HomeInternationalesBeirut: Tausende erweisen Hassan Nasrallah die letzte Ehre

Beirut: Tausende erweisen Hassan Nasrallah die letzte Ehre

Am Wochenende wurde der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, beerdigt. Nasrallah wurde von Israel im Krieg gegen den Libanon im vergangenen Herbst ermordet. Tausende Menschen aus dem ganzen Libanon und der ganzen Welt wohnten dem Begräbnis bei. Bei der Beerdigung wurde auch seinem Nachfolger Hashem Safieddine gedacht, der eine Woche später von Israel ermordet wurde.

Beirut. Am Sonntag wurde der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, auf einem groß organisierten Begräbnis beigesetzt. Tausende reisten aus dem ganzen Land an, um dem Begräbnis Nasrallahs beizuwohnen. Wie üblich bei islamischen Veranstaltungen waren Männer und Frauen im – mehr als 49 Tausend Menschen fassenden – Camille-Chamoun-Stadion streng getrennt. Viele hatten bereits im Stadion übernachtet, um sich einen Platz beim Begräbnis zu sichern. Das Stadion war erfüllt von einem Meer von Fahnen der Hisbollah und palästinensischen Fahnen. Gedacht wurde auch Hashem Safieddine, dem nur eine Woche nach Nasrallah ermordeten Nachfolger an der Spitze an der Hisbollah.

Neben tausenden Menschen aus Beirut und dem Umland, nahmen auch Menschen aus der ganzen Welt teil. Aus dem Iran reisten Außenminister Abbas Araghtschi, Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf und 40 Parlamentsabgeordnete zum Begräbnis an. Die Delegation aus dem Iran wurde vom neuen libanesischen Präsidenten Joseph Aoun empfangen. Auch eine Delegation aus dem Jemen nahm an der Gedenkfeier in Beirut teil. Insgesamt waren Delegationen aus mehr als 70 Ländern vor Ort und mehr als 500 Journalistinnen und Journalisten waren akkreditiert. Aoun, der libanesische Präsident, und der neu ernannte Premierminister Nawaf Salam waren bei der Trauerfeier selbst nicht anwesend und ließen sich vertreten.

Die Trauerfeier in Beirut zeugt von der Bedeutung Hassan Nasrallahs im Libanon und darüber hinaus für den Widerstand gegen den Imperialismus. Nasrallah wurde 1960 geboren und wuchs im Viertel Burdsch Hammud unweit des Hafens von Beirut auf. Ein multikultureller Stadtteil, in dem sich 1915 vertriebene Armenier ansiedelten, ab 1948 von Israel vertriebene Palästinenser hinzu und später auch Vertriebene aus dem Süden des Libanon, Syriens und Kurden aus der Türkei.

Mit 15 erlebte Nasrallah den Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs von Israels Verbündeten gegen die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO), die zuvor aus Jordanien vertrieben worden war. Nasrallah schloss sich der Amal-Bewegung an. Nach Studienaufenthalten im Ausland kehrte Nasrallah 1982 kurz nach der israelischen Invasion im Libanon zurück und gründete gemeinsam mit anderen Organisationen seine eigene Bewegung. Aus dieser Organisation wurde die Hisbollah, die an der Seite der, von der Libanesischen KP dominierten, nationaldemokratischen Bewegung gegen die israelische Besatzung und deren Verbündeten kämpfte.

Der Hisbollah unter Nasrallahs Führung gelang es so trotz ihres islamischen Charakters sich auch über die schiitische Glaubensgemeinschaft hinaus zu verwurzeln. Der Grund dafür ist einerseits der politische und militärische Widerstand gegen Israel und den Imperialismus. Andererseits war die Hisbollah auch eine soziale Bewegung, die sich als Bewegung der armen Landbevölkerung verstanden hat, ein Widerspruch, der die Politik der Hisbollah bis heute prägt. Die Hisbollah hat damit geschickt die Schwäche der kommunistischen Bewegung im Libanon nutzen können. Ob sie diesen Widerspruch zwischen politischen Arm einerseits und sozialer Basis andererseits weiter so ausbalancieren kann, ist fraglich. Lösen kann die Hisbollah diesen Widerspruch nicht, dafür wäre ein Bruch mit den libanesischen Eliten, dem politischen Islam und dem Kapitalismus notwendig.

Die Trauerfeier am Wochenende kann in jedem Fall als Demonstration der Stärke der Hisbollah verstanden werden, der eine wochenlange Mobilisierung vorausgegangen war. Israel seinerseits verstärkte seine Drohungen gegen den Libanon erneut. Nachdem Israel das Waffenstillstandsabkommen gebrochen hat und sich weigert, seine Armee vollständig aus dem Libanon abzuziehen, wurden kurz vor der Trauerfeier mehrere Orte im Süden des Libanon von der israelischen Luftwaffe angegriffen. Während der Trauerfeier überflogen israelische Jets im Tiefflug den Veranstaltungsort.

Quelle: NYT/Al Mayadeen/Al Mayadeen

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