Tirol. Es ist ein rührender Moment der politischen Offenheit: Ein FPÖ-Funktionär setzt sich mit einem führenden Kopf der Identitären vor die Kamera, lächelt in die Linse und verkauft das Ganze als „Mut“. Endlich sagt jemand laut, was längst politischer Alltag ist. Die Verbrüderung von Gerald Hauser mit Martin Sellner ist kein Ausrutscher, kein Missverständnis, kein Kommunikationsfehler. Sie ist folgerichtig.
Wer sich jahrzehntelang von Angst, Ausgrenzung und nationaler Selbstbesoffenheit ernährt, muss sich irgendwann nicht mehr verstellen. Die Kamera läuft, der Handschlag sitzt, und plötzlich ist klar: Das, was sonst hinter vorgehaltener Hand gedacht wird, darf nun offen ausgesprochen werden.
Hier treffen sich keine Rebellen gegen „das System“, sondern dessen nützlichste Idioten. Während die materiellen Widersprüche des Kapitalismus weiter eskalieren – steigende Preise, prekäre Arbeit, soziale Unsicherheit – liefern FPÖ und Identitäre die altbewährte Ablenkung: Schuld sind immer die Anderen. Nie die Eigentumsverhältnisse, nie die Profiteure, nie das Kapital.
Die Identitären liefern die völkische Folklore, die FPÖ sorgt für die parlamentarische Verwertung. Arbeitsteilung im Dienste der Herrschenden: Die einen schreien von „Umvolkung“, die anderen übersetzen es in Anträge, Reden und Wahlkampfslogans. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass sich Wut nicht nach oben, sondern nach unten entlädt.
Wer Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Erwerbslose und Pensionistinnen und Pensionisten entlang von Herkunft, Kultur oder Hautfarbe spaltet, verhindert Solidarität. Nationalismus ist das Opium, das den Blick auf Ausbeutung vernebelt. Die Identitären predigen ethnische Reinheit, die FPÖ politisiert sie – beides dient demselben Zweck: den Status quo zu stabilisieren.
Dass Sellner dabei Rosen streut und Hauser sich dafür feiern lässt, ist nur noch Kabarett. Der angebliche „Mut“, gemeinsam aufzutreten, besteht darin, offen auszusprechen, dass man die gleiche gesellschaftliche Vision teilt: eine reaktionäre Ordnung, in der Hierarchie, Disziplin und Spaltung herrschen – selbstverständlich unter Wahrung der Eigentumsverhältnisse.
Neu ist daran nichts. Rechte, rechtsextreme und faschistische Bewegungen waren historisch immer dann stark, wenn sie als Rammbock gegen soziale Emanzipation gebraucht wurden.
Die Verbrüderung von FPÖ und Identitäre Bewegung Österreich ist daher kein Skandal, sondern eine ehrliche Standortbestimmung. Sie zeigt, wo diese Politik steht: gegen Internationalismus, gegen Gleichheit, gegen jede Form von Klassenbewusstsein und Klassenkampf.
Wer das Video sieht, sollte also dankbar sein. Selten war die ideologische Klarheit so groß. Die Masken fallen, der Inhalt bleibt – reaktionär, sozialchauvinistisch und im Kern systemerhaltend. Antifaschismus bedeutet, das nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern die materiellen Interessen dahinter offenzulegen. Und sie konsequent zu bekämpfen.
Quelle: ORF





















































































