Mit dem sogenannten „Bundesgesetz zur Stärkung der Selbstbestimmung von unmündigen Mädchen an Schulen mittels Einführung eines Kopftuchverbots“ schuf sich die Bundesregierung ein Instrument zur Spaltung der Jugend sowie der Lehrerinnen und Lehrer. Am 9. Oktober antworteten tausende Schülerinnen und Schüler, indem sie sich in ganz Österreich am Schulstreik gegen das Kopftuchverbot beteiligten und deutlich signalisierten, dass sie sich nicht spalten lassen werden.
In Wien kamen tausende Schülerinnen und Schüler aus allen Bezirken zum Platz der Menschenrechte, wo die Auftaktkundgebung stattfand. Die anschließende Demonstration führte lautstark und kämpferisch über den Ring zum Sigmund-Freud-Park. Mit Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität!“, „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik – das ist unsere Antwort auf eure Politik!“ und „Free, free Palestine!“ brachten die Jugendlichen ihren Protest auf die Straße. Bei der Abschlusskundgebung im Sigmund-Freud-Park wurden weitere kämpferische Reden gehalten. Auch die internationale Solidarität spielte eine wichtige Rolle: In mehreren Redebeiträgen wurde die Solidarität mit den Kämpfen der Jugend in Frankreich zum Ausdruck gebracht.
Auch einige solidarische Lehrer beteiligten sich am Schulstreik. Gleichzeitig kam es jedoch auch an vielen Schulen zu Repression gegen die Schülerinnen und Schüler, die zum Streik gehen wollten. Am Gymnasium Henriettenplatz 15 stand der Direktor mit einigen Lehrerinnen und Lehrern vor der Tür und ließ niemanden raus. Die Hofpause wurde gestrichen, da der Direktor nicht wollte, dass die Schülerinnen und Schüler die Schule verlassen. Schließlich verließen 30–70 mutige Schülerinnen und Schüler das Gebäude durch Notausgänge und Fenster im Erdgeschoss. Auch Schülerinnen und Schüler anderer Schulen berichteten davon, dass die Direktion sie am Verlassen des Schulgebäudes hindern wollten, indem sie die Türen verschlossen oder versuchten, die Schülerinnen und Schüler in der Aula abzufangen.
Auch in Linz hatten sich circa 150 Schülerinnen und Schüler, solidarische Studierende und weitere Unterstützende in der Früh versammelt. Nach zwei Eröffnungsreden wurde das „Open Mic“ eröffnet, wodurch alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit hatten ihre Erfahrungen und ihren Unmut mit der derzeitigen Lage zu äußern. Lautstark und voller gerechtfertigtem Ärger wurden jedoch nicht nur in das Mikrophon geschrien, sondern auch im Marsch von Martin-Luther-Platz über die Altstadt zum Hauptplatz vereinigten sich die Rufe der Schülerinnen und Schüler nach besseren Bedingungen und der Kritik des Kopftuchverbotes. Vor dem alten Rathaus am Hauptplatz versammelt war wieder die Möglichkeit gegeben, das „Open Mic“ in Anspruch zu nehmen. Erzählt wurde von Mobbingerfahrungen, welche von Vertrauenslehrenden als Lappalien angetan wurden, von gelb gefärbtem Wasser aus den Wasserhähnen und davon, dass es keine Seifen in den Badezimmern gibt. Doch nicht nur die unzumutbaren Zustände an den Schulen wurden angeprangert. Auch die Repressionen durch manche Schulleitungen kamen zur Sprache. So berichteten Schülerinnen und Schüler von Direktorinnen und Direktoren, die versucht hatten, sie an der Teilnahme am Streik zu hindern. In einem Fall wurde sogar noch am Vorabend eigens ein Elternabend einberufen, um Eltern und Jugendliche einzuschüchtern und sie von einer Beteiligung am Streik abzuhalten. Am Ende war klar: Bessere Bedingungen werden den Schülerinnen und Schülern nicht geschenkt, sondern man muss zusammen für diese kämpfen, denn, wie ein Schüler äußerte: „Die Feinde sitzen da oben, nicht hier unten“.
In Salzburg wurde ein Infotisch in der Josef-Preis-Allee organisiert. Neben Infomaterialien, die verteilt wurden, hatten Schülerinnen und Schüler der angrenzenden Schulen dabei auch die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Bei einem Quiz mit Fragen zum Kopftuchverbot gab es mehrere Preise zu gewinnen. Auf Plakaten konnten die Jugendlichen außerdem ihre eigenen politischen Botschaften aufmalen. Viele Salzburger Schülerinnen und Schüler sind über die Versuche, Hetze und Spaltung in die Klassen zu tragen, besorgt. Die aktuellen Proteste der französischen Jugend gegen marode Schulgebäude, Unterfinanzierung und weitere Missstände sind für viele eine Inspiration. In Salzburg gibt es bis jetzt keine Streikbewegung. Die Salzburger Gruppe der Jugendfront ruft daher dazu auf, in den Schulen politisch aktiv zu werden und sich für bessere Lernbedingungen zu organisieren.
Auch in Innsbruck gab es eine erfolgreiche Mobilisierung zum Schulstreik. Laut Schätzungen versammelten sich um 11 Uhr über 400 Personen am Landhausplatz, um gegen das rassistische Kopftuchverbot und die Missstände an den Schulen ein Zeichen zu setzen. Trotz Drohungen und Repressionen durch Schulleitungen gingen viele Schülerinnen und Schüler sowie auch einige Lehrkräfte aus verschiedensten Schulen gemeinsam zur Kundgebung und zur anschließenden Demonstration. Auf der Kundgebung sprachen Schülerinnen und Schüler und berichteten von ihren Erfahrungen mit dem Kopftuchverbot sowie von ihren diesbezüglichen Sorgen. Auch die Jugendfront beteiligte sich mit einer Rede. Die Jugendfront Tirol zeigte mit einem Infotisch vor und nach der Demonstration sowie durch das Verteilen von Flyern Präsenz.
Auch in Bregenz, Graz und Klagenfurt wurden Demonstrationen und Protestkundgebungen organisiert. In Wien, Innsbruck und Linz wurde auch der Redebeitrag der Jugendfront auf den entsprechenden Streikkundgebungen verlesen. In ihrem Redebeitrag verurteilt die Jugendfront das Kopftuchverbot als rassistische und islamophobe Spaltungspolitik, mit der die Bundesregierung von den tatsächlichen Problemen im Bildungswesen ablenken wolle. Statt gegen Unterfinanzierung, Lehrermangel, überfüllte Klassen und schlechte Arbeitsbedingungen vorzugehen, würden Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gegeneinander ausgespielt. Gleichzeitig kritisierte die Jugendfront die zunehmende Militarisierung der Schulen, die geplante Verlängerung des Grundwehrdienstes und die milliardenschweren Rüstungsausgaben auf Kosten der öffentlichen Bildung. Abschließend rief sie die Jugendlichen dazu auf, sich gemeinsam gegen diese Politik zu organisieren: „Schließen wir uns stattdessen zusammen, organisieren wir uns und bauen wir gemeinsam eine Gegenmacht auf!“
Der Schulstreik war ein Zeichen, dass sich die Schülerinnen und Schüler in Österreich nicht anhand konstruierter Trennlinien spalten lassen; dass sie sich mit rassistisch aufgeladener Symbolpolitik nicht von den wahren Problemen an den Schulen ablenken lassen: Leistungsdruck, Lehrermangel, überfüllte Klassen, marode Schulgebäude, Militarisierung stehen an der Tagesordnung.





























































































