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Die Krise im Handel

Nach den Corona-bedingten Schließungen Mitte März, die große Teile des Handels betrafen, sind seit Mai wieder fast alle Geschäfte offen. Doch die Wirtschaftskrise ist noch immer und weiterhin aktiv und die Leidtragenden sind die entsprechenden Teile der Arbeiterklasse.

Verluste für den Handel

In einer Pressemitteilung prognostiziert der Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbandes, Rainer Will, für die Jahre 2020 und 2021 einen Ausgabenrückgang österreichischer Privathaushalte von rund 26 Milliarden Euro, für das Jahr 2020 allein bereits 15 Milliarden Euro. Und diese Verluste bereiten den österreichischen Handelsunternehmen schon jetzt große Probleme. Ein Viertel aller Handelsbetriebe sei laut dem Handelsverband akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht, ein Fünftel kündigte bereits Angestellte.

Abgesehen von den drei Monopolen des Lebensmittelhandels, Rewe (Billa, Merkur, Penny), Spar und Hofer, die aus der Krise sogar Profit schlagen konnten, offenbart sich in den meisten Handelsbetrieben also sehr deutlich, dass in Wirtschaftskrisen kleine bis mittelständische Unternehmen nicht überleben und ihre Marktanteile von Konzernen landgenommen werden.

Das Versagen der Kurzarbeit

Vor allem die Kurzarbeit wurde als ein Konzept präsentiert, welches Kündigungen verhindern soll. Die ArbeiterInnen verrichten einen bestimmten Anteil ihrer Normalarbeitszeit und bekommen dafür bis zu 90 Prozent ihres normalen Lohns ausgezahlt. Das AMS, welches durch Beiträge und Steuern finanziert wird, ersetzt den Unternehmen dann die Kosten für die Ausfallstunden. Die Arbeiterklasse muss mit ihren Steuern diese Kosten also selbst stemmen und trotzdem Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Kurzarbeitsmodelle können somit keineswegs sozial genannt werden, sondern sichern Unternehmen vielmehr ihre Profite.

Würde dieses Modell wenigstens effizient funktionieren, so könnten damit tatsächlich Arbeitsplätze zumindest kurzfristig gerettet werden. Doch das ist in der Realität nicht der Fall.

So kritisieren österreichische Handelsunternehmen, dass die Unterstützung vom AMS viel zu spät ankommt. Viele Firmen warten immer noch auf das ihnen zustehende Kurzarbeitsgeld. Und diese ineffiziente und bürokratische Ausführung der eigenen Maßnahmen aufseiten der österreichischen Bundesregierung führt dazu, dass viele Unternehmen bereits in Insolvenz gehen mussten, ergo viele Angestellte gekündigt wurden.

Insolvenzen in der Modebranche

Vor allem Bekleidungs- und Schuhgeschäfte haben mit der Krise besonders schwer zu kämpfen, im Monat Juni beispielsweise mit einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von 40 % im Vergleich zum Vorjahr. In einer Umfrage des Handelsverbandes gibt ein Viertel aller Modeunternehmen an, innerhalb des nächsten Jahres noch Stellen zu streichen.

Doch schon zum jetzigen Zeitpunkt sind einige Betriebe bereits pleitegegangen, so zum Beispiel die Unternehmen Airfield, Colloseum, Dressmann, Haanl und Stefanel, allesamt aus der Modebranche. Dressmann hat zwar Kurzarbeit angemeldet, jedoch ist es nie zu einer Auszahlung gekommen, sodass das Unternehmen mit 16 Millionen Euro Schulden die eigene Zahlungsunfähigkeit nicht verhindern konnte. Die 165 MitarbeiterInnen sind nun beim AMS zur Kündigung angemeldet. Bei Colloseum sind 329 weitere ArbeiterInnen von der Pleite betroffen, bei Airfield sind es 103.

Veränderungen in Richtung E‑Commerce

Unternehmen, die ausschließlich oder zumindest zu einem großen Teil den Online-Markt bedienen, sind von der Krise nicht betroffen. Sie können sogar Profit aus ihr schlagen. Dabei stechen natürlich zuerst internationale Großkonzerne wie Amazon ins Auge. Im ersten Quartal 2020 konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert steigern. Der tatsächliche Gewinn fällt zwar geringer aus, da aufgrund der massiv wachsenden Nachfrage auch eine sehr hohe Anzahl an neuen MitarbeiterInnen eingestellt wurde. Auf lange Sicht jedoch wird Amazon nur noch stärker von dieser Einstellungsoffensive profitieren.

Aber auch heimische Monopole durchlaufen aufgrund der Wirtschaftskrise große Veränderungen in Richtung E‑Commerce. So verzeichnet Billa einen rasanten Anstieg an Online-Bestellungen, die Anzahl an Click- und Collect-Stationen (wo Online-Bestellungen abgeholt werden können) sollen bis Ende des Jahres mehr als verdreifacht werden. Langfristig könnte eine verstärkte Orientierung auf den elektronischen Handel weitere Arbeitsplätze kosten, sollte der traditionelle Handel an Relevanz verlieren.

Es zeigt sich also, dass in der derzeitigen Wirtschaftskrise vorrangig kleinere Unternehmen ohne ausreichend Ressourcen für den Online-Markt Insolvenz anmelden müssen, während die großen Konzerne wohl überleben werden. Die durch CoViD-19 verstärkte Wirtschaftskrise beschleunigt zweifellos die Monopolisierung im österreichischen Handelssektor. Und die Bundesregierung wirkt an dieser Monopolisierung mit ihren Hilfen, die hauptsächlich darauf abzielen, Großkonzerne zu unterstützen und zu retten, aktiv mit. Auch die Kurzarbeit soll letztendlich den Monopolen Österreichs unter die Arme greifen und bietet für die Handelsangestellten keine langfristige Lösung. Die Bundesregierung stellt ihre Arbeit somit in den Dienst des Großkapitals, nicht zuletzt in Krisenzeiten.

Quellen:

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