Weimar/Buchenwald. Eine Frau wollte im April an der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald teilnehmen. Aufgrund ihrer Kleidung wurde ihr der Zutritt verwehrt, „allein deshalb, weil ich mich weigerte, meine Kufiya* abzunehmen.“ wie sie in einem Bericht schreibt. „Ich erklärte, dass ich mich als Antifaschistin dem Schwur von Buchenwald verpflichtet fühle und antifaschistisches Gedenken mitten in einem Genozid diesen nicht ausklammern kann“ begründete sie das Tragen des Tuches. „Wie kann ein stiller Protest mit einer Kufiya eine Störung der Gedenkfeier darstellen, während gleichzeitig Israelflaggen problemlos auf das Gelände getragen werden und Reden sich einseitig positionieren dürfen? Wie ist es möglich, dass der Schwur von Buchenwald so einfach ignoriert wird?“ fragt sie. Sie fühle sich in der Verantwortung für die Freiheit und das Leben der Palästinenser einzustehen, eine Haltung, die sich nicht vom Gedenken trennen lasse. Ganz in diesem Sinne trägt die Partei der Arbeit seit zwei Jahren eine Fahne Palästinas beim Einmarsch der Delegationen im Rahmen der Befreiungsfeier in Mauthausen.
Die Betroffene, Anna M., hat gegen das Betretungsverbot mit Kufiya einen Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht Weimar eingebracht. „Die erste Reaktion des Gerichts war: Wir sollten unseren Eilantrag zurückziehen, da die Kufija im aktuellen politischen Kontext als Ausdruck der Ausgrenzung der Juden gesehen werden kann. Wir haben nicht zurückgezogen, sondern politisch argumentiert, dass wir das anders sehen, und warum im Kontext des Antifaschismus und des Schwurs von Buchenwald eine Verbindung zum aktuellen Genozid in Gaza hergestellt werden müsse“ schildert sie in einem Interview mit der Jungen Welt. Das Gericht hat nun entschieden, dass die Gedenkstätte Menschen mit einem solchen Tuch den Zutritt verwehren darf.
Quellen: kufiya-netzwerk.de/Junge Welt
*Die Kufiya, auch bekannt als Keffiyeh, Hatta oder Shemagh, ist ein traditionelles, quadratisches Tuch, das vor allem im Nahen Osten und Nordafrika getragen wird – meist von Männern als Kopfbedeckung oder Halstuch. Ursprünglich stammt die Kufiya aus der Stadt Kufa im Irak. Sie schützt vor Sonne, Wind und Sand – besonders praktisch in Wüstenregionen. Typisch ist das karierte Muster, oft in Schwarz-Weiß oder Rot-Weiß. Weltweit bekannt wurde es durch den verstorbenen PLO-Präsidenten Jassir Arafat (1929–2004). In Palästina gilt das Tuch als Symbol für den Widerstand gegen die israelische Besatzung. Seit Jahrzehnten wird das Tuch von Millionen Menschen auf der ganzen Welt als Zeichen der Solidarität mit dem Volk von Palästina getragen.