Die Früherkennung von Brustkrebs kann sowohl den Krankheitsverlauf als auch die Überlebenschancen der Betroffenen drastisch beeinflussen. Mammographien und entsprechende Screening-Programme sind die derzeit Hauptmöglichkeiten zur Früherkennung von Brustkrebs. Im Rahmen dieser Bemühungen schneidet Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern deutlich unterdurchschnittlich ab und ist hinsichtlich der quantitativen bzw. technologischen Ausstattung nur durchschnittlich aufgestellt.
Die Zielgruppe für das Brustkrebs-Screening sind Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren. Innerhalb dieser Altersgruppe lassen sich laut aktuellen Auswertungen von Eurostat die höchsten Screening-Raten in Dänemark (82,1 Prozent), Schweden (82,0 Prozent) und Finnland (81,6 Prozent) beobachten. Diese Zahlen bedeuten, dass etwas mehr als 8 von 10 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren in den genannten Ländern in den letzten zwei Jahren eine Mammographieuntersuchung durchführen ließen.
Die niedrigsten Brustkrebs-Screening-Raten sind grundsätzlich in Ländern zu finden, deren technologische Entwicklung und/oder ökonomische Spielräume deutlich geringer sind als jene der skandinavischen Länder. Dazu zählen Ungarn (27,2 Prozent), Zypern (29,2 Prozent), Polen (33,8 Prozent) und Lettland (38,2 Prozent). In diesen Ländern wird nur etwa jede dritte Frau der Zielgruppe präventiv auf Brustkrebs untersucht. Das bedeutet wiederum, dass zwei von drei Frauen der Zielgruppe in diesen Ländern weit unter den technologischen bzw. medizinischen Möglichkeiten unserer Zeit leben – oder genau aus diesem Grund frühzeitig sterben könnten.
Das schlechteste Ergebnis nach Lettland wird nicht in einem Land der „EU-Peripherie“ gemessen. Auf dem 5. Platz vom Ende steht Österreich mit einer Rate von 41,3 Prozent. Das heißt, dass nicht einmal jede zweite Frau im Alter von 50 bis 69 Jahren in Österreich in den letzten zwei Jahren präventiv auf Brustkrebs untersucht wurde. Anders formuliert: Bei mehr als der Hälfte der Frauen in Österreich zwischen 50 und 69 Jahren gibt es in der Praxis die gleichen Chancen, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen und entscheidend zu bekämpfen, wie bei Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts – bevor die Mammographie erfunden wurde.
Während die Gründe für diese offensichtlich niedrige Rate in Österreich vielfältig sein können, ist eines klar: Die Verfügbarkeit von Mammographiegeräten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner liegt im Mittelfeld im Vergleich zu anderen EU-Ländern. In Österreich stehen laut dem Eurostat-Bericht ca. zwei Mammographiegeräte pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung. Die niedrigsten Werte weisen Schweden, Tschechien und Polen mit jeweils etwa ein Mammographiegerät pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner auf. Die meisten Mammographiegeräte pro 100.000 Einwohner sind in Griechenland (ca. 7), Zypern (ca. 6) und Italien (etwas über 3) zu finden.
Viele Fragen kann man sich aufgrund der oben genannten Daten stellen. Zum Beispiels: Welche Faktoren sind es, die Untersuchungen hemmen? Sind diese Gründe rein ökonomischer Natur oder gibt es auch kulturelle Imperative? Gibt es vielleicht andere Untersuchungstechnologien, die die Brustkrebs-Screening-Raten erhöhen können? Nichtsdestotrotz gibt es eine Tatsache: Unsere Regierungen und Eliten sind sehr motiviert, die neuesten und effektivsten Waffen zu erwerben. Sie diskutieren intensiv darüber bei fast jeder Gelegenheit. Wie intensiv diskutieren sie über Gesundheitsaufklärung, Vorsorge und Therapien für die Werktätigen, und wie bereit sind sie, die neuesten und effektivsten Medizingeräte zu erwerben?
Quelle: Eurostat























































































