Neue dendrochronologische Untersuchungen belegen: Der Dachstuhl der Filialkirche St. Lorenz in Rossatz-Arnsdorf stammt aus dem Jahr 1095/96 und ist damit älter als alle bislang bekannten erhaltenen Dachkonstruktionen des Landes.
In der Filialkirche St. Lorenz in der Wachau-Gemeinde Rossatz-Arnsdorf (Bezirk Krems) ist der älteste bislang nachgewiesene Dachstuhl Österreichs entdeckt worden. Die Hölzer der Konstruktion konnten mittels dendrochronologischer Untersuchungen auf das Winterhalbjahr 1095/96 datiert werden. Damit ist das Dachwerk deutlich älter als alle bisher bekannten vergleichbaren Konstruktionen im Bundesgebiet.
Bislang galt der Dachstuhl der Johanneskapelle in Pürgg in der steirischen Gemeinde Irdning-Donnersbachtal als ältester erhaltener Dachstuhl Österreichs. Dieser wird um das Jahr 1125 datiert. Der neue Befund aus der Wachau verschiebt diese zeitliche Grenze nun um rund drei Jahrzehnte nach hinten.
Die Entdeckung erfolgte im Rahmen eines Forschungsprojekts des Arbeitskreises für Hausforschung Österreich. Bei einer detaillierten Bauaufnahme der Kirche St. Lorenz stießen Fachleute auf konstruktive Merkmale, die auf ein ungewöhnlich hohes Alter des Dachwerks hindeuteten. Um diese Annahme zu überprüfen, wurden Proben der verbauten Hölzer naturwissenschaftlich untersucht.
Bäume im Winter 1095/96 gefällt
Die dendrochronologische Analyse bestätigte den Verdacht: Die für den Dachstuhl verwendeten Bäume wurden im Winter 1095/96 gefällt. Da im Mittelalter Bauholz in der Regel unmittelbar nach der Fällung verarbeitet wurde, lässt sich daraus nicht nur der Errichtungszeitpunkt des Dachwerks, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch jener der gesamten Kapelle ableiten.
Die Kirche St. Lorenz weist darüber hinaus eine außergewöhnliche bauliche und historische Kontinuität auf. Sie ist an einen spätantiken römischen Burgus, einen Wachturm aus dem 4. Jahrhundert, angebaut. Die Anlage gilt damit als herausragendes Beispiel für die Wiederverwendung römischer Baureste in der Wachau. Im Mittelalter wurde der Standort als kleine Burg genutzt.
Erstmals urkundlich erwähnt wird St. Lorenz um das Jahr 1208. In einer Quelle erscheint „Meinhardus de sancto Laurentio“, der dem Umfeld der Herren von Kuenring zugerechnet wird. Diese Adelsfamilie spielte im Hochmittelalter eine zentrale Rolle in der Region entlang der Donau.
Die jüngsten Forschungsergebnisse unterstreichen die kulturhistorische Bedeutung der Wachau, die seit dem Jahr 2000 als UNESCO-Welterbe „Kulturlandschaft Wachau“ anerkannt ist. Zusätzlich ist der römische Burgus von St. Lorenz seit 2021 Teil des transnationalen UNESCO-Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes (Westlicher Abschnitt)“. Dieses Welterbe überlagert sich in der Region mit dem bereits bestehenden Schutzstatus der Wachau.
Mit dem nun nachgewiesenen Dachstuhl aus dem späten 11. Jahrhundert kommt der Anlage von St. Lorenz nicht nur regional, sondern österreichweit eine besondere Stellung in der Bau- und Architekturgeschichte zu.
Quelle: ORF


















































































