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Die Profiteure der Krise

Während breite Teile der Bevölkerung mit Einkommensverlusten und düsteren Zukunftsaussichten kämpfen, gibt es klare Gewinner der ökonomischen Verwerfungen und höchst einseitigen „Rettungsmaßnahmen“.

Oberflächlich betrachtet sind es ein paar „glückliche“ Branchen, die in den letzten Monaten besonders profitiert haben: Internetversandhandel, Pharmaunternehmen, Baumärkte und zumindest einzelne Bereiche im heimischen Sommertourismus. Doch während über Rekordumsätze beispielsweise von Amazon breit berichtet wird, sind es durchaus auch hiesige Großkonzerne, die Gewinne sichern oder sogar ausbauen können.

Zu einem guten Teil ist dies den sogenannten „Rettungsmaßnahmen“ der türkis-grünen Bundesregierung zu verdanken: Die Kurzarbeit nützt vor allem den Unternehmen, während die Beschäftigten Lohnverluste hinnehmen müssen. Darüber hinaus stehen die allgemeinfinanzierten Milliardenhilfen nicht im Widerspruch zu exorbitanten Gewinnausschüttungen – sie sind vielmehr Basis derselben. So schickte KTM-Boss Stefan Pierer sämtliche 3.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit und gönnte sich selbst vier Millionen Euro Dividende. Auch der Glückspielkonzern Novomatic nahm Kurzarbeit in Anspruch und zahlt gleichzeitig Dividenden aus (wir berichteten über die scheinheilige Entrüstung der Sozialdemokratie). Für die Immobilienbranche stand ohnehin rasch fest, dass ihre (Profit-)Interessen über den unverschuldet geminderten Zahlungsmöglichkeiten der Mieterinnen und Mieter stehen. Dementsprechend verdienen sich Immofinanz & Co. mitten in der Krise eine goldene Nase.

Das große Fressen kommt noch

Es wäre aber zu kurz gegriffen, ein paar aktuelle Dividendenkaiser als die einzigen Krisengewinnler zu sehen. In Gastronomie und Tourismus wird die große Pleitewelle erst kommen – und damit für die kapitalstarken Großbetriebe der Branche die Chance, ihre Marktanteile auszubauen und in noch größerem Maßstab Lohndrückerei zu betreiben, wie sie sich bereits jetzt bei vielen KV-Abschlüssen abzeichnet. Darüber hinaus ist der Druck auf die Kontrollbehörden, Konzernfusionen durchzuwinken, aktuell enorm – siehe AMS/Osram oder Alstrom/Bombardier. So sind weitere Monopolbildungen und damit einhergehende Maximalprofite absehbar – auch wenn so mancher Konzern gerade vorgibt, kurz vor der Pleite zu stehen. Ein gutes Beispiel dafür ist die AUA: Mit der Drohung, Standort und Arbeitsplätze zu streichen, holte sich das Management neben Lohnverzicht der Belegschaft hunderte Millionen Staatsgelder – und darüber hinaus Kurzarbeit bis 2022 (so zahlt sich die Republik die „geretteten“ Jobs selbst). Die Firmenleitung geht wie selbstverständlich davon aus, schon bald wieder Gewinne an die Konzernmutter Lufthansa abliefern zu können.

Zeitablauf lässt Prioritäten erkennen

Kurzum: Ungeachtet kurzfristiger Einbußen sind es wieder einmal die Großkonzerne, die mittelfristig von den ökonomischen Verwerfungen profitieren werden. Sie waren die ersten, denen EZB und Regierung Milliarden zur „Rettung“ nachwarfen, während Einzelunternehmen, prekär Beschäftigte, Vereine, Familien und Arbeitslose monatelang (und oft vergeblich) auf eine auch nur symbolische Unterstützung warten mussten.

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