Bei ZKW in Wieselburg verliert ein Viertel der Belegschaft seine Arbeitsplätze. Im Hintergrund wirkt neben Kfz-Krise und KI-Modernisierung banale Standortlogik. Seit 2018 hat der südkoreanische Megakonzern LG als Eigentümer das Sagen.
Scheibbs/Seoul. Beim traditionsreichen niederösterreichischen Kfz-Zulieferbetrieb ZKW kommt es zu einem dramatischen Personalabbau – zunächst im Kerngebiet Wieselburg. Dort werden in der Zentrale der ZKW Group 100 Stellen sowie im Stammwerk ZKW Lichtsysteme 470 Stellen gestrichen. In der Hauptsache werden von ZKW Lichtsysteme und Elektronikkomponenten für LKWs, PKWs und Motorräder produziert.
Dass ein Viertel der Jobs in Wieselburg wegfällt, kommt nicht gänzlich überraschend. Einerseits ist man abhängig von der stockenden Automobilproduktion, andererseits setzt man im Management offenbar auf die Ersetzung der Mitarbeiter durch KI und Automatisierungstechnologien. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Situation nicht neu ist: Bereits vor drei Jahren wurden im Stammwerk 600 Jobs abgebaut.
Der nunmehrige Kahlschlag wird jedoch ein umfassenderer. ZKW verfügt gegenwärtig weltweit über zwölf Standorte und rund 10.000 Mitarbeiter, die sich neben Österreich auch auf Tschechien, die Slowakei, Mexiko, die USA, China und Südkorea verteilen. Bis Jahresende 2027 sollen hier insgesamt 2.300 Jobs eingespart werden, also prozentuell nur geringfügig weniger als in Wieselburg.
Doch bleiben wir bei Österreich, denn “einsparen” ist das entscheidende Wort. ZKW macht keine Verluste, sondern immer noch anständige Gewinne – aber nicht genug. Das beherrschende Monopolkapital – in diesem Fall die Eigentümer der südkoreanischen LG Group – verlangt immer mehr und mehr Profite. Dazu gehört auch, zum richtigen Zeitpunkt Arbeiter freizusetzen und sich um billigere Arbeitskräfte umzusehen. Da wäre ohnedies früher oder später passiert, doch die Krise der Automobilindustrie hat hier für eine Beschleunigung gesorgt.
Wir stehen also wieder vor einer klassischen Standortfrage: Die internationalen Konzerne wollen keine anständigen Löhne zahlen, deshalb werden in Österreich Stellen gestrichen, Werke zugesperrt, ja regelrecht deindustrialisiert und die Produktion verlagert. Das Kapital ist ein vaterlandsloser Geselle, der sich nicht um die betroffene Region – in diesem Fall das niederösterreichische Mostviertel – schert. Man hätte das gut laufende Unternehmen ZKW niemals nach Südkorea verkaufen und einem der größten Mischkonzernkonglomerate in den Rachen werfen dürfen.
Doch genau dies ist 2018 geschehen. Seither wurden in Wieselburg 1.200 Jobs vernichtet – und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen: Irgendwann wird man dichtmachen. Das sind nun mal die Gesetze der “Marktwirtschaft” und der kapitalistischen Ausbeutung.
Quelle: ORF


















































































