen. Diese gesundheitliche und humanitäre Katastrophe ist vermeidbar und muss abgewendet werden. Das ist die grundlegende Verantwortung, der Ihre Regierung nachkommen muss, was sie bisher nicht getan hat.“ Yechury weiß tragischerweise auch persönlich, wovon er spricht: Erst am 22. April dieses Jahres war sein Sohn Ashish aufgrund von CoViD-19-Komplikationen verstorben.

Ähnlich wie die die CPIM sieht es auch die Kommunistische Partei Indiens, CPI – sie schlägt angesichts der großen Probleme vor, „die privaten Impfstoff- und Sauerstoffproduzenten zu übernehmen, um die kostenlose Versorgung mit Impfstoffen und eine angemessene medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten.“ Leider ist kaum zu erwarten, dass die Modi-Regierung diesen Forderungen der CPI und der CPIM nachkommt – sie reagierte zunächst einmal mit Zensur gegenüber Kritik am Pandemiemanagement. Es wird an den indischen Kommunistinnen und Kommunisten liegen, die Bevölkerung für ihre Lebensinteressen zu mobilisieren.

Quelle: Der Standard / IDCommunism / Solidnet

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