Mehr als 160 Tote durch Drohnenangriffe in wenigen Tagen, Millionen Vertriebene und eine Bevölkerung am Rand des Hungers: Der Krieg im Sudan verschärft sich weiter. Die Sudanesische Kommunistische Partei fordert die Beendigung des Krieges, eine zivile demokratische Herrschaft und eine erneuerte Mobilisierung des Volkes.
In den vergangenen Tagen haben Drohnenangriffe in verschiedenen Landesteilen mehr als 160 Menschen getötet. Unter den Opfern sind Kinder, Vertriebene und Menschen, die sich an alltäglichen Treffpunkten versammelt hatten. Die Angriffe zeigen einmal mehr, dass die Zivilbevölkerung den Preis für einen Krieg bezahlt, der seit April 2023 das Land verwüstet.
Besonders verheerend war ein Angriff auf einen Verkehrsknotenpunkt nahe einem Markt in Al-Dibab im Bundesstaat West-Kordofan. Dort hatten sich Menschen nach einem Markttag versammelt, um eine Mitfahrgelegenheit nach Hause zu finden. Berichten zufolge wurden 80 Menschen unmittelbar getötet. Von 47 Verletzten, die in die nahegelegene Stadt Al-Mujlad gebracht wurden, starben später weitere 30. Die Verantwortlichkeit für diesen Angriff wird von den RSF und der Gruppe Emergency Lawyers der sudanesischen Armee zugeschrieben.
Auch in anderen Regionen traf die Gewalt Zivilistinnen und Zivilisten. In der Provinz Blue Nile wurden nach Angaben von Emergency Lawyers bei einem Drohnenangriff der Rapid Support Forces (RSF) auf eine Versammlung Vertriebener 41 Menschen getötet. In Nyala, einer Hochburg der RSF in Darfur, starben bei einem weiteren Drohnenangriff 17 Menschen. Die Vereinten Nationen verurteilten die anhaltenden Angriffe, bei denen auch Kinder getötet und wichtige öffentliche Dienstleistungen beeinträchtigt werden.
Ein Krieg um Macht – auf Kosten des Volkes
Der Krieg begann im April 2023 als Machtkampf zwischen den sudanesischen Streitkräften unter Abdel Fattah al-Burhan und den paramilitärischen Rapid Support Forces unter Mohamed Hamdan Dagalo, bekannt als Hemedti. Im Zentrum stand unter anderem der Streit über die Eingliederung der RSF in die reguläre Armee. Aus dem Konflikt zwischen zwei bewaffneten Machtzentren ist eine Katastrophe für das Volk geworden.
Die zunehmende Verwendung von Drohnen erweitert die Möglichkeiten, Menschen und Infrastruktur aus der Luft anzugreifen. Neben den unmittelbaren Todesopfern geraten Verkehrswege, Wasserversorgung und andere lebenswichtige Einrichtungen unter Druck. Die Zivilbevölkerung wird dadurch nicht nur unmittelbar bedroht, sondern auch ihrer materiellen Lebensgrundlagen beraubt.
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Katastrophe: Rund 13 Millionen Menschen wurden nach Angaben der Vereinten Nationen aus ihren Wohnorten vertrieben. 33,7 Millionen Menschen benötigen in diesem Jahr dringend Nahrungsmittelhilfe. Besonders dramatisch ist die Lage der Kinder: Nach UN-Angaben sind schätzungsweise 825.000 Kinder von schwerer akuter Mangelernährung betroffen. Die tatsächliche Zahl der Kriegstoten dürfte ebenfalls deutlich über den dokumentierten Angaben liegen.
Die Bevölkerung muss über die Zukunft des Sudan entscheiden
Vor diesem Hintergrund verdient die politische Position der Sudanesischen Kommunistischen Partei (SKP) besondere Aufmerksamkeit. In einer am 18. Oktober veröffentlichten Erklärung verurteilte die Partei ägyptische Luftangriffe auf sudanesische Kleingoldschürfer, bei denen mindestens 72 Menschen getötet wurden. Sie verlangte eine unabhängige Untersuchung, die Aufklärung des Schicksals der Getöteten und Vermissten sowie die Versorgung der Überlebenden. Zugleich stellte sie den Angriff in einen Zusammenhang mit dem Kampf um die natürlichen Ressourcen des Landes, insbesondere um Gold.
Die Erklärung steht im Zusammenhang mit einer grundsätzlichen politischen Intervention der Partei. In einem Leitartikel ihrer Zeitung Al-Midan vom 16. Oktober, „Mass Action: Priorities of the Present“, fordert sie eine stärkere organisierte Bewegung von unten, um den Krieg zu beenden und eine zivile demokratische Herrschaft durchzusetzen.
Die SKP setzt dabei auf die Zusammenarbeit von Nachbarschaftsküchen, Notfallkomitees, Widerstandskomitees, revolutionären Kräften und demokratischen Gewerkschaften. Die unmittelbaren Kämpfe um Nahrung, Einkommen und öffentliche Dienstleistungen sollen mit dem politischen Ziel verbunden werden, den Krieg zu beenden und die demokratischen Hoffnungen der Revolution vom Dezember 2018 wieder aufzunehmen. Gleichzeitig fordert die Partei internationale Solidarität und die systematische Dokumentation von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen beider Konfliktparteien.
Dieser Ansatz ist angesichts der gegenwärtigen Lage von großer Bedeutung. Denn weder die militärische Vorherrschaft einer Kriegspartei noch die Vermittlung durch ausländische Regierungen garantiert den Menschen Frieden, soziale Sicherheit oder demokratische Mitbestimmung. Die SKP kritisiert ausdrücklich jene regionalen und internationalen Akteure, die nach ihrer Einschätzung zur Verlängerung des Krieges beitragen, während sie sich zugleich als Vermittler präsentieren.
Internationale Solidarität statt imperialistischen Interessen
Der Sudan ist nicht allein mit den Folgen seines Krieges. Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen und suchen Schutz in anderen Landesteilen oder in Nachbarstaaten wie dem Tschad. Zugleich bleibt die Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen, während bewaffnete Auseinandersetzungen und die Zerstörung der Infrastruktur die Versorgung erschweren.
Die internationalen Reaktionen bleiben hinter der Dringlichkeit der Lage zurück. Zwar forderten die USA eine humanitäre Waffenruhe und eine Ausweitung des Waffenembargos gegen den Sudan im UN-Sicherheitsrat, doch stießen sie auf den Widerstand Chinas und Russlands. Solche Auseinandersetzungen verdeutlichen, dass internationale Politik häufig auch von eigenen und gegensätzlichen imperialistischen Interessen geprägt ist. Hier.rgeht es nicht um Menschen- oder Nächstenliebe sonder knallharte eigene Interessen.
Quelle: Al Jazeera News/International Communist Press


















































































