Das „Zopfverbot“ für Soldaten soll gekippt werden. Für das Bundesheer auch eine Gelegenheit, Aufrüstung und Militarisierung für junge Menschen schmackhaft zu machen. Mit „Weltoffenheit“ und progressiver Selbstdarstellung wird die Integration in EU und NATO vorangetrieben.
Wien. Künftig werden Männer im Bundesheer nicht mehr gezwungen, lange Haare zu kürzen. Per provisorischem Dekret dürfen nun alle Geschlechter lange Haare entweder als geflochtenen Zopf oder als Dutt tragen. Bislang hat das Verteidigungsressort die Haarlänge von Männern vorgeschrieben und mit einem „uniformen Erscheinungsbild und der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und Disziplin des Bundesheeres“ argumentiert. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) bemängelt, dass sich das sogenannte „Zopfverbot“ ausschließlich gegen Männer richtet.
Für das Bundesheer hat die neue Regelung einen praktischen Begleiteffekt. Während mit Zwangsmaßnahmen wie der diskutierten Verlängerung des Grundwehrdienstes versucht wird, die Kasernen zu füllen, wird dem Bundesheer mit der neuen Regelung ein freundlicheres Gesicht aufgesetzt. Weniger verbohrt und mehr weltoffen, das Heer soll ansprechender für junge Menschen werden.
Zielgruppe Frauen
Die Attraktivierung des Heeres zielt auch auf Frauen ab. Auf Werbeplakaten umgarnt das Bundesheer junge Österreicherinnen und bewirbt den „Girls Day“, an dem junge Frauen Einblicke in das Bundesheer bekommen. 2017 bewarb man diesen Tag in Vorarlberg als „Karriere mit BH“, ein sexistisches Wortspiel, das der positiven Selbstdarstellung widerspricht. Auch Schulen sind ein Ziel. Speziell ausgebildete „Informationsoffiziere“ machen Werbung bei Minderjährigen, um sie für eine Karriere im Heer zu gewinnen. Besonders hoch im Kurs sind Auslandseinsätze, unter anderem im Kosovo und dort unter NATO-Kommando.
Militärische Disziplin soll durch Kulturliberalismus schmackhaft gemacht werden. An die Stelle von „Vaterlandsverteidigung“ rückt die Verteidigung „liberaler Werte“ und die Pflicht des von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beschworenen EU-Patriotismus.
Dabei könnte man auch von Israel gelernt haben. Die israelische Armee (IDF), die im Gaza-Streifen seit zweieinhalb Jahren einen Völkermord verübt, ist seit langem Meister darin, sich progressiv zu inszenieren. IDF-Soldatinnen, die auf Instagram und TikTok posieren, liefern dazu noch den nötigen „Feminismus“.
Egal wie „fortschrittlich“ und „weltoffen“ sich EU, NATO und ihr Verbündeter Israel im Kontrast zu Russland und China inszenieren, die imperialistischen Stellvertreterkriege in der Ukraine, in Westasien und der Völkermord in Gaza, zeigen die Fratze des Kapitalismus und Imperialismus jeden Tag aufs Neue. Sexualisierte Gewalt ist damit untrennbar verbunden.
Quelle: ORF/Der Standard


















































































