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Wiener Stadtwerke investieren und spekulieren bei EVN

Die gemeindeeigene Wiener Stadtwerke GmbH übernimmt um 870 Millionen Euro einen 28,35%-Anteil an der niederösterreichischen EVN AG – am Beginn einer massiven Wirtschaftskrise eine interessante Akquisition eines Kommunalunternehmens in öffentlichem Eigentum.

Wien/Maria Enzersdorf. Nach positiver Überprüfung durch die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde können die Wiener Stadtwerke nun einen Aktienanteil von 28,35 Prozent am Energiekonzern EVN (Energieversorgung Niederösterreich) erwerben. Kostenpunkt: 870 Millionen Euro. Damit wird die Holding im Eigentum von Stadt und Land Wien zweitgrößter EVN-Aktionär – 51 Prozent des schon 1989/90 teilprivatisierten Unternehmens verbleiben weiterhin beim Land Niederösterreich. Den nunmehrigen Stadtwerke-Anteil hatte zuvor die süddeutsche EnBW (Energie Baden-Württemberg) veräußert. Die EVN liefert Strom und Gas an über eine Million Kunden v.a. im flächenmäßig größten Bundesland Österreichs, aber auch an etwa zwei Millionen in Bulgarien und Nordmazedonien. 7.300 Arbeiter und Angestellte sind bei der EVN beschäftigt, die für einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro verantwortlich zeichnen.

Kommunalkonzern in Händen der SPÖ

Stadtwerke und EVN waren schon bisher im gemeinsamen Energievertriebs- und Handelsunternehmen Energieallianz Austria verbunden, in der die Stadtwerke-Tochter Wien Energie, EVN und Energie Burgenland Kräfte bündeln. Die Wiener Stadtwerke GmbH ist freilich der etwas größere Konzern, mit immerhin 15.000 Angestellten und über drei Milliarden Jahresumsatz. Er unterteilt sich in mehrere Subunternehmen, darunter v.a. die erwähnte Wien Energie (Strom, Gas, Fernwärme, 1.250 Angestellte, 1,44 Mrd. Umsatz, Hauptsponsor des SK Rapid Wien), Wiener Netze (Strom- und Gasinfrastruktur, 2.500 Angestellte), Wiener Linien (d.h. die städtischen Verkehrsbetriebe, 8.600 Angestellte, 722 Mill. Umsatz) sowie die Wiener Lokalbahnen, Bestattung und Friedhöfe Wien, die WIPARK-Garagen und weitere Abteilungen. Die Stadtwerke GmbH steht zu 100% im Eigentum der Gemeinde Wien, verantwortliche Eigentümervertreterin ist amüsanter Weise die ehemalige Umweltschützerin und nunmehrige SPÖ-Stadträtin Ulrike Sima.

Pensionssicherung durch Gewinnspekulation?

Die Begründung für die Akquisition des EVN-Anteils durch den Wiener Kommunalversorger klingt ein wenig abenteuerlich, zumal es sich um eine reine Finanzbeteiligung ohne Mitspracherecht handelt – nicht unbedingt eine Kernaufgabe, möchte man meinen. Stadtwerke-Vizegeneraldirektor Peter Weinelt gab gegenüber der APA zu Protokoll, dass man mit den erwarteten EVN-Dividenden die Pensionen der eigenen Mitarbeiter absichern möchte (Pensionszahlungen sind in dieser Wiener Konstruktion Stadtwerke-Aufgabe). Ein ziemlich gewagter Plan! Zum einen sollten Pensionen wohl besser ganz generell nicht mit Investitionsspekulationen auf künftige Gewinne – also quasi über die Börse – „abgesichert“ werden; andererseits hat man als neuer Shareholder die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der auf den Namen Kapitalismus hört. Dieser befindet sich aktuell nämlich am Beginn einer massiven Krise, die nicht zuletzt den Energiesektor betreffen wird: Es gibt Umsatzeinbußen und Gewinneinbrüche, wie schon die Zahlen aus dem ersten Quartal 2020 zeigen, die Tiefpunkte folgen erst. Tolle Dividenden wird’s da nicht spielen. Bei vollem Ausbruch der Krise kann man sich außerdem ausrechnen, dass weder Stadtwerke noch EVN ihren Mitarbeiterstand halten, sondern Stellenabbau betreiben werden, um Kosten zu sparen. Doch – immerhin – etwaige Arbeitslose verlieren dann Pensionszeiten und ‑ansprüche, die man sich später erspart. Dann macht es auch weniger, wenn die Dividenden ausbleiben. Hauptsache, die Vorstands‑, Manager- und Politikergehälter stimmen…

Quelle: ORF

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