90 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs veröffentlichen wir drei Biografien österreichischer Spanienkämpfer. Rund 1.400 Österreicherinnen und Österreicher machten sich ab 1936 auf den Weg nach Spanien, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Sie riskierten dabei ihr Leben – viele von ihnen kehrten nicht zurück. Ihr Einsatz steht bis heute für internationalistische Solidarität und den entschlossenen Widerstand gegen den Faschismus. Der dritte und letzte Teil behandelt das Leben von Hugo Müller.
Geboren wurde Hugo Müller am 30. Oktober 1910 in Linz. Seine Mutter war Aurelia Müller, geboren Bernaschek, sie war die Schwester von Richard und Ludwig Bernaschek. Hugo war das jüngste von drei Geschwistern, Margarethe war 3 Jahre älter als er, Wilhelm ein Jahr älter als er. Letzterer verstarb jedoch im Alter von 20 Jahren, weil er an Diabetes erkrankt war. Die ganze Familie war seit jeher in der Arbeiterbewegung aktiv. Wie auch seine Mutter war Müller ab 1930 Mitglied der SDAP, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, sowie Mitglied des Schutzbundes und beim Verein „Die Naturfreunde“.
Nach seiner Lehre als Buchbinder wurde Hugo Müller als Hilfsarbeiter in der Linzer Tabakfabrik tätig, wo auch seine Mutter arbeitete. Als dann am Morgen des 12. Februars 1934 nach der Waffensuche seitens der Polizei in der sozialdemokratischen Parteizentrale im „Hotel Schiff“ die ersten Schüsse in Linz fielen, lag Hugo Müller nach eigenen Aussagen krank im Bett. Als er um 11 Uhr von den Auseinandersetzungen hörte, sei er daraufhin zum Wirtschafshof gegangen, wo sich schon zahlreiche Schutzbündler aufhielten. Welche Funktion er dort an dem Tag innehatte ist nicht bekannt, nach einer sowjetischen Quelle habe er die Kommandantenfunktion ausgeübt. Als Anklage wegen seiner Beteiligung am 12. Februar gegen ihn erhoben wurde, flüchtete er in die Tschechoslowakei. Über seine Zeit dort ist wenig bekannt. Irgendwann, zumeist im Jahr 1934, in manchen Quellen auch 1933 ist er dann Mitglied der KPÖ geworden. Am 4. Juni 1934 emigrierte Hugo Müller dann in die Sowjetunion. Innerhalb von zwei Jahren absolvierte er die Lehre als Dreher und besuchte die Abendschule an der „Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens“.
Der Putsch des Militärs gegen die Volksfrontregierung in Spanien löste dann eine internationale Solidaritätswelle aus, nicht zuletzt in Österreich, wo die Arbeiterbewegung seit 1933/1934 in die Illegalität gedrängt worden war. Zirka 1.400 Österreicherinnen und Österreicher gingen in Folge freiwillig nach Spanien, um auf der Seite der Republik zu kämpfen. Am 21. Oktober 1936 reisten auch Hugo Müller zusammen Rudolf Schober und mehreren weiteren Genossen nach Spanien. Hugo Müller diente zuerst im 13. Bataillon. Acht Monate lang befand er sich an der vordersten Front, ohne nennenswerte Ruhepausen. Und Ende Dezember erhielten er und seine Mitkämpfer in der ersten Schlacht um die Bergstadt Teruel ihre Feuertaufe. In den nächsten Monaten wurde sein Bataillon mehrmals verlegt, vordergründig ins Gebirge, wo sie eisigem Klima und schwierigen Verhältnissen ausgesetzt waren. Durch die zahlreichen schweren Verluste der letzten Monate wurde die 13. Brigade aufgelöst und der 11. zugeteilt. Im Juli 1937 erfolgte dann die Gründung eines aus Österreichern bestehendes Bataillons. Der Kommandant der Maschinengewehrkompanie war Hugo Müller.
In den Jahren 1937/38 kam es erneut zu schweren Verlusten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hugo Müller den Rang eines Kapitäns inne. Nachdem sich die Reste der Volksarmee nördlich des Ebro-Ufers zurückgezogen hatten, entstand eine neue Spezialeinheit mit besonders starker Feuerkraft, in der Hugo Müller schließlich Chef einer der ersten dieser Bataillonen wurde. Das Spezialbataillon nahm auch an der Ebroschlacht teil, die in der Nacht von 24. auf 25. Juli 1938 begann und als letzter Versuch galt, das Blatt zu wenden. Die Offensive scheiterte jedoch unter großen Verlusten.
In der Nacht auf den 24. September 1938 wurden die internationalen Freiwilligen überraschend von der Front abgezogen. Dabei handelte es sich um einen letztlich erfolglosen diplomatischen Versuch, Franco dazu zu bewegen, auf die militärische Unterstützung Italiens und Deutschlands zu verzichten. Hugo Müller kehrte vermutlich im April oder Mai 1939 in die Sowjetunion zurück. Am 14. September 1940 wurde sein Sohn Peter in Moskau geboren. Der jungen Familie, bestehend aus Hilde, Peter und Hugo Müller, war jedoch nur eine kurze gemeinsame Zeit vergönnt.
Mit dem Überfall der deutschen Truppen auf die Sowjetunion im Sommer 1941 und dem Näherrücken der Front begannen auch die Evakuierungen der Emigrantinnen und Emigranten aus Moskau. Viele von ihnen meldeten sich freiwillig zur Roten Armee. Hugo Müller scheint in einer „Liste der Österreicher in der Kompanie der Sonderbrigaden der Sowjetarmee“ auf. Über seine Einsätze im darauffolgenden Jahr ist jedoch wenig bekannt. Seine Frau Hilde Müller gab in ihrem Ansuchen um eine Hinterbliebenenrente an, dass er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion Partisanengruppen organisiert habe.
Spätestens 1947 waren Hilde Müller die Todesumstände ihres Mannes bekannt. So gab sie an, ihr Mann sei „in einem Gefecht gegen SS-Verbände in den steirischen Bergen“ gefallen. Den vorliegenden Informationen und Dokumenten zufolge war Müller Teil der „Kampfgruppe Avantgarde“, später „ÖFF-Kampfgruppe Steiermark“ (Österreichische Freiheitsfront). Diese Gruppe bestand vor allem aus erfahrenen Spanienkämpfern, die zum Teil bereits ab 1941 als Partisanen in der Sowjetunion aktiv gewesen waren. Die endgültige Entscheidung zur Aufstellung einer österreichischen Partisanengruppe fiel vermutlich Ende 1943 in Moskau.
Nach einer langen und beschwerlichen Reise erreichte die Gruppe Rothwein, das heutige Eibiswald, eine Gemeinde in der Steiermark nahe der slowenischen Grenze. Aufgrund der Witterungsverhältnisse im November 1944 suchten die Partisanen immer wieder Bauernhöfe auf, um sich aufzuwärmen und ihre Kleidung zu trocknen. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die österreichische Partisanengruppe noch 17 Mitglieder, hinzu kamen rund 200 slowenische Partisanen.
Am 23. November 1944 kam es schließlich zu einem heftigen Gefecht auf dem Bauernhof Puschnik, auf dem die Partisanen übernachtet hatten. Am frühen Morgen wurden Granaten abgefeuert, zudem eröffneten mehrere Maschinengewehre das Feuer. Mindestens 16 Partisanen dürften bei diesem Gefecht ums Leben gekommen sein. Angeblich war ein Verräter innerhalb der Abteilung dafür verantwortlich, dass der Überfall durch die deutschen Truppen gelingen konnte. Auch Hugo Müller fiel an diesem Tag im Alter von 34 Jahren.
Hilde Müller und ihr Sohn Peter kehrten 1946 wieder nach Linz zurück. Am 14. Mai 1948 wurde Frau Müller als „Hinterbliebene eines Opfers des Kampfes um ein demokratisches, freies Österreich anerkannt“. Auch ihr Sohn Peter erhielt die entsprechende Amtsbescheinigung.
Heute erinnert eine Gedenktafel an der Außenwand der Linzer Tabakfabrik an Hugo Müller und weitere Gefallene.


















































































