Am 25. Juli gedachten hunderte Menschen im polnischen Sosnowiec des ehemaligen Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), Edward Gierek, anlässlich des 25. Jahrestages seines Todes. An den Gedenkveranstaltungen beteiligte sich auch eine Delegation der Kommunistischen Partei Polens (KPP). Die Ehrung stand zugleich für die Verteidigung des historischen Erbes der Volksrepublik Polen in einem politischen Klima, das von staatlich gefördertem Antikommunismus geprägt ist.
Die Gedenkfeier begann am Grab Gierks auf dem Friedhof von Sosnowiec. Neben Vertreterinnen und Vertretern der organisierenden Vereinigung „Pokolenia“ sprach unter anderem Adam Gierek, Sohn des ehemaligen Parteiführers. Er erinnerte an die tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen während der 1970er Jahre. Die sogenannte Gierek-Dekade war von einer umfassenden Industrialisierung, bedeutenden Infrastrukturprojekten sowie dem Ausbau des Bildungs- und Wohnungswesens geprägt. Im Anschluss an die Kranzniederlegung fand im Museum „Sztygarka“ in Dąbrowa Górnicza eine Konferenz zum politischen und wirtschaftlichen Vermächtnis Edward Gierks statt.
Die Rednerinnen und Redner übten dabei scharfe Kritik an der offiziellen Geschichtspolitik des polnischen Staates. Insbesondere das Institut für Nationales Gedenken (IPN) wurde als Institution bezeichnet, die die Geschichte der Volksrepublik systematisch verfälsche und den Zugang zu historischen Dokumenten einschränke. Adam Gierek wies darauf hin, dass die heutige staatliche Darstellung die Volksrepublik als „schwarzes Loch“ der polnischen Geschichte erscheinen lasse, obwohl Millionen Menschen bis heute in Wohnungen leben, Schulen besuchen und öffentliche Infrastruktur nutzen, die während der sozialistischen Aufbaujahre geschaffen wurden.
Großen Raum nahm auch die Bilanz der kapitalistischen Transformation nach 1989 ein. Die Soziologin und Ökonomin Zdzisława Janowska verwies darauf, dass die Bevölkerung Anfang der 1980er Jahre keineswegs die Abschaffung des Sozialismus gefordert habe, sondern eine stärkere Demokratisierung und Weiterentwicklung der sozialistischen Wirtschaft. Die anschließende neoliberale Umgestaltung habe stattdessen zur Zerschlagung großer Teile der polnischen Industrie geführt. Zahlreiche Betriebe seien privatisiert und weit unter ihrem tatsächlichen Wert verkauft worden. Als Beispiel nannte sie die Zellstoffwerke in Kwidzyn, die im Zuge der Privatisierungen für lediglich rund ein Drittel ihres tatsächlichen Wertes den Besitzer wechselten.
Auch die Philosophin Maria Szyszkowska zog einen Vergleich zwischen der Gierek-Ära und dem heutigen Polen. Während in den 1970er Jahren staatliches, genossenschaftliches und privates Eigentum miteinander verbunden worden seien und der Aufbau einer eigenständigen Industrie im Mittelpunkt gestanden habe, sei das heutige Polen in hohem Maße von westlichem Kapital abhängig. Sie kritisierte darüber hinaus den Wandel des Bildungssystems, das gegenüber der Volksrepublik an Breite und Allgemeinbildung verloren habe, und sprach sich für eine Wiederbelebung des Genossenschaftswesens aus.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass das Andenken an die Errungenschaften der Volksrepublik Polen trotz eines zunehmend repressiven politischen Umfelds weiterlebt. In einem Land, in dem kommunistische Symbole kriminalisiert werden, nationalistische Geschichtsbilder den öffentlichen Diskurs prägen und Kommunistinnen und Kommunisten immer wieder staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind, setzt die KPP gegen den Geschichtsrevisionismus und für den Sozialismus fort. Das Gedenken an Edward Gierek war damit nicht nur eine historische Würdigung, sondern zugleich ein politisches Bekenntnis zur Verteidigung der sozialen und wirtschaftlichen Errungenschaften des sozialistischen Polen.
Quelle: KPP/In Defense of Communism

















































































