Rund 70 Betroffene schlafen im Freien, während Wärmestuben, Notschlafstellen und das Help-Mobil am Limit arbeiten. Trotz warmer Mahlzeiten, medizinischer Versorgung und Beratungsangeboten bleibt die Hilfe für viele schwer erreichbar – psychische Belastungen und Suchtprobleme verschärfen die Situation zusätzlich.
Linz. Der Winter stellt wohnungslose Menschen im urbanen Raum vor enorme Herausforderungen. In Linz sind laut einer aktuellen Zählung rund 70 Personen akut obdachlos und verbringen die Nächte unter Brücken, in Parks oder in leerstehenden Gebäuden. Hilfsorganisationen versuchen, sie vor der Kälte zu schützen – stoßen dabei aber zunehmend an Grenzen. Seit zwei Jahren verzeichnet die Caritas Oberösterreich überdies einen deutlichen Anstieg an Hilfesuchenden.
Lange Schlangen vor der Wärmestube
Schon am Vormittag bildet sich vor der Wärmestube der Caritas Oberösterreich in Linz eine lange Schlange. Ab 11 Uhr gibt es dort Kaffee und Kuchen, später ein warmes Essen. Der Leiter der Einrichtung, Patrick Hörtnagl, erklärt, man koche „vorwiegend Hausmannskost – also etwas Deftiges, damit die Menschen, die auf der Straße leben, auch entsprechend Kalorien zu sich nehmen“.
An Spitzentagen verzeichnet die Wärmestube bis zu 130 Besucherinnen und Besucher. Darunter sind vor allem Obdachlose, aber auch Mindestpensionistinnen und ‑pensionisten, die sich das Leben in der Stadt kaum noch leisten können. Für 50 Cent wird eine warme Mahlzeit angeboten; auch Duschen und Waschmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Während im Sommer viele nur kurz zum Essen bleiben, verbringen sie im Winter den Großteil des Tages in der Einrichtung – bis zur Sperrstunde um 18:00 Uhr.
Notschlafstellen nahezu ausgelastet
Am Abend suchen viele anschließend die Notschlafstelle des Sozialvereins B37 auf. Etwa 60 Betten stehen dort bereit, dazu Sanitäranlagen, eine kleine Küche und ein Aufenthaltsraum. Fünf Euro kostet eine Übernachtung. Leiter Ulrich Reiter berichtet, die meisten würden nicht nur eine Nacht bleiben, sondern oft mehrere Wochen.
Neben der Unterbringung gibt es auch sozialarbeiterische Angebote. Doch manche Betroffene scheuen davor zurück, Hilfe anzunehmen. Reiter erklärt, man lasse die Menschen zunächst „erst einmal ankommen“, bevor Beratung angeboten werde. Viele ließen aufgrund psychischer Probleme kaum Unterstützung zu. Wer lange auf der Straße gelebt habe, empfinde bereits eine Wohnung oder ein einzelnes Zimmer als einengend, so Reiter. Auch Alkohol- und Drogenkonsum oder Spielsucht führen häufig dazu, dass Menschen abrupt in die Obdachlosigkeit geraten.
Medizinische Versorgung durch das Help-Mobil
Ein wichtiger Anlaufpunkt ist das Help-Mobil, eine gemeinsame Initiative mehrerer Hilfsorganisationen, darunter Caritas, Arbeiter-Samariterbund, Barmherzige Schwestern Linz, Lazarus-Orden und Rotes Kreuz. Zweimal pro Woche macht das Mobil in Linz Station. Neben einer medizinischen Grundversorgung werden auch warme Mahlzeiten, Schlafsäcke und Decken verteilt.
Der pensionierte Mediziner Jörg Ardelt, der sich ehrenamtlich engagiert, berichtet, dass vor allem Menschen ohne Krankenversicherung zur Sprechstunde kommen – etwa wegen Infekten, Hautausschlägen, Verletzungen oder weil sie Medikamente nicht bezahlen können.
Quelle: ORF













































































