Neue Zahlen der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigen: Immer mehr Beschäftigte gehen krank zur Arbeit. Die AK warnt vor gesundheitlichen Folgen und spricht sich klar gegen Verschlechterungen bei Krankenständen aus.
Linz. Ob im Büro, in der Produktion oder im Handel – Krankenstände sind in vielen Betrieben ein Dauerthema. Häufig dreht sich die Debatte um Ausfallszahlen und Kosten. Aktuelle Daten der Arbeiterkammer Oberösterreich zeichnen jedoch ein anderes Bild: Nicht die Krankenstände selbst seien das zentrale Problem, sondern das zunehmende Arbeiten trotz Krankheit. Darüber berichtet die AK im aktuellen „AK report“.
Fast zwei Drittel gehen krank auf die Arbeit
Laut den vorliegenden Zahlen gehen mittlerweile fast zwei Drittel der Beschäftigten krank zur Arbeit. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft: 2015 lag der Anteil noch bei rund 30 Prozent, innerhalb von zehn Jahren hat er sich damit mehr als verdoppelt.
Die Gründe dafür sind vielfältig. In einer Umfrage der Arbeiterkammer geben 57,3 Prozent der Befragten an, aus starkem Pflichtgefühl gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen trotz Krankheit zu arbeiten. Rund 39 Prozent nennen fehlende Vertretungen oder die Tatsache, dass niemand sonst ihre Aufgaben übernehmen könne.
Die AK warnt eindringlich vor den Folgen dieses sogenannten Präsentismus. Jeder fünfte Betroffene berichtet, länger krank gewesen zu sein, als es bei ausreichender Erholung notwendig gewesen wäre. Mehr als ein Drittel klagt über Konzentrationsprobleme am Arbeitsplatz.
Anstieg der Krankenstandstage nicht belegbar
„Es ist ganz klar: Nicht die Krankenstände sind das Problem. Dass viele Menschen krank arbeiten gehen, ist das wirklich Besorgniserregende“, fasst AK-Präsident Andreas Stangl die Situation zusammen. Vor diesem Hintergrund spricht sich die Arbeiterkammer klar gegen Verschlechterungen bei Krankenständen aus. Insbesondere die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall dürfe nicht angetastet werden.
Darüber hinaus fordert die AK unter anderem einen Kündigungsschutz während des Krankenstands, mehr Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sowie ausreichend Personal in den Betrieben. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeige zudem, dass ein genereller Anstieg der Krankenstandstage nicht belegbar sei. Erst seit 2022 sei wieder ein leichter Anstieg zu beobachten.
Auch im internationalen Vergleich liege Österreich nicht an der Spitze. Mit durchschnittlich 14,9 Krankenstandstagen pro Jahr befinde sich das Land im Mittelfeld. In Oberösterreich liege der Schnitt bei 15,5 Tagen. Zum Vergleich: In Deutschland werden durchschnittlich 24,9 bezahlte Fehltage pro Jahr verzeichnet, in Lettland 20,2 und in Tschechien 19,2 Tage.
Quelle: Heute





















































































