HomePanoramaRechnungshof kritisiert Hofreitschule: Lipizzaner mit Bewegungsmangel

Rechnungshof kritisiert Hofreitschule: Lipizzaner mit Bewegungsmangel

Der Prüfbericht des Rechnungshofes stellt der Spanischen Hofreitschule in Wien kein gutes Zeugnis aus. Der Anachronismus aus der imperialen Vergangenheit Österreichs ist aber ohnedies eine fragwürdige Einrichtung.

Wien. Die Prüfer des Rechnungshofes (RH) haben sich die Spanische Hofreitschule vorgenommen, die sich im Eigentum der Republik Österreich befindet. Einige Ergebnisse sind wenig erfreulich: Es sei für den Prüfungszeitraum 2016 bis 2019 nicht gesichert, dass die Lipizzaner-Pferde täglich bewegt wurden. Wirtschaftlicher Druck dürfte außerdem dazu geführt haben, dass einerseits nicht einsatzfähige Tiere bei Vorführungen trotzdem verwendet wurden, und dass andererseits manche Hengste so oft eingesetzt wurden, dass dies gesundheitsschädlich war. Kurz gesagt: Die Lipizzaner, die in der Wiener Innenstadt leben, wurden offenbar nicht immer artgerecht gehalten bzw. behandelt – auch wenn dies für de-facto-Zirkuspferde ohnedies ein vergebliches Verlangen ist.

Neben den schlechten Haltungsbedingungen der Pferde monierte der RH aber auch finanzielle Schwierigkeiten des Betriebs, die Maßnahmen seitens der Regierung bzw. des zuständigen Landwirtschaftsministeriums erfordern. Darüber hinaus gebe es keine Zuchtstrategie für das Lipizzaner-Gestüt im steirischen Piber. Da der Überprüfungszeitraum lediglich bis 2019 ging, sieht sich die aktuelle Geschäftsführerin der Hofreitschule nicht für die Probleme verantwortlich: Sonja Klima, Ex-Frau des früheren SPÖ-Bundeskanzlers Viktor Klima (1997–2000), war als Herrin über die Lipizzaner erst vor zwei Jahren auf „Hotel Sacher“-Eigentümerin Elisabeth Gürtler-Mauthner nachgefolgt. Sie bestätigte nun manche RH-Einschätzungen, bezeichnete sie aber als frühere Probleme und versicherte, dass in ihrer Amtszeit die Pferde mindestens zweimal täglich in die Schrittmaschine kämen…

Die Spanische Hofreitschule wurde im 16. Jahrhundert von den Habsburgern gegründet und war ursprünglich zur reiterlichen Ausbildung der kaiserlichen Familie gedacht. Als vormals kaiserlich-königliche Einrichtung wurde 1918 die Winterreitschule samt Reitsaal, die zur Wiener Hofburg gehört, inklusive der Pferde vom neuen österreichischen Staat übernommen. Das Lipizzaner-Gestüt wurde vom slowenischen Lipica nach Piber bei Köflach verlegt. Seither gelten die öffentlichen Vorführungen der Spanischen Hofreitschule mit den berühmten weißen Hengsten als Touristenattraktion in Wien, die ein wenig vermeintlichen imperialen Glanz in die Republik bringen soll. Ob das Trainieren der Pferde auf bizarre Kunststücke und „Tänze“ auch im Sinne der Tiere erfolgt, ist überaus fraglich, auch ohne RH-Kritik.

Quelle: ORF

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