Eine Welle koordinierter Selbstmord- und Schusswaffenangriffe erschüttert die pakistanische Provinz Belutschistan. Militär und Behörden sprechen vom tödlichsten Tag für militante Gruppen seit Jahrzehnten – mit zahlreichen Opfern auf allen Seiten und schweren Folgen für die Sicherheitslage.
Quetta. Am Samstag ist es in der südwestlichen pakistanischen Provinz Belutschistan zu einer Serie nahezu zeitgleicher Anschläge gekommen. Nach Angaben des pakistanischen Militärs führten bewaffnete Gruppen mehrere Selbstmord- und Schusswaffenangriffe aus, bei denen insgesamt 33 Menschen getötet wurden, darunter 18 Zivilisten und 15 Angehörige der Sicherheitskräfte. Bei den anschließenden Einsätzen der Armee und anderer Sicherheitsorgane wurden nach offiziellen Angaben 92 Angreifer getötet. Expertinnen und Experten bezeichneten den Tag als den tödlichsten für militante Gruppen in der Region seit Jahrzehnten.
Ziel der Angriffe waren unter anderem Polizeistationen, paramilitärische Einrichtungen, ein Hochsicherheitsgefängnis sowie zivile Infrastruktur. In mehreren Städten und Distrikten kam es zu schweren Gefechten, Explosionen und Sabotageakten. Die Regierung rief landesweit in allen Krankenhäusern der Provinz den Notstand aus.
Koordinierte Angriffe auf Sicherheitskräfte und Infrastruktur
Besonders schwerwiegend waren die Angriffe auf staatliche Einrichtungen. In der Provinzhauptstadt Quetta wurden zwei Polizisten getötet, als ein Polizeifahrzeug mit Granaten angegriffen wurde. In Mastung stürmten Bewaffnete ein Gefängnis und befreiten mehr als 30 Insassen. Weitere Angriffe richteten sich gegen paramilitärische Stützpunkte, konnten dort jedoch nach Angaben der Polizei abgewehrt werden.
Zudem zerstörten Aufständische Eisenbahngleise, was zur Aussetzung des Zugverkehrs von Belutschistan in andere Landesteile führte. In Küsten- und Grenzregionen wie Pasni und Gwadar versuchten Angreifer außerdem, Buspassagiere zu entführen. Mehrere dieser Vorfälle konnten laut Behörden verhindert werden.
Die verbotene Baloch Liberation Army (BLA) übernahm die Verantwortung für die Anschläge. Die Gruppe erklärte, neben Angriffen auf Sicherheitskräfte seien auch Banken ausgeraubt sowie Fahrzeuge und Gebäude in Brand gesetzt worden.
Politische Vorwürfe und langfristiger Konflikt
Das pakistanische Militär sowie Innenminister Mohsin Naqvi machten Indien für eine angebliche Unterstützung der Angreifer verantwortlich. Neu-Delhi wies entsprechende Vorwürfe bislang nicht zurück, hatte ähnliche Anschuldigungen jedoch in der Vergangenheit bestritten. Auch Pakistan erneuerte seine Behauptung, militante Gruppen nutzten afghanisches Territorium für Angriffe innerhalb Pakistans, was von der Regierung in Kabul ebenfalls zurückgewiesen wird.
Die Gewalt reiht sich in eine länger andauernde Eskalation ein. Bereits in den Tagen zuvor hatten Sicherheitskräfte bei Razzien in Belutschistan 41 Aufständische getötet. Nach Angaben der Provinzregierung seien allein im vergangenen Jahr mindestens 700 Militante bei Einsätzen der Sicherheitskräfte ums Leben gekommen.
Belutschistan ist seit Jahrzehnten von einem bewaffneten Konflikt geprägt. Separatistische Gruppen kämpfen dort gegen die Zentralregierung in Islamabad und fordern mehr Autonomie oder die Unabhängigkeit der rohstoffreichen, aber wirtschaftlich benachteiligten Region. In den vergangenen Monaten haben sowohl belutschische Separatisten als auch die pakistanischen Taliban ihre Aktivitäten deutlich ausgeweitet – mit spürbaren Folgen für die Sicherheitslage im ganzen Land.
Quelle: TheGuardian


















































































