Die anhaltende Kälteperiode in Österreich sorgt landesweit für einen starken Anstieg der Nachfrage nach Notschlafplätzen für obdachlose Menschen. Hilfsorganisationen wie Caritas und VinziWerke melden hohe Auslastungen, vielerorts kommen bereits Notbetten zum Einsatz. Gleichzeitig appellieren die Einrichtungen an die Bevölkerung, genauer hinzusehen und bestehende Hilfsangebote wie Kältetelefone zu nutzen.
In der Steiermark sind die Notschlafstellen derzeit stark gefordert. Seit dem deutlichen Temperatursturz sind die Einrichtungen in Graz nahezu voll belegt. „Wer einen Schlafplatz braucht, soll ihn auch bekommen“, lautet die klare Linie von Caritas und VinziWerken. Dennoch steige der Druck, wie Christian Taucher von der Caritas berichtet. Sowohl die ganzjährig geöffnete Notschlafstelle als auch die zusätzlichen Winterplätze seien weitgehend ausgelastet. Um niemanden abweisen zu müssen, würden Kapazitäten mit anderen Trägern koordiniert. Auch der Kältebus ist verstärkt unterwegs und versorgt Menschen an bekannten Aufenthaltsorten.
Ähnlich angespannt ist die Lage in Salzburg. Dort sind die bestehenden Notschlafstellen laut Caritas zu rund 90 Prozent ausgelastet. Zusätzlich will die Erzdiözese Salzburg das Projekt „BIWAK“ neu beleben. In beheizten Pfarrsälen sollen wieder temporäre Schlafplätze entstehen. Dafür werden derzeit Betreuerinnen und Betreuer gesucht, die bereit sind, die Nächte vor Ort zu begleiten. Das Konzept sieht vor, kirchliche Räume nachts als Notquartiere zu nutzen und tagsüber regulär zu verwenden.
In Wien haben die eisigen Temperaturen ebenfalls zu einer hohen Auslastung der Winternothilfe geführt. Der Fonds Soziales Wien (FSW) betont die enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, um flexibel auf steigenden Bedarf reagieren zu können. Zusätzliche Plätze, etwa speziell für Frauen, wurden bereits geschaffen. Über das Kältetelefon und eine eigene App können Hinweise auf obdachlose Menschen im Freien rasch an Streetwork-Teams weitergegeben werden. Diese informieren über Hilfsangebote und begleiten Betroffene bei Bedarf in Notquartiere.
Neben Schlafplätzen fehlen vielerorts auch Sachspenden. Besonders gefragt sind warme Winterjacken, feste Schuhe, Schlafsäcke sowie Hygieneartikel, insbesondere für Frauen. Hilfsorganisationen weisen darauf hin, dass schon wenige Stunden in extremer Kälte lebensbedrohlich sein können. Die aktuellen Minusgrade, die regional teils zweistellig ausfielen, erhöhen das Risiko erheblich.
Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler betont, dass niemand in Österreich im Winter auf der Straße erfrieren dürfe. Die Winternothilfe-Angebote, Wärmestuben und Streetwork-Einsätze seien österreichweit aktiv, stießen jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Umso wichtiger sei die Unterstützung aus der Bevölkerung – durch Spenden ebenso wie durch Aufmerksamkeit im Alltag. Schon ein Anruf beim Kältetelefon könne im Ernstfall Leben retten.




















































































