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Entschuldigung Van der Bellens mit zweifelhaftem Wert

11. Oktober 2020
in Feuilleton, Geschichte, Kommentar
Entschuldigung Van der Bellens mit zweifelhaftem Wert

Partisanenabteilung in den Bergen mit von ihnen geretteten US-Piloten.

Ein Kommentar des stellvertretenden PdA-Vorsitzenden Otto Bruckner zu den Feierlichkeiten anlässlich des 100. Jahrestages der Kärntner Volksabstimmung. 

Er ist ein Meister darin, etwas in großer Pose aber ohne jeden inhaltlichen Wert vorzutragen. Er hat uns ja schließlich auch Strache als Vizekanzler und Kickl als Innenminister eingebrockt und schöngeredet, wo sich der großbürgerliche Präsident Thomas Klestil wahrscheinlich mit Naserümpfen abgewandt hätte. Und sich dann als Retter der Nation präsentiert, als die von ihm angelobte Koalition des Schreckens in die Luft flog. Er ist der erste Grüne als Bundespräsident und erweist sich in Vielem als inhaltlich schwach, als opportunistisch, und sogar weniger akzentuiert als seine Vorgänger Heinz Fischer und Thomas Klestil.

Gut, Van der Bellen hat sich anlässlich der 100-Jahr-Feier der Kärntner Volksabstimmung bei der Volksgruppe der Kärntner Slowenen für „erlittenes Unrecht“ und dafür entschuldigt, dass den Kärntner Slowenen so lange viele ihrer staatsvertraglich verbrieften Rechte vorenthalten wurden. Aber ist eine solche Entschuldigung mehr als eine Floskel, wenn nicht zugleich die Gründe dafür benannt werden, dass die Slowenen sich als Fremde im eigenen Land fühlen mussten und teilweise noch müssen?

Zur Benennung der Gründe wäre es jedoch notwendig, den Deutschnationalismus, der als Wurmfortsatz des Nazi-Faschismus bis heute in den Köpfen vieler Deutsch-Kärntner spukt, beim Namen zu nennen. Es wäre wichtig, darüber zu sprechen, dass der Kärntner Heimatdienst und andere deutschnationale Verbände gegen die slowenische Volksgruppe hetzen, und die Nazi-Verbrechen schönreden, bis heute. So erdreistet man sich zum Beispiel nicht, die bestialische Ermordung der slowenischen Familie am Peršmanhof durch SS und Polizei, die durch ein dort befindliches Museum gut dokumentiert ist, den Partisanen anhängen zu wollen. Es wäre auch nötig, das materielle Unrecht zu thematisieren, das den slowenischen Bauernfamilien widerfuhr. Die von ihren Höfen vertrieben, ausgesiedelt und teilweise auch ermordet wurden. Von Höfen, auf denen teilweise bis heute noch die primitiven und kulturlosen deutschnationalen Erben der Nazis sitzen.

Der Konflikt ist spätestens seit dem Ende des Nationalsozialismus einer zwischen der Tradition des Widerstandes gegen das NS-Regime durch die Partisanen und der bis heute andauernden Verklärung desselben Regimes durch die Deutschnationalen. Dabei bestand der Widerstand zwar hauptsächlich, aber nicht nur aus Angehörigen der slowenischen Volksgruppe, auch der spätere SPÖ- und KPÖ-Spitzenpolitiker und Nationalratsabgeordnete Erwin Scharf schloss sich beispielsweise als junger Mann dem Partisanenwiderstand an, so wie es auch viele andere nicht aus der Volksgruppe der Slowenen stammende Kärntner, Steirer und Menschen aus anderen Bundesländern getan haben.

Gerne wird heute davon gesprochen, wie wichtig es ist, dass unsere Kinder bilingual, also mehrsprachig, aufwachsen. Das scheint aber nur zu gelten, wenn sie in der Schule englisch oder französisch lernen. Eine zweite Muttersprache scheint da nicht so interessant zu sein. Dabei öffnet zum Beispiel die slowenische Sprache das Tor zum Verständnis vieler anderer slawischer Sprachen, und sie ist ein Teil von Österreich. Ebenso, wie das Burgenland-kroatische, das Romanes, das Tschechische und Slowakische, wobei die anderen Volksgruppensprachen alle durch den Assimilationsdruck schon viel weiter zurückgedrängt wurden als das Slowenische, das allerdings auch von jungen Leuten immer weniger beherrscht wird. 

Hinzu kommen die Sprachen der in den letzten Jahrzehnten Zugezogenen in den Ballungszentren, die, was die größten Zuwanderergruppen betrifft, mit serbisch, kroatisch und bosnisch, bulgarisch oder polnisch ohnehin auch slawischen Ursprungs sind, oder etwa auch türkisch bzw. kurdisch oder rumänisch. Wenn man will, kann man auch das Bundesdeutsche dazu zählen, denn mittlerweile sind ja BRD- und frühere DDR-Bürger die größte Zuwanderergruppe, aber hier ist kaum von einer einheitlichen Sprache zu sprechen, da ja beispielsweise ein Bayer und ein Norddeutscher auch sehr unterschiedliches Deutsch sprechen. Und durch die in den letzten Jahren hierher gekommenen Flüchtlinge wird auch vermehrt arabisch gesprochen. All das kann man als Bereicherung auffassen. Oder als Bedrohung, wie die Deutschnationalen es tun, die – ironischerweise – sehr oft nicht einmal die deutsche Sprache unfallfrei sprechen können.

Jedenfalls kann es nur Nazi-affinen Hinterwäldlern oder in Burschenschafter-Kellern vom vielen Bier saufen und Nazilieder grölen verblödeten Burschenschaftern einfallen, dass in Kärnten nur deutsch gesprochen werden sollte. Es ist die zweite Landessprache, es ist eine der Sprachen in Österreich, und darauf sollten wir stolz sein. Und noch etwas: auch auf die Kärntner Partisanen sollten wir, ebenso wie auf alle anderen Widerstandsgruppen gegen die Nazi-Barbarei, stolz sein. Sie waren es, die zumindest einen moralischen Beitrag zur Wiedererstehung Österreichs als eigenständige Nation geleistet haben, und nicht wenige von ihnen haben ihren Einsatz mit dem Leben bezahlt. Nach dem Willen der Deutschnationalen wären wir heute noch die Ostmark.

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Bildquelle: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Schlagworte: Alexander van der BellenKärntenKärntner HeimatdienstKärntner SlowenenPartisanen

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