90 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs veröffentlichen wir drei Biografien österreichischer Spanienkämpfer. Rund 1.400 Österreicherinnen und Österreicher machten sich ab 1936 auf den Weg nach Spanien, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Sie riskierten dabei ihr Leben – viele von ihnen kehrten nicht zurück. Ihr Einsatz steht bis heute für internationalistische Solidarität und den entschlossenen Widerstand gegen den Faschismus. Der zweite Teil behandelt das Leben von Max Bair.
Max Bair wurde am 28. April 1917 in Tirol geboren. Er wuchs in Puig auf, einer kleinen Siedlung zwischen Steinach und Matrei am Brenner. Schon im frühen Kindesalter half er in der Landwirtschaft mit und konnte deshalb nur zwei Klassen der Grundschule absolvieren. Als er 16 Jahre alt war, verstarben seine beiden Eltern. Zusammen mit seiner Schwester – beide nun Vollwaisen – erbte er den elterlichen Hof, anfangs unter der Verwaltung ihres Onkels.
Max Bair übernahm dann in seinem zwanzigsten Lebensjahr den Hof vollständig und wurde kurzzeitig Mitglied der katholischen, austrofaschistischen paramilitärischen Organisation „Ostmärkische Sturmscharen“. Durch den Arbeiter Johann Winkler, den er am Hof einstellte, kam er das erste Mal mit sozialistischen Gedanken in Berührung und wurde schnell von diesen überzeugt. Bair, der für einen Tiroler typisch streng katholisch erzogen wurde, betonte später in seinem Leben, dass vor allem seine Enttäuschung über die moralischen Versprechen der Kirche ihm die sozialistische beziehungsweise kommunistische Weltanschauung sympathisch machte, da er erkannte, dass durch die Zehn Gebote keine Veränderung der Welt möglich sei.
Entschlossen, die Welt nun wirklich zu verändern, entschied Max Bair im Juni 1937, gemeinsam mit Johann Winkler und zwei weiteren Arbeitern aus der Umgebung, Ludwig Geir und Stefan Zlatinger, nach Spanien zu reisen und sich den Internationalen Brigaden anzuschließen, um gegen die faschistischen Truppen zu kämpfen. Da alle vier nicht genug Geld hatten, um sich eine Reise nach Spanien leisten zu können, verkaufte Bair seine drei Kühe.
Mit einem Ticket zur Weltausstellung in Paris reisten die vier Genossen zuerst nach Paris. Der Besuch der Weltausstellung diente ihnen als Vorwand, um aus dem austrofaschistischen Österreich auszureisen. Danach meldeten sie sich in Paris bei einem Parteibüro und wurden alsbald nach Spanien transferiert. Nach kurzer Ausbildung wurde Bair Teil der 11. Internationalen Brigade, 4. Bataillon – auch „Bataillon 12. Februar“ genannt.
Während der Schlacht von Brunete avancierte Bair zum Unteroffizier und anschließend zum Sergeant. Dort traf er auch das erste Mal den österreichisch-tschechischen Schriftsteller Egon Erwin Kisch. Nachdem Bair während eines Patrouillenganges verletzt worden war, hatte er einen längeren Lazarettaufenthalt in Benicasim. Während dieses Aufenthalts tauschte er sich verstärkt mit Kisch aus. Dieser verschriftlichte die Lebensgeschichte Bairs und veröffentlichte diese unter dem Namen „Die drei Kühe“, als Anspielung auf die drei Kühe, die Bair verkauft hatte, um mit seinen Kameraden nach Spanien zu reisen. In Spanien wurde Max Bair auch Mitglied der KPÖ.
Als 1938 Benicasim von den Faschisten eingenommen wurde, floh er nach Katalonien und dann nach Frankreich. Dort arbeitete er – vermittelt durch Kisch – kurzzeitig als Melker. Als 1939 klar wurde, dass der Zweite Weltkrieg bald ausbrechen würde, reiste Bair in die Sowjetunion aus. Dort arbeitete er in der Industrie und erhielt eine militärische Ausbildung, da er sich als Partisan am Kampf gegen Nazideutschland beteiligen sollte. Im Oktober 1944 wurde er dann als Kommandant des 1. Österreichischen Freiheitsbataillons in Slowenien eingesetzt. Er war in dieser Position aber nicht an Kampfhandlungen beteiligt.
Nachdem Innsbruck von den deutschen Besatzern befreit worden war, wurde Bair im Sommer 1945 als Landessekretär der KPÖ in Tirol eingesetzt. Von dieser Position trat er 1947 zurück und übersiedelte nach Wien, wo er die Matura nachholte. 1949 wurde Bair vom US-amerikanischen Counter Intelligence Corps festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, mit der Sowjetunion zusammengearbeitet zu haben, um Personen in die sowjetische Besatzungszone zu entführen – Vorwürfe, die als absolut haltlos zurückgewiesen wurden. Nach elf Monaten im Gefängnis wurde er 1950 gegen eine Kaution freigelassen. Er beschloss daraufhin, mit seiner Frau Elisabeth Morawitz in die DDR zu übersiedeln.
Elisabeth Morawitz war eine Wiener Kommunistin und Widerstandskämpferin, die für ihre Arbeit von den Nazis inhaftiert und anschließend im Frauen-KZ Ravensbrück interniert wurde. Sie überlebte den Todesmarsch und wurde anschließend in der Wiener KPÖ tätig.
Unter neuen Namen schlossen die beiden in der DDR Ausbildungen ab. Max Bair – nun Martin Jäger – studierte Wirtschaft und arbeitete in der Planungskommission, seine Frau wurde Journalistin. Sie beschrieb später die Zeit in der DDR als „unsympathisch“, doch das hätte nicht an der DDR gelegen, sondern daran, dass deren Bürger Deutsche waren, also sozusagen die alten Besatzer.
Nach der Konterrevolution blieben die beiden in Berlin. Max Bair starb am 25. Juli 2000 als dreifacher Vater. Elisabeth Morawitz starb am 28. Juni 2019. Beide blieben bis zu ihrem Tod politisch aktiv.



















































































