Linz. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Diese Parolen wurden lauthals vergangenen Donnerstag zu dem Lied „L’amour Toujours“ von Gigi D’Agostino am Mensa Fest der Johannes-Kepler-Universität (JKU) gegrölt. Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Lied als Instrument rechter Hetze genutzt wurde. Erstmals 2024 ging ein Video gerade mit diesem Inhalt, gefilmt auf der deutschen Insel Sylt viral; vor etwa drei Wochen wurde ein weiterer Vorfall in einem Lokal in Gosau (OÖ) gemeldet, als Gäste diese Parolen anstelle der eigentlichen Lyrics brüllten.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nicht fest, welche Personen für diese Hetze zu verantworten sind. Der JKU-Direktor, die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) der JKU, sowie einige Fraktionen der JKU haben sich bereits kritisch zum Vorfall positioniert. Stefan Koch, Direktor der JKU schreibt in einer intern ausgeschickten Stellungnahme: „wir [das Rektorat; Anm. Autor] distanzieren uns ganz klar von solchen Vorgängen und Geisteshaltungen. Die JKU bekennt sich uneingeschränkt zu Demokratie, Toleranz und Menschenrechten.“ Gegebenenfalls würden Konsequenzen gezogen werden, wird weitergeschrieben. Auch die ÖH schickte an alle Studierenden eine E‑Mail aus, in welcher der Vorfall geschildert und verurteilt wurde.
Zu glauben, dies wäre nur ein Einzelfall – ein paar junge naive Studentinnen und Studenten, welche durch Alkohol betäubt, im Affekt handelnd, einen Fehler begingen – verkennt die tiefergreifenden Probleme, welche solche Taten erst hervorbringen. Schon längst fühlen sich Rechte wohl genug, um öffentlich ihren Hass kundzutun. Und dies ist nicht nur auf den Straßen zu beobachten, wenn durch ein Mikrophon lautstark die Rückkehr zu traditionellen Werten plädiert wird, oder vermehrt Nazi-Symbolik auf Gebäudewänden auftaucht. Die Universität versteht sich selbst als vermeintlicher Ort der Vielfalt, an dem jeder Mensch willkommen sei, bei diesem Selbstbild wird aber verkannt, dass es in unserem Bildungssystem Kinder aus Arbeiterfamilien sowie Migrantinnen und Migranten vielfach nicht an die Universitäten schaffen. Es herrscht weder Vielfalt nicht wirklich Meinungsfreiheit, wie sich beispielsweise im Zusammenhang mit der Palästinasolidarität immer wieder zeigte. Meinungsfreiheit gilt für rechte und systemstabilisierende Kräfte.
An der JKU zeigt sich das sich rechte Fraktionen und Organisationen immer weiter ausbreiten, nicht erst seit dem Mensafest. Fyler ihrer Organisationen, wie der Ring Freiheitlicher Jugend – der Jugendorganisation der FPÖ –oder der K.Ö.St.V. Severina, eine katholische österreichische Studentenverbindung, werden an der Straßenbahnhaltestelle verteilt, liegen in jedem Seminarraum. Oftmals getarnt als reines „Sauf“-Fest, doch ihre Positionierung des rechten Hasses ist klar. Die Vorkommnisse am JKU-Mensa-Fest sind zu verurteilen. Sie sind eine sichtbare Spitze des Eisbergs, der in der Zukunft noch mehr zu Tage treten könnten und zeigen, das Universitäten eben nicht im luftleeren Raum, sondern in der Gesellschaft entstehen und die Macht- und Herrschaftsstrukturen reproduzieren und konsolidieren.
Mit Idealen der Selbstverwirklichung und dem individualistischen Freiheitsbegriff wird die Ausgrenzung anderer weiter vorangetrieben. Die vermehrten Krisen und die Schnelllebigkeit des Kapitalismus sind ein guter Nährboden für rechte Gruppierungen ihre Ideologie weiter zu verbreiten.



















































































