Bereits die zweite Versteigerung von Pipeline-Kapazitäten von Griechenland nach Osteuropa, die ‚jedes letzte Molekül russischen Gases‘ durch amerikanisches LNG“ ersetzen sollten ist gescheitert. Die Gashändler zeigen kein Interesse.
Athen. Vor zwei Monaten war die Welt für die US-Gasindustrie und die Regierungen in den USA, in Griechenland und in der Ukraine noch in Ordnung. „Athen und Kiew unterzeichneten am Sonntag eine Vereinbarung über die Ukraine, verflüssigtes Erdgas zu importieren, um den Winterbedarf des Landes zu decken, da Griechenland das erste EU-Land wird, das aktiv am US-Plan teilnimmt, ‚jedes letzte Molekül russischen Gases‘ durch amerikanisches LNG zu ersetzen“ berichtete das zum deutschen Springer-Konzern gehörende Internetportal politico.eu am 16. November des Vorjahres. Von Dezember bis März 2026 sollte US-amerikanisches LNG-Gas in wiederverflüssigter Form in Griechenland eingespeist und über den „Gas Interconnector Griechenland-Bulgarien„geleitet werden, ein zwischen 2014 und 2019 neu aktiviertes Pipelinesystem für Erdgas, das Pipelines, LNG-Terminals und Lageranlagen umfasst und mit EU-Mitteln in Höhe von 33 Millionen Euro mitfinanziert wurde. Damals war allerdings noch keine Rede von US-Frackinggas.
„Was wir für die Zukunft Griechenlands und der Vereinigten Staaten sehen, ist, dass Griechenland ein Energiezentrum wird und diese Energiedominanz zeigt, die beide Länder erleben und gemeinsam arbeiten können, um enorme Ergebnisse zu erzielen“, sagte US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle damals. Doch die Bruchlandung zwei Monate später ist hart. Hatte sich bei der ersten Auktion von Pipeline-Kapazitäten im Dezember überhaupt niemand gemeldet, wurde die kürzlich stattgefundene Auktion vom Jänner 2026 ebenfalls zur Farce. Das Ausmaß des Flops war bemerkenswert. Von fast 72 Gigawattstunden Pipeline-Kapazität, die Unternehmen über drei verschiedene Einstiegswege erhielten, wurden schließlich winzige 48 Megawattstunden – weniger als 0,1 Prozent des Gesamtangebots – gebucht.
Jetzt wird gerätselt, woran das liegt. Die griechische Regierung macht die unberechenbare Außenpolitik der Trump-Regierung und den Grönland-Streit zwischen USA und EU dafür verantwortlich. Die Ukraine wiederum zeigt wenig Interesse, weil es billigere Transportrouten über Litauen und Polen für US-Gas hat. Gleichzeitig erhält die Ukraine – ein Treppenwitz der Geschichte – nach wie vor russisches Pipeline-Gas aus der Slowakei und Ungarn, das über die Turkstream-Pipeline geliefert wird.
Der Beschluss des EU-Rates, ab Ende 2027 keine russischen Gasimporte in die EU mehr zuzulassen, ist da nur mehr ein weiterer Beleg für die Realitätsverweigerung der EU-Granden und der meisten Staatschefs. Ungarn und die Slowakei haben bereits angekündigt, gegen diesen Beschluss Klagen beim Europäischen Gerichtshof einbringen zu wollen. „Eine ernsthafte Herausforderung für die EU ist, dass sie offenbar eine Abhängigkeit (Russland) durch eine andere (USA) ersetzt“, sagt dazu Harry Tzimitras, Direktor des Friedensforschungsinstituts Oslo Cyprus Centre.
Quellen: Inforegio/POLITICO/POLITICO



















































































