Braunau. Der Automatisierungskonzern B&R Industrial Automation GmbH, besser bekannt als Bernecker und Rainer, baut Arbeitsplätze ab und schließt den Standort in Gilgenberg. Zwischen 40 und 60 Beschäftigte wurden beim AMS-Frühwarnsystem gemeldet, ein „veraltetes Werk“ wird aufgelassen, der Rest darf – sofern er Glück hat – nach Eggelsberg pendeln. Das Ganze wird als notwendige Reaktion auf sinkende Umsätze verkauft. Willkommen im Alltag kapitalistischer Profitgier.
B&R entwickelt Hochtechnologie für die industrielle Automatisierung. Effizienz, Optimierung, Zukunft – all das steht im Firmenprospekt. Für die Beschäftigten gilt diese Zukunft allerdings nur so lange, wie sie sich in der Bilanz positiv auswirkt. Sinkt der Umsatz, kippt die Erzählung: Dann sind sie bloß „Kosten“, die reduziert werden müssen. Und Kosten haben bekanntlich Namen, Familien und Mietverträge.
Dass der Standort Gilgenberg „veraltet“ sei, ist dabei besonders entlarvend. Kapital investiert dort, wo Rendite winkt, und zieht sich zurück, wo Modernisierung nicht sofort Profit verspricht. Zurück bleiben die Kolleginnen und Kollegen, die jahrelang ihre Arbeitskraft geliefert haben – und nun lernen dürfen, dass Loyalität im Kapitalismus keine Kategorie ist.
Natürlich wird auch hier das übliche Ritual vollzogen: Sozialplan, Outplacement-Stiftung, Verhandlungen mit der Gewerkschaft. Das klingt nach Verantwortung, ist aber vor allem eines: Augenauswischerei und ein Tropfen auf den heißen Stein. Wer glaubt, ein Sozialplan sei ein Sieg, hat die Machtverhältnisse akzeptiert.
Die Übernahme der 60 Beschäftigten aus Gilgenberg nach Eggelsberg wird als Erfolg verkauft. Verschwiegen wird, was das konkret bedeutet: längere Wege, veränderte Arbeitsbedingungen, neue Unsicherheit. Mobilität ist im neoliberalen Wörterbuch immer eine Tugend – solange sie von unten verlangt wird.
Seit 2017 gehört B&R zum Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB. Internationaler Konzern, globale Strategien, lokale Konsequenzen. Während auf Konzernebene Portfolios „optimiert“ werden, kämpfen Beschäftigte im Innviertel mit den Folgen. Dass B&R 2024 ein negatives Betriebsergebnis von 26,4 Millionen Euro ausweist, reicht aus, um weitere Einschnitte zu legitimieren – obwohl der Konzernverbund insgesamt über enorme Ressourcen verfügt.
Dass in den vergangenen Jahren bereits über 200 Stellen abgebaut wurden, zeigt: Es handelt sich nicht um eine Ausnahme, sondern um einen fortlaufenden Prozess der Rationalisierung auf dem Rücken der Beschäftigten.
Besonders zynisch ist die Rolle der Automatisierung selbst. Technologien, die theoretisch Arbeitszeit verkürzen und Produktivität gesellschaftlich nutzbar machen könnten, werden im Kapitalismus zum Instrument der Arbeitsplatzvernichtung. Nicht weniger Arbeit für alle, sondern weniger Menschen für die gleiche Arbeit. Der Fortschritt gehört dem Kapital, die Unsicherheit der Klasse.
Unsere Solidarität gilt den Beschäftigten von Bernecker und Rainer, ihren Familien und allen, die tagtäglich ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um zu überleben – und sie gilt niemals den Renditen der Aktionäre und Kapitalisten. Wir lassen uns nicht einreden, dass Kündigungen Naturgesetze seien, dass „der Markt“ entscheidet oder dass rote Zahlen automatisch Menschen überflüssig machen. Entscheidend ist nicht die Bilanz, sondern die Machtfrage: Wer verfügt über Produktionsmittel, wer entscheidet über Arbeit, wer zahlt den Preis für Krisen, die wir nicht verursacht haben.
Während Konzerne international Gewinne verschieben, Standorte schließen und Belegschaften gegeneinander ausspielen, sollen die Beschäftigten Verständnis zeigen, flexibel sein und dankbar für Sozialpläne applaudieren. Wir sagen: Nicht die Menschen müssen sich dem Profit anpassen, sondern die Produktion den gesellschaftlichen Bedürfnissen. Arbeitsplätze, Qualifikation und regionale Strukturen dürfen keine Verfügungsmasse globaler Konzernstrategien sein.
Solidarität heißt deshalb mehr als Mitgefühl. Sie heißt Widerstand gegen Kündigungen, gegen Standortschließungen und gegen ein System, das Menschen nur so lange duldet, wie sie Rendite bringen. Sie heißt Organisierung, kollektive Gegenwehr und der Kampf um demokratische Kontrolle über Industrie und Arbeit. Denn solange Aktionäre entscheiden, wird gestrichen, rationalisiert und ausgelagert. Erst wenn die Beschäftigten selbst über Produktion und Verteilung bestimmen, endet diese Logik.
Unsere Parteinahme ist klar: für die Kolleginnen und Kollegen – gegen das Kapital. Für sichere Arbeitsplätze, soziale Sicherheit und eine Wirtschaft, die dem Leben dient und nicht der Profitmaximierung.
Quelle: ORF






















































































