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Handelsangestellte nicht immer freiwillig in Teilzeit

„Viele Beschäftigte im Handel haben den Eindruck, dass sie eine sehr wichtige und anstrengende Arbeit leisten, die monetär nicht ausreichend honoriert wird.“ 

St. Pölten. Die wichtigsten Erkenntnisse einer Studie, die von der AK-Niederösterreich in Auftrag gegeben wurd, sind, dass die weiblichen Handelsangestellten familienfreundlichere Arbeitszeiten wollen. „Sie wollen mehr und mit ihrem Beruf vereinbare Kinderbetreuungsplätze, sie wollen zum Teil mehr Wochenstunden arbeiten und vor allem höhere Einkommen“, sagt AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser. 

In der Coronaviruskrise sind zigtausende Werktätige unter zusätzlichen Druck geraten. Dazu zählen etwa die Beschäftigten im Einzelhandel. Sie haben während der Lockdowns unter erschwerten Arbeitsbedingungen dafür Sorge getragen, dass die Menschen zuverlässig mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs versorgt werden. Drei Viertel der insgesamt 66.700 Einzelhandelsbeschäftigten in Niederösterreich sind Frauen. Erstmals wurde nun in einer Studie untersucht, wie es den Arbeitnehmerinnen in dieser Branche geht.

Arbeit nicht ausreichend honoriert

Der Einzelhandel ist eine der größten systemrelevanten Branchen. „Jede siebente in Niederösterreich beschäftigte Frau arbeitet im Einzelhandel, das sind rund 48.000 Frauen“, so Bettina Stadler von der Forschungs- und Beratungsstelle „Arbeitswelt FORBA“, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Annika Schönauer die Studie erstellt hat. „Die Öffnungszeiten im Handel werden von den Arbeitnehmerinnen als familienunfreundlich und sehr belastend empfunden“, so Stadler. Besonders belastend sind Dienste bis 19:00 oder 20:00 Uhr, ebenso wie die Öffnungszeiten rund um die Feiertage zu Weihnachten und Silvester.

Drei Viertel der im Einzelhandel Beschäftigten (72%) sind Frauen, davon arbeiten fast zwei Drittel (63%) Teilzeit. Zwölf Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer, die Teilzeit arbeiten, würden gerne das Beschäftigungsausmaß aufstocken. Zwölf Prozent der im Einzelhandel beschäftigten Frauen geben als Grund für die Teilzeitbeschäftigung an, dass sie keine Vollzeitstelle finden konnten. „Viele Beschäftigte im Handel haben den Eindruck, dass sie eine sehr wichtige und anstrengende Arbeit leisten, die monetär nicht ausreichend honoriert wird. Leitungsfunktionen werden ebenfalls nicht angemessen entlohnt und die hinzukommenden Aufgaben werden nicht entsprechend abgegolten“, sagt Birgit Schön, Leiterin der Frauenabteilung der AK Niederösterreich.

Die Durchsetzung einer höheren Entlohnung und von besseren Arbeitsbedingungen wird freilich nicht möglich sein, wenn AK und ÖGB bzw. GPA sich weiterhin nobel zurückhalten, statt den Bossen der Handelskonzerne einmal einen Streik anzudrohen und auch andere Kampfmaßnahmen zu ergreifen. 

Quelle: noe​.ORF​.at

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