HomePolitikNiederösterreich: Bereits 200.000 Menschen in Kurzarbeit

Niederösterreich: Bereits 200.000 Menschen in Kurzarbeit

Niederösterreich. Das niederösterreichische Arbeitsmarktservice (AMS) ist mit einem Ansturm der Unternehmen auf die Kurzarbeit konfrontiert. Bis zum 19. April waren 206.043 Menschen in Kurzarbeit. In nur einer Woche ist damit die Zahl der Beschäftigten, die zur Kurzarbeit angemeldet wurden, um die Hälfte gestiegen. Auch die Zahl der Arbeitslosen nimmt rasant zu.

„Die Höchstzahl der Anträge, die bei uns eingelangt ist, ist noch nicht erreicht. Es treffen noch laufend viele Begehren ein. 180 Kolleginnen und Kollegen arbeiten auf Hochdruck an der Abwicklung der Kurzarbeit“, erklärt der Landesgeschäftsführer des AMS NÖ, Sven Hergovich. Bereits 75 Prozent der niederösterreichischen Industriebetriebe nützen die Kurzarbeit. Binnen weniger Wochen sind damit bereits 100 Mal mehr Kurzarbeitsanträge gestellt worden, als während der Finanzkrise 2008/2009!

Der Präsident der NÖ Industriellenvereinigung, Thomas Salzer, ist erfreut darüber, dass die Beschäftigten ihre Urlaubsansprüche und Überstunden verbrauchen und gibt das als große Geste der Unternehmer aus, „um ihre Beschäftigten halten zu können.“ Das bedeutet natürlich auch, dass diese Zeiten später fehlen werden, wenn wieder Vollbetrieb herrscht. Den Beschäftigten fallen dann wichtige Erholungszeiten weg. 

Milliarden für Großunternehmen, trotzdem Anstieg der Arbeitslosigkeit

Bereits Ende März waren zusätzlich zu den in Kurzarbeit befindlichen Beschäftigten bereits an die 80.000 Menschen in Niederösterreich arbeitslos gemeldet. Trotz der Kurzarbeitsregelung gibt es also eine sehr stark steigende Zahl an Arbeitslosen. „Die österreichische Regierung hat dieser Entwicklung nichts entgegenzusetzen. Sie ist voll des Selbstlobes für ihr Kurzarbeitsmodell, das aber in Wirklichkeit mehr den Unternehmern nützen soll als den Arbeitern und Angestellten. Dass hunderttausende Menschen ohne Job und ohne Perspektive dastehen, kann dieses ‚Angebot‘ offensichtlich nicht verhindern. Die konservativ-grüne Regierung stellt Milliarden bereit, um sogar Großunternehmen und Milliardäre zu ‚unterstützen‘, während die Arbeiterklasse abermals mit Almosen auskommen muss!“, schreibt die Partei der Arbeit (PdA) in einer Stellungnahme. Voll des unkritischen (Selbst-)Lobes ist dagegen der niederösterreichische AK-Präsident Markus Wieser. Er spricht schon wieder davon, dass die Betriebe nach der Arbeit unter „Corona-Bedingungen“ wieder voll durchstarten werden: „Das war bereits 2009/2010 in der Finanz- und Wirtschaftskrise so, und wird diesmal nicht anders sein.“ Er hat offenbar noch nicht begriffen, dass wir bereits am Beginn der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren stehen und die Zeche dafür die Arbeiterklasse zahlt, wenn sie sich nicht zur Wehr setzt. Denn von einem „schnellen Durchstarten“ wird keine Rede sein, das könnten dem AK-Präsidenten auch die Experten im eigenen Haus erklären.

Quelle: AMS

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