Start Klassenkampf ÖGB-Younion-Vorsitzender Meidlinger von Gewerkschaftern zur Rede gestellt

ÖGB-Younion-Vorsitzender Meidlinger von Gewerkschaftern zur Rede gestellt

Bei den Wiener Linien wurde ein weiterer Fall eines gekündigten Belegschaftsvertreters bekannt. In der Elternteilzeit und damit rechtsunwirksam gekündigt, fiel dem Kollegen die Gewerkschaft auch gleich mit der Aberkennung des Mandats in den Rücken. Das führte nun zu einem heftigen Eklat.

Wien. Mit einem weiteren höchst bedenklichen Fall unsäglichen Verhaltens der Gewerkschaft Younion hat sich der junge Kollege Johann Pils an uns gewandt: „Ich wurde bei den letzten Gewerkschaftswahlen in der Hauptgruppe 4 als Delegierter gewählt. Im Februar wurde ich unrechtmäßig gekündigt, da meine Elternteilzeit noch in Kraft war. Gegen die Kündigung habe ich natürlich Einspruch bei Gericht erhoben. Dank Covid-19 hat sich jedoch alles ein wenig verschoben, allerdings erhielt ich am 01.07.2020 den Beschluss (vom 23.06., Anmerkung der Redaktion), dass die Kündigung ‑wie erwartet- nicht rechtskräftig ist.“ Der Kollege ist damit zumindest bis zum 31.07. weiterhin in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis, die vom Dienstgeber nachgeschossene „Eventualkündigung“ wurde ebenfalls beeinsprucht.

Statt Unterstützung Gewerkschaftsmandat aberkannt

Die Verantwortlichen in der Gewerkschaft Younion haben jedoch nicht etwa den Kollegen gefragt, ob er Unterstützung gegen die rechtswidrige Kündigung braucht, sondern sie haben auch gleich sein Gewerkschaftsmandat aberkannt. Uns liegt ein gewerkschaftsinternes Schreiben vor, wo sie die Statuten des ÖGB hin- und her wälzen, und beraten, auf welchem Wege dem Kollegen am besten das Mandat entzogen werden kann. „Da ich dem GLB angehöre und nicht der FSG (die die Mehrheit bei den Wiener Linien hat), vermute ich, dass dies der Grund ist weshalb ich abgesetzt wurde und obwohl mein Fall noch nicht abgeschlossen war, wurde schon ein Nachfolger (ohne mein Wissen) nominiert. Vermutlich passe ich ihnen nicht ins Bild da ich mich von Anfang an für das Wohl der Mitarbeiter engagiert habe, doch anscheinend wollen sie das nicht“, schreibt uns Johann Pils weiter. Die Nominierung eines Nachfolgers muss im Einvernehmen mit dem GLB erfolgt sein, was auch seltsam erscheint.

Heftige Vorwürfe an Gewerkschaftsvorsitzenden

Das führte nun in der Sitzung des gewerkschaftlichen Hauptausschusses am 3. Juli zu einem ordentlichen Wirbel. Auf Anraten von Kollegen nahm Johann Pils die Aberkennung seines Mandates durch die Gewerkschaft nicht zur Kenntnis und erschien zur Sitzung des Gremiums. Prompt wurde ihm der Einlass verwehrt. Da dies nun schon der zweite bekannte Fall aus jüngster Zeit ist, in dem einem Kollegen seitens der Gewerkschaft die Solidarität verweigert wird, platzte dem Busfahrer und ebenfalls dem Gremium angehörenden Personalvertreter Herbert Weidenauer die Geduld. Er forderte, dass der Kollege an der Sitzung teilnehmen kann, und setzte sich durch. Der ebenfalls anwesende Vorsitzende der Gewerkschaft Younion, Christian Meidlinger, wurde mit heftigen Vorwürfen konfrontiert, da die Gewerkschaft nicht nur nichts für die gekündigten Kollegen Gewerkschafter macht, sondern ihnen auch noch in den Rücken fällt. Meidlinger ist neben seinen vielen anderen Funktionen (siehe: meineabgeordneten​.at) auch noch immer freigestellter Personalvertreter bei den Wiener Linien, was laut Aussagen von anderen Personalvertretern noch niemandem aufgefallen ist, da er nie da ist. Ein typischer SP-Multifunktionär eben, unter anderem ist er auch stellvertretender SPÖ-Vorsitzender von Wien und Landtagsabgeordneter. Da ist klar, dass für die Ausübung eines Personalvertretermandates, für das er sich zu 75% bezahlen lässt, keine Zeit bleibt.

Es bildet sich unter gewerkschaftlich aktiven Kolleginnen und Kollegen bei den Wiener Linien mittlerweile eine Protestfront, die praktisch alle Gruppen, „auch manche eingefleischte FSG-Wähler“, wie uns ein Kollege sagte, erfasst. Wir werden weiter berichten.

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