Klagenfurt. In Kärnten wird künstliche Intelligenz gefeiert – nicht als Werkzeug zur Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen, sondern als Ersatz für Menschen. Seit einem Jahr ist KI in der Landesverwaltung im Einsatz, und schon wird offen ausgesprochen, worum es eigentlich geht: Stellen, die durch Pensionierungen frei werden, sollen nicht mehr nachbesetzt werden. Die Maschine übernimmt. Der Mensch darf gehen. Fortschritt nennt man das.
Offiziell heißt es, die KI entlaste die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bringe mehr Sicherheit beim Datenschutz. Das klingt fürsorglich, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn parallel dazu plant das Land, in den kommenden fünf Jahren 300 Posten abzubauen. Nicht durch Kündigungen – das wäre politisch unpopulär –, sondern still und leise durch Nicht-Nachbesetzung. Die KI springt ein, wo früher Menschen gearbeitet haben. Was hier als Innovation verkauft wird, ist in Wahrheit Rationalisierung im öffentlichen Dienst.
Das ist kein technologischer Fortschritt, sondern eine Verschiebung der Kosten. Arbeit wird verdichtet, Verantwortung bleibt, Personal verschwindet. Die verbleibenden Beschäftigten sollen effizienter werden, schneller, flexibler – unterstützt von Systemen, die angeblich neutral sind, aber vor allem eines tun sollen: Arbeitskraft einsparen.
Besonders aufschlussreich ist die Wortwahl. Wenn der IT-Leiter davon spricht, dass man künftig weniger „Humankapitalaufwand“ brauche, dann ist das kein Versprecher. Es ist die ehrliche Sprache eines Systems, das Menschen nicht als Subjekte öffentlicher Arbeit sieht, sondern als Kostenfaktor, der durch Technik ersetzt werden kann. Genau hier zeigt sich der kapitalistische Kern der Digitalisierung: Nicht Technik dient dem Menschen, sondern der Mensch wird an die Technik angepasst – oder aussortiert.
KI prüft nun Förderanträge auf Vollständigkeit und Richtigkeit, etwa bei der „Raus-aus-Öl-Förderung“. Am Ende gibt es zwar noch eine „finale Freigabe“ durch einen Sachbearbeiter, doch die Richtung ist klar: Entscheidungsprozesse werden vorstrukturiert, menschliches Ermessen zurückgedrängt. Algorithmen gelten als objektiv, obwohl sie nach vorgegebenen Regeln arbeiten – Regeln, die politisch vorgegeben werden.
Dass die Landesverwaltung ihre Prozesse „neu denken“ will, bedeutet konkret: weniger Personal, mehr Automatisierung, mehr Druck. Der öffentliche Dienst wird nicht als gesellschaftliche Infrastruktur verstanden, sondern zunehmend nach betriebswirtschaftlichen Kriterien organisiert. Das ist Ausdruck einer kapitalistischen Logik, die auch den Staat erfasst: sparen, optimieren, rationalisieren.
Dabei wäre eine andere Perspektive möglich. Technologischer Fortschritt könnte Arbeitszeit verkürzen, Stress reduzieren, Service verbessern. Doch unter kapitalistischen Bedingungen passiert das Gegenteil: Produktivitätsgewinne werden nicht in Zeit, sondern in Stellenabbau übersetzt. Der Skandal ist also nicht, dass KI eingesetzt wird. Der Skandal ist, wofür sie eingesetzt wird. Nicht zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sondern zur Demontage von Beschäftigung. Nicht zur Demokratisierung von Verwaltung, sondern zur weiteren Entmenschlichung von Arbeit.
Was hier in Kärnten erprobt wird, ist ein Modell: Digitalisierung als Sparinstrument, KI als Vorwand, um den öffentlichen Dienst auszudünnen. Marx hätte es klar benannt: Technischer Fortschritt unter kapitalistischen Bedingungen dient nicht der Befreiung der Arbeit, sondern ihrer effizienteren Ausbeutung – oder ihrer Abschaffung.
Quelle: ORF




















































































