Erfurt/BRD. Der DAX-Konzern Zalando schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. 2.700 Beschäftigte werden rausgeworfen. Nicht, weil sie schlecht gearbeitet hätten. Nicht, weil der Standort unrentabel wäre. Sondern weil es sich für die Konzernbosse nicht mehr rechnet. So sieht Rationalisierung im Endstadium aus.
Dass die Arbeit „bis zum Schluss unverändert weiterläuft“, ist der vielleicht zynischste Satz der ganzen Mitteilung. Bis Ende September sollen die Beschäftigten also weiter Pakete schleppen, Bestellungen abarbeiten und Profite sichern – wissend, dass sie sich selbst überflüssig machen. Kapitalismus in Reinform: Arbeitskraft wird genutzt, solange sie Rendite bringt, und entsorgt, sobald sie stört.
Sozialplan: Das Feigenblatt der Kündigung
Jetzt beginnt das vertraute Theater der Beschwichtigung. Gespräche über Interessenausgleich und Sozialplan, Signale „finanzieller Unterstützung“, die Hoffnung auf neue Jobs – vorzugsweise im hessischen Gießen. Mobilität wird als Chance verkauft, Entwurzelung als Perspektive. Wer Familie, Wohnung oder soziale Bindungen in Thüringen hat, darf lernen, was „Flexibilität“ im neoliberalen Wörterbuch wirklich bedeutet: Umziehen, pendeln, zerreißen oder untergehen. Flexibilität ist Pflicht, Sicherheit Luxus.
Der Sozialplan ist kein Schutz, sondern ein Ablasshandel. Ein paar Monate Geld, ein paar Coachings, ein paar warme Worte – und dann ab in die Arbeitslosigkeit.
Krokodilstränen für den Standort, nicht für die Menschen
Die politische Reaktion ist ebenso entlarvend. Man spricht vom „Wirtschaftsstandort Ostdeutschland“, der Schaden nehme. Nicht von den 2.700 Familien, nicht von der sozialen Verwüstung, sondern vom Standort. Dass die Stadt „keine Chance hatte, die Entscheidung zu beeinflussen“, ist keine Tragödie – es ist der Normalzustand. Kommunen, Länder, ganze Regionen sind Bittsteller im Standortwettbewerb. Erst werden Förderungen vergeben, Flächen bereitgestellt, Infrastruktur gebaut. Wenn der Profit anderswo höher ist, wird zugesperrt. Demokratie endet an der Werkichtung des Profits.
Monopol frisst Mensch
Dass der Konzern im Vorjahr About You geschluckt hat und nun Standorte „optimiert“, gehört ebenso zur kapitalistischen Logik wie das Amen im Gebet. Monopolisierung frisst Arbeitsplätze. Effizienzsteigerung heißt immer: weniger Menschen, mehr Druck, höhere Profite.
Ostdeutschland spielt dabei die altbekannte Rolle: erst Billigstandort, dann Verfügungsmasse. Wenn es passt, wird investiert. Wenn es nicht mehr passt, wird abgezogen.
Die eigentliche Botschaft
Die Botschaft von Zalando ist klar: Arbeit schafft keinen Anspruch. Loyalität zählt nichts. Jahre der Leistung bedeuten nichts, wenn die Rendite anderswo ein Prozent höher ausfällt. Wer arbeitet, ist ersetzbar. Wer besitzt, entscheidet.
All das ist kein „bedauerlicher Einzelfall“, sondern das Wesen des Kapitalismus. Produktionsmittel in privater Hand bedeuten Macht über Leben. Solange Konzerne frei entscheiden, wo, wann und ob Menschen arbeiten dürfen, werden Sozialpläne nur Pflaster auf offene Wunden sein.
Quelle: Kleine Zeitung






















































































