Naypyidaw. Gewalt, Drohungen und willkürliche Festnahmen gegen Beschäftigte in Myanmars Textilindustrie haben seit dem Militärputsch 2021 deutlich zugenommen. Das geht aus einer Zusammenstellung dokumentierter arbeitsrechtlicher Übergriffe im Zeitraum Februar 2021 bis Oktober 2024 hervor. Forschende und Menschenrechtsakteure verweisen auf ein Muster zunehmend brutaler repressiver Methoden in den Fabriken.
Den Unterlagen zufolge ist das Personal wiederkehrenden Schikanen am Arbeitsplatz ausgesetzt: Vorgesetzte und Sicherheitspersonal bedrohen Beschäftigte, gewerkschaftlich Aktive werden überwacht und mehrere Fälle berichten von körperlicher Misshandlung im Zusammenhang mit Arbeitskonflikten. Insbesondere Frauen melden sexuelle Belästigung, während Arbeiterinnen und Arbeiter zugleich zu unbezahlten Überstunden gedrängt werden, um unrealistische Produktionsquoten zu erfüllen.
Die Repression hat auch eine institutionelle Dimension. Gewerkschaftliche und arbeitsrechtliche Organisationen wurden verboten oder in die Illegalität gedrängt, ihre Führungspersonen inhaftiert oder angeklagt. Ein bekanntes Beispiel ist die Gewerkschafterin Myo Myo Aye, die laut Berichten mehrfach im Zusammenhang mit Versuchen, Arbeiterinnen und Arbeiter zu organisieren, festgenommen wurde.
Anstelle unabhängiger Arbeiterkomitees sollen Arbeitgeber unternehmenskontrollierte „Koordinierungskomitees“ eingerichtet haben, in denen die Beschäftigten weder ihre Vertreterinnen und Vertreter frei wählen noch Beschwerden ohne das Risiko von Repressalien vorbringen können. Kritikerinnen und Kritiker argumentieren, dass dadurch eine scheinbare Dialog-Struktur entsteht, die in der Praxis Macht von kollektiver Organisierung abzieht und die Macht der Arbeitgeber über die Arbeitskraft weiter stärkt.
Diese Entwicklung vollzieht sich zeitgleich mit einer intensiveren internationalen Untersuchung der Verbrechen des Militärs. Am 12. Januar 2026 nahm der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag die Verhandlungen im Völkermordverfahren zu den Rohingya auf, mit weiteren angesetzten Verhandlungstagen im Januar.
Die Kapitalinteressen verschmelzen mit militarisiertem Staatsapparat
Was wir in Myanmar sehen, ist staatliche Klassengewalt: Das Bedürfnis des Kapitals nach billiger, disziplinierter Arbeitskraft verschmilzt mit dem Zwangsapparat der Junta. Wenn Gewerkschaften verboten, Aktivistinnen und Aktivisten inhaftiert und „Unternehmenskomitees“ an die Stelle realer Arbeiterräte gesetzt werden, handelt es sich nicht um einen Mangel an Dialog, sondern um eine bewusste Ordnung, in der Produktion durch Angst und Willkür durch Macht abgesichert wird. Transnationale Marken, die aus diesen Fabriken beziehen, sind Teil derselben Wertschöpfungskette und tragen Verantwortung: Ihre Profite beruhen auf der Repression, die die Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiter zerschlägt. Das Kapital kann sich eben verschiedenener Herrschaftsformen bedienen um seine Interessen durchzusetzen.
Quelle: RikpunKt




















































































