Eine aktuelle Befragung von rund 6.000 Studierenden in Österreich und Deutschland zeigt: Mehr als die Hälfte bewertet die eigene psychische Verfassung als schlecht oder weniger gut. Die Ergebnisse markieren den bisher niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2021.
Graz. Die psychische Gesundheit von Studierenden in Österreich und in der BRD hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das geht aus dem „Mental Health Barometer“ hervor, einer jährlich durchgeführten Online-Befragung der Grazer Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp und der Studierenden-App Studo. An der Erhebung im Herbst 2025 nahmen rund 6.080 Studierende teil.
Demnach gaben 56,7 Prozent der Befragten an, dass es ihnen in den vergangenen 14 Tagen psychisch „weniger gut“ oder „schlecht“ gegangen sei. Damit liegt der Wert deutlich über den Ergebnissen der Vorjahre: 2023 waren es 48,6 Prozent, 2024 rund 52,5 Prozent. Gleichzeitig bezeichneten nur 15,5 Prozent ihren mentalen Gesundheitszustand als „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“.
Das Mental Health Barometer wird seit 2021 durchgeführt und ist als Längsschnittstudie angelegt. Ziel ist es, Entwicklungen und Veränderungen in der psychischen Verfassung von Studierenden über mehrere Jahre hinweg zu beobachten.
Entscheidend für Lebensqualität
Die Befragung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen mentaler Gesundheit und subjektiver Lebensqualität. Studierende, die ihre psychische Verfassung positiver einschätzen, bewerten auch ihre Lebensqualität höher. Rund 40 Prozent beschrieben diese als „gut“, etwa ein Viertel als „sehr gut“ und knapp sechs Prozent als „ausgezeichnet“. Für 71,4 Prozent der Befragten haben mentale und körperliche Gesundheit den gleichen Stellenwert.
Gleichzeitig gaben nur etwa ein Drittel der Studierenden an, offen über psychische Probleme sprechen zu können. Aus Sicht von Instahelp unterstreicht dies die Bedeutung niederschwelliger und leicht zugänglicher Unterstützungsangebote für junge Menschen.
Stressfaktor Studium
Ein weiterer zentraler Befund betrifft das Stresserleben im Studienalltag. Rund zwei Drittel der Studierenden (etwa 67 Prozent) fühlen sich durch ihr Studium „ziemlich“ oder „sehr“ gestresst. Zwar ist dieser Wert im Vergleich zu den Vorjahren leicht gesunken, dennoch bleibt die Belastung hoch. Als wichtigste Stressoren nannten die Befragten den hohen Arbeitsaufwand, Prüfungsdruck, psychische Probleme sowie finanzielle Sorgen.
Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass sich ebenfalls rund 67 Prozent der Studierenden keine oder höchstens eine Stunde pro Woche gezielt Zeit für ihre mentale Gesundheit nehmen, etwa für Reflexion, Meditation oder Beratung.
Bernadette Frech, CEO von Instahelp, verweist auf strukturelle Hürden: Wer zwischen Studium, Nebenjob und Alltagsverpflichtungen kaum Ressourcen habe und zugleich mit hohen Lebenshaltungskosten konfrontiert sei, zögere oft lange, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Positiv bewertet sie die geplante Kostenübernahme klinisch-psychologischer Behandlungen als Kassenleistung in Österreich ab 2026.
Einfluss globaler Krisen
Mehr als die Hälfte der befragten Studierenden gab an, dass aktuelle globale Entwicklungen wie Inflation oder geopolitische Krisen ihre mentale Gesundheit beeinträchtigen. Gleichzeitig ist das subjektive Sicherheitsgefühl an den Hochschulen hoch: Rund 90 Prozent fühlen sich am Campus ihrer Einrichtung sicher in Bezug auf Belästigung, Gewalt und Kriminalität.
Ergänzend zu bestehenden Angeboten hat Instahelp in seiner App einen neuen Dienst eingeführt. Über ein sogenanntes „Critical Alerting“ können Studierende per Push-Benachrichtigung über akute Gefahrenlagen an ihren Hochschulen informiert werden.
Die Ergebnisse des aktuellen Mental Health Barometers zeichnen insgesamt ein Bild hoher psychischer Belastung, das trotz einzelner positiver Aspekte wie eines hohen Sicherheitsgefühls auf strukturelle, aus dem Kapitalismus resultierende Probleme im Studienalltag hinweist.
Quelle: ORF


















































































