HomePanoramaPenthouse von "Volks-Rock'n'Roller" Gabalier auf wackligem Fundament: Luxusbau droht der Abriss

Penthouse von „Volks-Rock’n’Roller“ Gabalier auf wackligem Fundament: Luxusbau droht der Abriss

Velden. Der Wörthersee, ein Inbegriff österreichischer Postkartenidylle, ist diesmal Schauplatz einer pikanten Immobilienposse. Während sich Normalsterbliche vergeblich fragen, wie sie sich bloß eine Mietwohnung leisten sollen, investieren andere munter in Luxusbauten, die wirklich niemand braucht – und die Baubehörden, die sollen ein Auge zudrücken. Doch nun hat es ausgerechnet das sündteure Projekt Marina Village erwischt: Ein Bau, der für die touristische Nutzung bewilligt war, aber in bester Kapitalistenmanier zu einem Rückzugsort für einflussreiche Sonntags-Seeurlauber mit VIP-Status mutierte. Mittendrin der Möchtegern-„Volksmusiker“ Andreas Gabalier.

Erst 2016 errichtet, waren im Marina Village theoretisch nur „touristische Einheiten“ vorgesehen – ähnlich wie Hotelzimmer, nur eben in Nobelversion: Rezeption, Frühstücksraum und all das schöne Drumherum. Doch die Praxis sieht anderes vor. Neun Eigentumswohnungen fanden hier Platz, und zwar mit beträchtlichem Mehrwert. Ganz vorne dran: Eine Penthouse-Wohnung mit sage und schreibe sechs Terrassen auf 155 Quadratmetern, selbstverständlich mit Seeblick und angeblich für schlappe 2,5 Millionen Euro erstanden.

Und eben genau dieses „Schmuckstück“ nennt niemand geringeres als Sänger Andreas Gabalier sein Eigen. Er rühmt sich in seinen Liedern stets des „Volks“ und des „gmiatlichen Landlebens“ – gönnt sich aber ein sündteures Seeresort, wo Normalos nur mit Ferienscheck und dem nötigen Kleingeld an die Tür klopfen dürfen. Doch seit selbst die Gemeinde Velden erkannt haben dürfte, dass Luxusresidenzen in der Praxis wenig mit „touristischer Nutzung“ gemein haben, ist es Essig mit der ungestörten Freizeit am See. Und so darf Gabalier schon seit Monaten das Luxus-Domizil nicht mehr betreten.

„So wie das Gebäude jetzt da steht, kann es nicht genehmigt werden“, stellt Bürgermeister Ferdinand Vouk (SPÖ) klar. Zugegeben, dabei war es ausgerechnet Vouk, der 2014 den Bau selbst absegnete. Man fragt sich: Was bedeuten schon Planungsziele, wenn Investoren einen Seezugang wollen und der Rubel rollt? Jetzt soll jedenfalls eine Evaluierung stattfinden, ob doch noch nachträglich genehmigt werden kann.

Sollte die Gemeinde bis 30. April keine Möglichkeit der Genehmigung finden, müsste das Gebäude laut Gerichtsbeschluss abgerissen werden. Das klingt immerhin mal nach Konsequenzen. Nur: Die Erfahrung lehrt, dass Bauleichen am Wasser selten zu Staub zerfallen. Üblicherweise „einigt“ man sich – Umbau hier, Hintertür dort – und schon ist die High Society wieder zufrieden.

Hier liegt der eigentliche Kern des Problems: Die letzten freien Flächen an Österreichs Seen verscherbelt man an Millionäre, VIPs und Ex-Politiker, während die Allgemeinheit auf Badeplätze pfeifen kann. Eigentlich sollten Seengrundstücke in öffentlicher Hand liegen, damit der See nicht zum Privatpool für einflussreiche Personenkreise verkommt. Doch wie im Kapitalismus üblich, bevorteilt man lieber diejenigen, die genug Kapital in der Hinterhand haben. Seien wir uns ehrlich, damit muss endlich Schluss sein!

Ob’s am Ende zu einem wirklichen Dämpfer für Gabalier und Co. kommt, bleibt natürlich fraglich. Doch immerhin kann man hoffen, dass die Reichen diesmal eben nicht ihr Projekt einfach durchboxen können. Sollte das Objekt tatsächlich abgerissen werden müssen, wäre das ein symbolischer Wink, dass Geld nicht alles richtet.

Und im Grunde müsste die Debatte über Zweitwohnsitze an den schönsten Ecken Österreichs viel lauter geführt werden. Da geht es um Lebensqualität, um Bodenschutz, um das Ende von Spekulation. Denn solange jeder Investor im Wörthersee nur ein lukratives Bauprojekt sieht, wird der See selbst zum Spielball von Profit- und Luxusinteressen. Und deswegen sollte einem jeden klar sein: Weg mit dem Privatisierungswahn an den Seeufern, her mit frei zugänglichen Erholungsräumen für alle!

Quelle: Der Standard

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